Bayrisches Game of Thrones

Filmemacher Walter Steffen spricht über seine mystische Doku „Alpgeister“

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Walter Steffen neben Kamerafrau Dixie Schmiedle bei den Dreharbeiten zu „Alpgeister“.

Landkreis/Wolfratshausen – Gespenster, blutrünstige Reiter und in Lenggries kriechen sogar die Toten aus ihren Gräbern: Walter Steffen verfilmt mit seinem neuen Streifen „Alpgeister“ (Kinostart: 18. Juli) Mythen und Sagen aus der spirituellen Welt unserer Vorfahren in den bayerischen Alpen. Im Interview spricht der 64-jährige Regisseur aus Seeshaupt über Dämonenbegegnungen, aber auch warum jemand bei Neumond allein in den Wald gehen sollte. Premiere ist Donnerstag, 4. Juli, um 20 Uhr auf der Flussbühne Wolfratshausen (Alte Floßlände) an der Loisach.

Herr Steffen, wovon handelt ihr neuer Film „Alpgeister“?

„Er erzählt von Sagen und Mythen entlang der bayrischen Alpenkette. Dabei gehen wir den spirituellen Wurzeln unserer Vorfahren aus der Region nach. Diese waren stärker mit der Natur verwurzelt, als wir heute: Jeder Baum und Berg war ein beseeltes Wesen, und der Mensch war ein Teil davon. Wenn wir uns darauf wieder besinnen würden, würde es uns Menschen und unserer Mutter Erde wieder besser gehen.“

Was hat sie eigentlich inspiriert, „Alp­geister“ zu drehen?

„Die Idee geht auf eine Kindheitserinnerung zurück: Ich bin in Oberstdorf auf einen Bauernhof groß geworden. Dort lebte ich mit meinen Eltern zur Miete auf einem großen Bauernhof. Die alte Bäuerin dort war für mich wie eine liebevolle Oma. Und als junger Bub bin ich oft auf ihrem Schoß gesessen und habe ihren alten Geschichten über andere Welten und das jenseitige Leben gelauscht. Früher wurde ja alles mündlich überliefert und es gab kaum Aufzeichnungen davon. Damals war ich vier Jahre alt, aber die Erzählungen haben mich ein ganzes Leben lang geprägt.

Im Filmtrailer sind Szenen, wie im Spielfilm zu sehen: Ist ihr Film diesmal keine Dokumentation?

„Es ist ein Dokumentarfilm mit vielen aufwendigen Spielfilmszenen. Das Schöne dabei ist: Man kann bei so einem Film alle filmischen Mittel nutzen (lacht). In unseren Spielszenen werden die alten Sagen modern erzählt. Dabei haben wir mit allen technischen Tricks gearbeitet und auch aufwendige Computeranimationen genutzt. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mal wieder ein bisschen Hollywood zu machen (lacht).

Wieso „Hollywood“?

„Das haben viele Mitwirkende so empfunden: Bei einer Sage reitet das Panduren-Heer marodierend und brandschatzend durchs obere Isartal. Das schaut im fertigen Film aus wie bei Game of Thrones (Anmerkung der Redaktion: Amerikanische Fantasyserie). Bei unseren Synchronaufnahmen wirken zudem fast alle deutschen Sprecher aus dieser Serie mit.“

Welche Märchen oder Mythen werden im Film eigentlich genau thematisiert?

„Im ganzen Alpenraum gibt es Sagen und Legenden zur ‚Wilden Jagd‘ in den Rauhnächten: Da sind Geister und Dämonen ins Tal heruntergezogen und haben sogar Leute mit sich genommen. Dazu gibt es Augenzeugenberichte und alte Tonbandaufnahmen, die davon sehr spannend berichten. Im Film wird aber auch die Legende um die Weiße Frau auf Burg Werdenfels beleuchtet. Oder es geht um andere Geschöpfe, wie zum Beispiel die „Drei Bethen“, die zwischen Menschen und Göttern angesiedelt sind und die in der einen oder andern Form im ganzen Alpenraum bekannt waren.“

Einige Szenen spielen in ihrem Heimatdorf Oberstdorf. Hatten Sie dort als Kind auch unheimliche oder ungewöhnliche Erlebnisse?

„Als Kind hatte ich durch die Erzählungen der alten Bäuerin nachts immer wieder Begegnungen mit Geistern und Dämonen. Für mich war das eine wirkliche Welt. Viele Kinder haben ja oft unsichtbare Begleiter, die nur sie sehen. Mich hat schon im Kindesalter die Welt des Diesseits und des Jenseits interessiert.“

Vom Untersberg im Osten bis zum Hochgrat im Westen begibt sich der Film auf eine spannende Reise in die geheimnisvolle Mythen- und Sagenwelt der Bayerischen Alpen. Wurde auch hier im Landkreis gedreht?

„Die größte und aufwendigste Aktionsszene mit dem Panduren-Heer haben wir bei der Kirche und in der Umgebung von Lenggries gedreht. Das marodierende Herr war durch Tölz und Gaißach bis Lenggries gezogen, hat dort plötzlich umgedreht und floh. Bis heute weiß keiner warum. Der Sage nach sind in Lenggries nämlich die Toten auferstanden und eilten den lebenden Lenggriesern zur Hilfe. Die toten Seelen vertrieben also das Panduren-Heer.“

Wo wurde noch gedreht?

„Wir haben auch in Benediktbeuern gefilmt: Beim alten Eiskeller einer Brauerei. Dort wurden die Verlies-Szenen der Burg Werdenfels nachgestellt, da wir für die Burg keine Drehgenehmigung bekommen hatten. Der Sage starb auf der Burg eine Gräfin einen ungerechten Tot und erscheint dort bis heute als ‚Weiße Frau‘."

Was wollen Sie als Regisseur den Zuschauern durch ihren Film mitgeben?

„Mit mir selbst passiert ja auch immer etwas, wenn ich einen Film mache. Für die Dreharbeiten waren wir an vielen wunderbaren Plätzen - Orte voller Wunder. Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauer nach dem Besuch des Films es selbst zulassen können, dass es Dinge gibt, die wir mit unserem bloßen Verstand nicht begreifen. Wir leben in einer beseelten und lebendigen Natur, die voller Geheimnisse ist. Wenn die Leute davon ein Stückerl mitnehmen, wäre es schön.“

Wie würden sie dennoch einen Skeptiker überzeugen?

„ Wenn Leute zu mir sagen: da ist doch nichts und da gibt es nichts, dann rate ich ihnen folgendes: Sie sollen bei Neumond, wenn es richtig schön dunkel ist, in den Bergwald gehen. Ohne Zelt, ohne Schutz. Und dort eine Nacht verbringen. Am nächsten Tag sprechen wir uns dann wieder. Mit Sicherheit wird die Person wird dann anders denken und reden. Man muss sich halt nur trauen... “

Das Interview führte Daniel Wegscheider

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