Geretsrieds FW-Bürgermeisterkandidat Lug kündigt gewagte Maßnahmen an

Hohe Verdichtung statt maßvolle Bebauung

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FDP-Kreisvorsitzender Daniel Reuter (vorne r.) kritisierte die Böhmwiesenpläne von Robert Lug.

Geretsried – Nach Michael Müller (CSU) stellte sich am Montagabend mit Robert Lug (Freie Wähler) ein weiterer Bürgermeisterkandidat den Fragen von Mitgliedern des FDP-Kreisverbands. Dabei prallten unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Zentrumserweiterung auf der Böhmwiese aufeinander.

Bevor die rund 20 Gäste – darunter auch einige Mitglieder der Freien Wähler – ihre Fragen stellen durften, präsentierte Robert Lug in einem rund halbstündigen Vortrag die Themenschwerpunkte seines Wahlprogramms. Priorität hat für den 49-Jährigen die Verbesserung der von Nachverdichtung geprägten Wohnsituation in Geretsried. „Aufgrund der hohen Grundstückspreise werden vermehrt Drei- und Vierspänner sowie große Mehrfamilienhäuser gebaut“, so Lug. Trotzdem gäbe es derzeit nicht nur zu wenig günstigen Wohnraum, sondern auch kaum hochwertige Wohneinheiten für gutverdienende Mieter, kritisiert Lug. Auf der Böhmwiese könnte seiner Meinung nach beides entstehen. 

Bedarf an Luxuswohnungen

Während preiswerte Flächen für Geretsrieder reserviert werden sollen, die mindestens seit zehn Jahren in der Stadt leben, soll auch der Bedarf an Luxuswohnungen gedeckt werden. „Wir haben ein Defizit an gehobenen Geschosswohnungsbau. Es gibt genügend Leute, die zwölf bis 14 Euro pro Quadratmeter zahlen können“, glaubt Lug. Auf der Böhmwiese könnten laut Lug zudem ein Bürgerhaus, ein Kino, ein Fastfoodlokal sowie hochwertige Einzelhandelsgeschäfte entstehen. „Wir brauchen dort eine hohe Baudichte und müssen den Mut haben, dort auch mal ein fünfgeschossiges Gebäude hinzustellen“, fordert der noch amtierende Dritte Bürgermeister. FDP-Stadtratsmitglied Günther Fuhrmann und Kreisvorsitzender Daniel Reuter fanden an Lugs Zukunftsvisionen indes wenig Gefallen. „Das ist mir zu vollgepackt. Da könnten andere Stadteile darunter leiden“, entgegnete Reuter. Er erinnerte an den Neuen Platz, an dem schon jetzt kaum noch Einzelhändler und Dienstleister angesiedelt sind. „Dieser Platz ist für den Handel nicht mehr zu retten“, erwiderte Lug. 

„Wenn wir in zwei bis drei Jahren keine S-Bahn-Planungssicherheit haben, ist das Projekt an der Böhmwiese abgesoffen“

Dafür entstünde in unmittelbarer Nähe am Künnekeweg eine neue Kindertagesstätte, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen werde weiter steigen, prognostiziert Lug. „Uns fehlen derzeit noch 165 Plätze und wir gehen davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Jahren noch auf 380 steigen könnte“, erklärte Lug. Der FW-Fraktionssprecher räumte ein, dass einige seiner Pläne auch von der erwarteten S-Bahn-Verlängerung abhängen. „Wenn wir in zwei bis drei Jahren keine S-Bahn-Planungssicherheit haben, ist das Projekt an der Böhmwiese abgesoffen“, äußerte sich Lug drastisch. Neue Wohnungen könnten seiner Meinung nach auch auf dem Gelände des Eisstadions und dem benachbarten Festplatz entstehen. „Wenn wir dieses Grundstück verkaufen, hätten wir einen Erlös von rund 15,5 Millionen Euro“, rechnete Lug vor. Damit könnte zum Beispiel der Neubau des Eisstadions als Multifunktionshalle an anderer Stelle und die Verlegung des Festplatzes finanziert werden. Am Montag, 17. Februar, wird die FDP um 20 Uhr in der Gaststätte Isarwinkel mit dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Hans Hopfner diskutieren.

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