Nagender Kummer am Ufer

FFH-Gebiet: Zum Schutz der Flussregion sollen Maßnahmen erstellt werden

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Tiere und Pflanzen im FFH-Gebiet für die Zukunft erhalten, dafür setzt sich das Projekt „Natura 2000“ in den EU-Staaten ein.

Region – Lebensräume samt wilder Pflanzen und Tiere erhalten ist das Ziel von „Natura 2000“. Einem europäischen Biotopverbundnetz, das sich an der Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie ausrichtet. Ein Managementplan soll daher helfen, den Ist-Zustand schützenswerter Gebiete aufrecht zu erhalten, oder auf ein optimiertes Level zu bringen. Und ein solcher Plan soll nun auch für das FFH-Gebiet Loisach erstellt werden.

Während die immer mehr werdenden Menschen dem Landverbrauch frönen, werden die Arten immer weniger, meint Thomas Eberherr von der Regierung Oberbayern. Allein in Bayern werden täglich „17, 18 Fußballfelder“ an Fläche versiegelt, so der Teamleiter von „Natura 2000“. Die Verantwortlichen sammelten hierfür Grundstückseigentümer, Landwirte, Fischer und Förster im Bad Tölzer Landratsamt, um zu informieren und zu beruhigen.

Eberherr umriss zu Beginn der Veranstaltung den ins Auge gefassten Raum: Es gehe um die Loisach, genauer gesagt um die 30 Kilometer lange Strecke von Penzberg nach Norden bis der Fluss in die Isar mündet. Doch nicht allein das Wasser interessiert, sondern auch das Drumherum, die „Auwaldstreifen“ und die „15 bis 20 Meter Uferstreifen“, so Eberherr. Umgeben ist das Gebiet von zahlreichen FFH-Arealen, Mooren, was wiederum ein Indikator für die Bedeutung der Loisach als Vernetzter sei.

Um zu prüfen, was das Loisachgebiet zu bieten und vor allem zu bewahren hat, erstelle man einen Managementplan, der die Fragen „Was ist in dem Gebiet? Wie ist der Zustand? Was ist zu tun?“ kläre, erläuterte Eberherr, ehe Simon Putzhammer, als Ingenieurökologe Experte für Landschaftsplanung, offenlegte, welche Lebensraumtypen und Arten in der und um die Loisach entdeckt werden könnten. Obgleich der Verlauf des Flusses „verbaut“ sei und demnach seinen Lauf nicht verändere, zeichne sich das Gewässer dennoch durch einen naturnahen Schwung aus, der sich durch Isaraue und Moore hindurch winde. Das Flussbett ist dadurch keine homogene Masse, sondern sei von „Differenzierungen“ bestimmt, „was für Fische wichtig ist“, erkläre Putzhammer.

Auftaktveranstaltung zum Managementplan: Landwirte und Grundbesitzer in sorge

Und nicht allein das Plätschern der Loisach ist für Fauna und Flora von Belang, sondern auch das von Weihern, die, in Altwasserschleifen liegend, ihre Existenz dem Fluss verdanken. Neben diesen nährstoffreichen Stillgewässern vermutet Putzhammer auch vereinzelte Abschnitte, an welchen Lavendelheide, eine typische Vegetation an alpinen Flüssen, wächst. „So was wollen wir haben“, betont der Ingenieurökologe. Zu finden hofft er auch Biotope und Wiesen, darunter feuchte Hochstaudenflure und magere Flachland-Mähwiesen, die „sehr blütenreich“ seien und somit Nektarsammler anziehen. Beim Blick in den Fluss sieht Putzhammer insbesondere die Mühlkoppe, „eine sehr kleine Fischart“, die sich zwischen Steinen versteckt halte und „kaltes, klares Wasser“ liebe, als besonders schützenswert an. Aber auch deren scheinbares Gegenbild, die großen Huchen, gilt es zu erhalten. Die forellenartigen Kiementräger seien im Alpenvorland einst „weit verbreitet“ gewesen, durch Querbauten im Fluss, die der Stromerzeugung dienen, werde den Fischen jedoch das Wandern und damit Laichen erschwert, beklagt der Ökologen, der mit seinem Team schon bald den Weg in das Gebiet angetreten werde - „zur Bestandsaufnahme“ nach vorgegebenen Kriterien. Danach sollen wünschenswerte und notwendige Maßnahmen in den Managementplan aufgenommen werden.

Nicht dem Wasser und den Wiesen, sondern den Wäldern verschrieb sich schließlich Florian Bossert vom Regionalen Kartierteam Oberbayern. Er stellte zunächst klar, dass zu den an der Loisach liegenden Flächen, die nicht naturnah sind, „keine Bewertung“ und demnach auch „keine Maßnahme“ erstellt werden. Nach der Veranstaltung werde er sich mit seinem Team aufmachen, und „Gebietsrecherche“ betreiben, den Wald begehen, diesen kartieren und in Worten beschreiben. Bei dieser „Waldinventur“ werde geprüft, welche Bäume im Bestand zu finden sind, es werde nach Totholz und Biotopen Ausschau gehalten, das Alter und die Entwicklungsphasen der Gewächse sollen ermittelt und nicht nur in die Höhe und Kronen, sondern auch auf die Vegetation auf dem Boden geschaut werden, erläutert Bossert. Nach der Auswertung werden dann Maßnahmen vorgeschlagen, mittels derer „der günstige Zustand erhalten wird“. Den guten Zustand erhalten, das wollen auch die anwesenden Landwirte, Fischer und Förster sowie Grundstückseigentümer. Doch der Zustand, glaubt man den darauf folgenden Wortmeldungen, sei nicht allzu rosig, zumindest an einigen Abschnitten, dort, wo sich Nager an den Bäumen zu schaffen machen. „Wir müssen schauen, dass der Ist-Zustand bleibt, aber der Biber darf werkeln und schaufeln“, klagte etwa Landwirtin Katharina Urban über die Machtlosigkeit der Landwirte, gegen den Biber auf eigenem Grund gewappnet zu sein. Und Alois Rummelsberger aus Hofstätt schimpfte über das Vorgehen mancher Biberberater, die „Theoretiker, keine Praktiker“ seien. Sein „Was sind das für Leit, die da rausgeschickt werden?“ erntete lauten Applaus. Ärger, den Eberherr durchaus nachvollziehen konnte, doch der „Biber ist nicht Teil des Plans“, betonte er. „Der Biber trägt enorm zur Lebensraumverbesserung bei“. Schließlich könne ein toter Baum, der ins Wasser fällt, Laichgewässer entstehen lassen und Fischen Schutz bieten.

Hildegard Höller aus Beuerberg wollte wissen, wie es mit Entschädigungen aussieht, wenn intensiv bewirtschaftete Flächen zugunsten des Naturschutzes extensiviert werden. Eine genaue Antwort konnte Eberherr nicht geben, denn es „kommt auf den Einzelfall an“ und hänge von der jeweiligen Fläche und dem Förderprogramm ab. Angst um ihre Flächen müssen Landwirte jedoch nicht haben. Der Managementplan sei „nur für die Behörden verbindlich“, sagte Eberherr: „Das, was ist, muss da bleiben, darf nicht verschwinden und sich nicht verschlechtern“. Und diese Regel gelte nicht nur für die Behörden, sondern auch für die Privatpersonen. Aber scheinbar nicht für die Biber. Antonia Reindl

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