Die Tölzer „Höhle der Löwen“

Fünf Start-Ups suchten im „Gschafft“ nach frischem Kapital

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Die Tölzer Christian Schumm und Marco Tunger sind mit ihrer Firma „Abonauten“ seit Oktober 2017 auf dem Markt. Jetzt wollen sie erweitern und suchen neues Kapital. 

Bad Tölz – Die Kennzeichnung der Besucher, die sich am vergangenen Montagabend in der Tölzer Co-Working-Area „Gschafft“ versammelt hatten, anhand der Farbe ihrer Namensschilder war ebenso einfach wie einprägsam: „Die Roten wollen Geld loswerden, die grünen suchen Geld und die Schwarzen sind allgemeine Interessenten.“ Mit dieser Erklärung führte der Tölzer Tobias Fuhrmann in die Veranstaltung „Isar meets Kapital“. Zusammen mit dem Lenggrieser Volker Warzecha hatte er das Zusammentreffen von Start-Up-Gründern und potenziellen Investoren initiiert. Das Ganze angelehnt an die TV-Serie „Die Höhle der Löwen.“

Dass man mit der richtigen Idee zum richtigen Zeitpunkt durchaus erfolgreich sein kann, machte der Sachsenkamer Benjamin Günther deutlich. Als er zusammen mit drei Kompagnons 2008 die Mode-Plattform „Staylight“ im Internet ins Leben rief, „da war E-Commerce in Deutschland noch gar kein Thema.“ Doch die Idee Modehersteller mit Verbrauchern zusammenzubringen schlug so gut ein, dass „Staylight“ mittlerweile weltweit vertreten ist. Im Jahr 2016 wurde die Plattform für einen hohen fünfstelligen Millionenbetrag an den Fernsehsender Pro 7 verlauft. Heute ist Günther sowohl als Investor als auch als Unternehmens-Gründer tätig, wobei er seinen Schwerpunkt auf die Digitalisierung des Mittelstands gelegt hat.

Insgesamt stellten sich an dem Abend fünf Start-Ups vor, die allesamt für ihre Expansionspläne auf der Suche nach neuem Kapital sind. Wenig erstaunlich, dass dabei allen präsentierten Geschäftsideen, die digitale Nutzung im Vordergrund stand. Stefan Grimm und Alexander Kostgeld aus Kempten unterstützen mit ihrer Firma „Bersabee“ dabei Maschinen- und Anlagenbauer, die Münchner Daniel Glasemann und Jonas Lorenz suchen 350 000 Euro, um ihre Mathe-App, die handschriftliche Rechnungen von Schülern korrigiert, weiter ausbauen zu können. Ebenfalls aus München kam auch Felix Brombacher in die Tölzerstadt, der für seinen Unternehmen „Crashtest-Security“ 500 000 Euro sucht. Mit seinem Cloud-basierten-Schwachstellen-Scanner werden Sicherheits-Überprüfungen von neuen Webanwendungen ermöglicht. Und zwar bereits in der Entwicklungsphase.

Mit der überaus pfiffigen Idee eines „Gin-Abos“ sind die Tölzer Christian Schumm und Marco Tunger mit ihrer Firma „Abonauten“ seit Oktober 2017 auf dem Markt. Ihre Kunden erhalten monatlich drei Gins in kleinen Mengen von relativ unbekannten Herstellern zum Ausprobieren. Bei Gefallen können die Abonnenten dann über sie auch größere beziehen. Da die Idee gut eingeschlagen hat, mittlerweile haben sie rund 700 Abonnenten, suchen sie zur Erweiterung ihres Geschäftsmodells auf ein „Genuss-Abos“ 400 000 Euro frisches Kapital. Angedacht sind vorerst die Erweiterungen auf Whiskey, Rum und Kaffee.

Auf einem ganz anderen Gebiet sind die Tölzer Gymnasiasten Maxi Mayr und Henrik Heubl tätig. Sie haben die App „Abicalc“ entwickelt, mit der sie derzeit etwa ein halbes Jahr auf dem Markt sind. Hiermit können angehende Abiturienten ihren zu erreichenden Noten-Durchschnitt in den einzelnen Fächern im Voraus berechnen. Dabei kann die App auf alle deutschen Bundesländer angepasst werden. Jetzt wollen sich die Tölzer Gymnasiasten mit der namhaften Schüler-Plattform „Scoolio“ zusammenschließen. „Denn die haben bereits alles, was ein Schüler braucht, außer einem Abinoten-Rechner“, führte Mayr aus. Ob letztlich ein „Schwarzer“ auf ein „Rotes Geschäftsmodell“ angesprungen ist, wird sich demnächst herausstellen. Ewald Scheitterer

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