Mitmachen für die Menschenwürde

Flashmob auf der Tölzer Marktstraße zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes

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Mit Würde hinlegen: Hier auf der Tölzer Marktstraße heißt es, am 23. Mai gemeinsam ein Zeichen für Menschenrechte zu setzen.

Bad Tölz – Hinlegen, um aufzustehen, das wünschen sich von allen Bürgern drei starke Tölzer Frauen: Brigitte Bürkel, Jeannette Stahlberg und Verena Peck. Sie planen zusammen mit der evangelischen Jugend für Donnerstag, 23. Mai, auf der Marktstraße einen sogenannten Flashmob für die Menschenwürde – es ist der Tag, an dem das Grundgesetz 70 Jahre feiert.

An diesem Tag gibt es ein Signal, das alle Besucher der Tölzer Marktstraße betreffen sollte: Um kurz nach 17 Uhr wird in eine Trillerpfeife geblasen – es ist das Zeichen. Jetzt sollten alle zusammenhalten und ihrerseits ein Zeichen setzen: ein Zeichen an die Würde des Menschen. Heißt: Wer kann, der legt sich auf den Boden. Das Hinlegen beginnt unten am Eingang zur Marktstraße bis hinauf zum Winzerer-Denkmal. „Dominosteinartgig soll die Bewegung des Flash­mobs weitergetragen werden“, erklärt Verena Peck (Vorsitzende der Komischen Gesellschaft). Dann beginnt der eigentliche Sinn hinter der Menschenauflauf-Versammlung. Der Reihe nach sollen sich die Hingeworfenen wieder gegenseitig aufhelfen und sich dabei in die Augen schauen, mit den Worten: „Ich sehe dich. Ich respektiere dich. Ich helfe dir auf.“

Die Idee dazu kam von Heilpraktikerin Brigitte Bürkel, die sich dabei von Autor und Neurobiologen Gerald Hüther inspirieren lies. Er schrieb das Buch „Würde“ (2018). Davon wiederum ließen sich viele Leser anspornen, die dann die Initiative „Würdekompass“ gründeten – eine Bewegung zur Stärkung menschlicher Würde im täglichen Zusammenleben. Nun rufen sie in verschiedenen deutschsprachigen Städten zum Flashmob auf.

Jetzt soll der „Würde“ gewürdigt werden, und zwar zum Geburtstag des Grundgesetzes. Denn dort wurde bereits vor 70 Jahren im ersten Satz geschrieben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Bürkel fand mit Peck und Jeannette Stahlberg (Vorsitzenden Kulturverein Lust) zwei Seelenverwandte, um sich hinzulegen und dann wieder aufzustehen. „Wir wollen mit dem Flashmob, die Leute wachrütteln und zum Nachdenken bringen“, betont Peck.

Freilich ist den drei Initiatorinnen durchaus bewusst, dass „einige Leute blöd gucken werden“, sagt Peck weiter. „Aber“, springt Stahlberg bei, „es geht um die Energie vor Ort, damit das Herz aufgeht“. Ganz allgemein gehe es bei dem „spontanen“ Menschenauflauf um die menschliche Wertschätzung gegenüber Mitmenschen. Wer nur zuschauen will, oder einfach einer anderen Person freundlich die Hand schüttelt, sei daher auch willkommen.

Gegenseitig gewürdigt pilgern im Anschluss alle zum Winzerer-Denkmal. Dort wartet dann der elfjährige Nils Dinslage auf seinen Auftritt. Der Tölzer Gymnasiast und Teilnehmer von „The Voice Kids“ wird dort den bekannten Michael Jackson Hit „Heal the World“ (zu deutsch: „Heile die Welt“) singen. „Das passt zum Thema“, meint Dinslage. „Jeder sollte den anderen beachten und Liebe geben.“ Beim Refrain können alle Mitsingen, ergänzt Bürkel. „Die Welt besser machen, dass wollen wir alle zelebrieren.“

Zwei Dinge sind derweil noch Ungewiss: Wird es am Flashmob-Tag regnen und schaut der Stadtrat vorbei, der zeitgleich im Rathaus tagt? Ins Wasser fallen, wird die Veranstaltung nicht, sagt Peck. Hinlegen müsse sich dann keiner, allerdings können die Teilnehmer sich die Hand schütteln und sagen: „Du bist wertvoll“. Ein Zeichen wird es auch vom Stadtrat geben.

In welcher Form wissen die drei Frauen allerdings noch nicht. So hat es laut Peck „unterschiedliche Reaktionen“ auf die Anfrage zur Teilnahme von den Räten gegeben, da sie „Regularitäten“ unterworfen seien. So könne eine Stadtratssitzung nur unter „besonderen Gründen“ unterbrochen werden.

Nichtsdestotrotz soll der Flashmob eine Lanze für den Frieden und die Würde des Menschen brechen. „Ich glaube an die Tölzer-Leute“, sagt Peck und hofft auf „ein cooles Miteinander.Daniel Wegscheider

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