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Fronten in Wolfratshausen: Aktionsbündnis protestiert gegen „Spaziergänger“

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Hausarzt Jörg Lohse in Wolfratshausen
Warnte vor einer Ausbreitung der Angst: der Münsinger Hausarzt Dr. Jörg Lohse. © Peter Herrmann

Wolfratshausen – 950 Kritiker der Corona-Maßnahmen und etwa 300 Anhänger der Impf-Befürworter-Gruppe „WOR tolerant“ versammelten sich am Montagabend in der Altstadt Wolfratshausen.

Das Aktionsbündnis „WOR tolerant“ teilte sich diesmal in zwei Menschenketten am östlichen und westlichen Loisachufer auf. Auf dem Sebastianisteg hielten Kreisklinik-Chefarzt Dr. Josef Orthuber, der Münsinger Hausarzt Dr. Jörg Lohse und Marius Schlosser (Grüne) kurze Reden. „Die Impfung ist der einzig gangbare Weg aus der Pandemie“, stellte Orthuber klar.

Lohse: „Omikron ist der Game-Chaneger“

Dr. Jörg Lohse, ärztlicher Koordinator der Pandemie-Bekämpfung im Landkreis, zeigte sich sogar vorsichtig optimistisch und glaubt an eine schnell steigende Grundimmunität der Bevölkerung. „Omikron ist der Game-Changer: Zu Ostern werden wir keine Angriffsfläche mehr für das Virus bieten“, prognostizierte er. Gleichzeitig warnte er vor einer Ausbreitung der Angst und einer Spaltung der Gesellschaft.

Marius Schlosser, der für den Grünen-Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach, Karl Bär, arbeitet, positionierte sich gegen demokratiefeindliche Tendenzen. „Bleibt auf Abstand zu extremistischen Kräften“, rief er den Spaziergängern zu. Freilich sei Kritik an einigen Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen erlaubt.

„WOR tolerant“ gehen auf Distanz zu Josef Hingerl

Nachdem aus den Lautsprecherboxen Ludwig van Beethovens Ode „An die Freude“ erklungen war, erschien auch Dr. Josef Hingerl kurz am westlichen Ende des Sebastianistegs. Der Rechtsanwalt, der im November auf einer vermeintlichen Kinderrechte-Demonstration den Spruch „Die können mich impfen, wenn ich tot bin“ äußerte, sah seinen vorherigen Versöhnungsaufruf nicht als gescheitert an. „Ich treffe hier ein paar Leute, um mich zu unterhalten: Wir haben hier eine lebendige Demokratie in Wolfratshausen“, erklärte er. Die Teilnehmer des Aktionsbündnisses „WOR tolerant“ gingen auf Distanz zu ihm.

Am Ende verzeichnete Polizeieinsatzleiterin Christina Loy kaum Ordnungswidrigkeiten, auch wenn es ein Großteil der unmaskierten „Spaziergänger“ mit der Einhaltung von Sicherheitsabständen nicht allzu genau nahm. Peter Herrmann

„Wor tolerant“: Nein zu Gewalt und Extremismus

Die Anmeldung „einer eigenen Versammlung durch Herrn Hingerl“ habe die Gruppierung von „WOR tolerant“ überrascht. „Wir hatten bereits nach allen Seiten, auch an Herrn Hingerl signalisiert, dass wir mit Vertreter/innen der Spaziergängern in Kontakt stehen und auf einen offenen Dialog hinarbeiten, der uns aus dieser allseits bedrückenden Situation hinausführt“, teilte Sprecher Konrad Huber mit. Allen von „WOR tolerant“ sei bewusst, dass die Corona-Einschränkungen eines Tages wieder dem regulären Alltag weichen werden. Bis dahin müsse man sich gerade in einer kleinen Stadt wie Wolfratshausen wieder in die Augen sehen können. Aus diesem Grund werden auch Gespräche mit Vertretern beider Seiten geführt. Dabei sei die Idee entstanden, Dialogräume zu schaffen. Laut Huber sei ein erster Schritt ist folgende Erklärung: „Wir distanzieren uns von Gewalt und Extremismus gleich welcher Art. Wir bitten auch darum, von Demo-Tourismus zu den Spaziergängen in Wolfratshausen abzusehen.“

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