Fördervereinsvorsitzende Sybille Karl sammelt Spendengelder für Essen, PC und Bau

Frische Würze für Suppenküche

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Kinder und Jugendliche zuerst: Bei der Essensausgabe in Kapstadt, die vom Geretsrieder Förderverein Quinton Welman Community Foundation unterstützt wird, dürfen sich die Kleinen in der Schlange vor der Suppenküche vorne anstellen und sich einen Teller heißer Mahlzeit holen.

Geretsried/Kapstadt – Fünf Wochen Südafrika: Aber nicht Safari und Strand lockten Sybille Karl dorthin, sondern Ziegelsteine schleppen, Mörtel rühren und Suppen kochen.

Die Vorsitzende des Geretsrieder Fördervereins Quinton Welman Community Foundation besuchte bereits zum sechsten Mal die Suppenküche in Kapstadt. Begleitet wurde Sybille Karl diesmal vom Vorstandskollegen Arnold van Druten. Und der wurde bei seinem ersten Besuch in Kapstadt sofort ins „heiße Suppen“-Wasser geworfen. „Arnold hat gleich aktiv bei der Essensausgabe mitgearbeitet“, berichtet Karl. Die Suppenausgabe der Familie Welman findet seit August 2014 regelmäßig an drei bis vier Donnerstagen pro Monat statt. Dabei werden zwei 100 Liter Töpfe für die bedürftigen Menschen vor Ort bereitgestellt. Der Ort an dem die warme Mahlzeit ausgegeben wird, nennt sich Mitchells Plain – ein Stadtteil von Kapstadt – der in 1970er-Jahren in der Zeit der Apartheid als Wohnbezirk für Farbige hochgezogen wurde. Heute leben in diesen sogenannten Townships über 300.000 Einwohner. „Oft sind schon nach einer knappen Stunde beide Töpfe leer“, berichtet Karl. Den die Suppenküche der Familie Welman versorgt an einem Tag teilweise über 200 Leute. Zuerst verköstigt die Familie die Kinder mit einem Teller heißer Suppe, danach die Erwachsenen, das sei den Welmans wichtig. Die Familie besteht aus dem Ehepaar Stanford und Lillian und Tochter Mary, unterstützt werden sie bei der Nahrungsausgabe von Tante Trouncell und einem Nachbarn. Tragisch war für die Eheleute der Tod des Sohnes Quinton im Jahr 2009. Der Mann wurde bei seiner Arbeit als Sicherheitsbeamter von einem Kollegen zu Tode geprügelt. Danach drohte der Suppenküche ein jähes Ende, doch die ehrenamtliche Rettungssanitäterin Karl half ihren Bekannten und gründete daraufhin den Förderverein Quinton Welman Community Foundation. Dafür richtete die 42-jährige Geretsriederin auch ein Spendenkonto ein. Darüber schickt sie alle zwei Monate Spendengelder per kostenfreier Überweisung an die Familie in Kapstadt. „Jeder Cent kommt auch eins zu eins dort an“, betont Karl deutlich. Rund 600 Euro fallen für die monatliche Grundversorgung der Suppenküche an. Bei Karls Besuch im September kaufte sie beim Großhändler vor Ort Bohnen, Samp (Maisprodukt), Öl, Linsen, Reis, Kartoffeln, Karotten und anderes frisches Gemüse und Obst. Zusätzlich kommen noch Kosten für Gas, Wasser, und Küchenhelfer dazu. Aber die Suppenküche braucht weitere Unterstützung vonseiten des Fördervereins aus Deutschland. Die Betreiber der Suppenküche äußerten ein paar Wünsche, die für ein Fortbestehen der Nahrungsausgabe wichtig sind. So würde Geld für die Übernahme der Kosten eines Laptops sowie eines Druckers benötigt (430 Euro). Auch brauche es eine Überdachung, damit die darunter wartenden Menschen vor Wind und Wetter geschützt sind. Des Weiteren sind dringend Beton-Ausbesserungsarbeiten im Hof der Essenszubereitung notwendig, da zurzeit große Schlaglöcher das Reinigungswasser nicht mehr abfließen lassen. Somit steht dem Förderverein und den Welmans mit ihrer Suppenküche noch eine Menge Arbeit bevor. Aber diese scheut Sybille Karl ohnehin nicht. Bei ihrem fünfwöchigen Aufenthalt in Kapstadt schwang sie nicht nur den Kochlöffel, sondern engagierte sich auch bei der Habitat for Humanity – eine internationale überkonfessionelle „Non-Profit-Organisation“, also eine Organisation, die keine wirtschaftlichen Gewinne anstrebt. Dafür „habe ich mir die Finger dreckig gemacht“, berichtet Karl, die zusammen mit anderen Helfern in einer Woche elf Häuser zusammen zimmerte. Das Dorf nennt sich Mfuleni und liegt etwa 30 Kilometer von Kapstadt entfernt. Karls Motivation, warum sie dort zum Hammer und Meißel griff? „Die Leute warten hier in ihren Wellblechhütten bis zu 28 Jahre auf ein Haus“, sagt sie. „Dort beginnt und schließt jeder Tag mit einem Warcry“, mit einem Kriegsschrei, ab. Dann stehen die Leute im Kreis zusammen und brüllen verschiedene Schlagwörter. Laut Karl ein Schrei als Ausdruck der Verzweiflung, vor der stummen Ungerechtigkeit und Armut in Südafrika. Aber ein Lächeln vertreibt 1.000 Sorgen, wie ein chinesisches Sprichwort behauptet. Und das kann Sibylle Karl bestätigen, wenn sie von ihrer letzten Reise berichtet: „Das Lächeln der Kinder, wenn sie eine Mahlzeit in den Händen halten, berührt mich jedes Mal. Dann ist der Tag gerettet.“ Daniel Wegscheider 

_______________________________ Spenden an die Suppenküche in Kapstadt sind möglich unter: Raiffeisenbank Isar-Loisachtal eG Kontoinhaber: Förderverein Quinton Welman Community Foundation BIC: GENODEF1HHS, IBAN: DE22 7016 95430001004670.

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