Zwischen Orcas und Seelöwen

Die Segeljungs aus dem Tölzer Landkreis reisen mit Passion über den Pazifik

Tim Hund und Vincent Goymann auf dem Pazifik
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Die Segeljungs: Tim Hund (l.) und Vincent Goymann haben schon um die 17.000 Seemeilen zurückgelegt.
  • Viktoria Gray
    VonViktoria Gray
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Pazifik/Gaißach/Königsdorf – Seit 2018 sind die Segeljungs schon unterwegs. Erst waren sie zu viert, nun sind noch zwei übrig. Und die Reise geht weiter. Jetzt geht es über den Pazifik.

Sie wirken entspannt. Sitzen auf ihrem Boot, nebeneinander auf einem schattigen Plätzchen. Braun gebrannt von der mexikanischen Sonne. Tim Hund (23) aus Gaißach und Vincent Goymann (20) aus Königsdorf sind zwei von ehemals Vieren, die von den Segeljungs übriggeblieben sind. Im Video-Gespräch berichten sie über Gefühlslagen und restliche Vorbereitungen, bevor es 3.000 Seemeilen zu zweit über den Pazifik geht. Von Mexico (Cabo San Lucas) geht es nach Nuku Hiva. Eine kleine Insel mitten im Pazifik. Eine offizielle Bestätigung, dass sie dort einreisen dürfen, haben sie noch nicht erhalten. Die beiden sind sich einig: „Das ist verrückt, einen Sprung wie diesen zu solch ungewissen Zeiten zu wagen.“

Bevor sie aber auf der Insel, die gerade mal 339 Quadratkilometer groß ist ankommen, werden sie drei bis vier Wochen nur das weite Meer um sich haben. Während der Reise werden sich die beiden in sechs Stunden Wachen abwechseln. „Das wird schon anstrengend“, erklärt Hund. „Während einer so langen Zeit auf dem Wasser ist die Müdigkeit ein ständiger Begleiter“, erklärt er weiter. „Den vollen Energiezustand können wir da nicht erreichen. Es gibt ja keine richtigen Erholungsphasen“, weiß auch Goymann mit Hinblick auf die sechs Stunden Schichten.

Treuer Begleiter: Mit der Arrya haben die Segeljungs schon einige Abenteuer erlebt.

Trotzdem freuen sich die beiden, dass es endlich weiter geht. Auch ihnen kam die Corona-Pandemie nicht unbedingt gelegen. So verlängerte sich ihr Aufenthalt in Mexiko dadurch erheblich.

Das Mittelmeer, den Atlantik und den Panamakanal haben sie bereits überquert. In Zahlen, berichtet Hund, haben die Segeljungs also schon um die „17.000 Seemeilen“ hinter sich. Erst war es die Eira, seit 2019 ist die Arrya das Fortbewegungsmittel der Wahl. Das Boot, Baujahr 1990, erforderte damals eine umfangreiche Sanierung, die ihnen viel Kraft und Schweiß abverlangte.

Auch einem Orca kamen die Jungs ganz nah

„Schlemmen“ und Dosenfutter

Eine der letzten Erledigungen die noch bevorsteht; ein Großeinkauf. Sie wollen vorgesorgt sein, für drei bis vier Wochen auf hoher See. Von Obst bis Zwiebeln muss die Speisekammer gut gefüllt sein. Mit dabei auch das Wichtigste: gut 700 Liter Wasser. Das Essverhalten ändert sich jedoch nach gut einer Woche. Ist es anfangs noch ein regelrechtes „Schlemmen“, wie Hund lacht, gibt es danach eher Reis und Dosen. „Die frischen Sachen müssen gleich verwertet werden.“

Auch der Kontakt zur Außenwelt beschränkt sich auf dem mit Abstand größten Meer der Welt auf ein Satellitentelefon an Bord. „Wir bekommen schon immer Updates rein. Und so können wir auch unseren aktuellen Standort durchgeben“, erklärt Goymann. Aber es sei auch immer eine Frage der Verbindung.

Für Beschäftigungen, wenn der Seegang mal ruhiger sein sollte, haben die beiden auch vorgesorgt. Gerne lesen sie und haben daher auch viele Bücher an Bord.

Das Wetter ließe sich leider nicht genau planen. „Nach zehn Tagen werden Prognosen sehr ungenau“, so Hund. Die Saison ist dennoch gut. „Wir hoffen auf Rückenwind. Mit 15 Knoten können wir dann stressfrei segeln.“ 15 Knoten entsprechen übrigens circa 27 Kilometer pro Stunde. Gelegentlich wollen die Jungs auch mal ihre Angel auswerfen. „Hoffentlich haben wir auch mal was am Haken.“ Fleisch haben sie auf ihrer Etappe nicht dabei. Auch mit der Thematik ob sie weiterhin Fisch essen wollen, hätten sie sich viel beschäftigt. „Wir sehen immer wieder diese riesigen Fischerboote“, berichtet Hund, der sich deren Auswirkungen durchaus bewusst ist. Für sich hätten die beiden dann aber entschieden: „Wenn wir mal einen Fisch am Haken haben, dann ist das was anderes. Wir essen unseren Fang auch viel bewusster und haben keinen Bycatch.“ (Zu deutsch: Beifang.)

Mittlerweile haben Hund und Goymann sogar ein Magazin herausgebracht. Darin berichten sie ausführlich über ihre Abenteuer. Aber auch auf die Themen Nachhaltigkeit und Meeresschutz gehen sie ein. Zu erwerben gibt es das die 1. Ausgabe auf ihrer Homepage. Künftig planen sie, dass das Magazin halbjährlich erscheint.

Neben dem Angeln haben sich die beiden auch dem Tauchen sowohl mit Flasche als auch ohne (Apnoetauchen) gewidmet. Dabei lernten sie schon so manche Meeresgestalt kennen. Unter anderem einen Orca oder Seelöwen. In Mexiko absolvierten sie den PADI-Kurs (Open Water Diver), den Beginnertauchkurs. Dabei brachten sie aber schon Erfahrungen vom Freitauchen mit.

In Mexiko sind die Corona-Regelungen derzeit weitaus lockerer als in Deutschland. So haben Bars und sogar Clubs offen, wie Goymann berichtet. „In Clubs gehen wir hier aber nicht.“ Die Segeljungs haben, da sie schon sehr lange in Mexiko sind, viele Freunde dort gefunden. Was den Abschied umso schwerer macht. Am Abend vor der Abreise werden sie mit diesen den Abend in einer Bar ausklingen lassen. Bevor es dann heißt: „Leinen Los!“

Infobox

Wer die beiden auf ihrer Weltumsegelung weiterhin verfolgen möchte, findet auf ihrer Website www.segeljungs.de alle näheren Informationen. Zudem gibt es auf ihrem Youtube-Kanal „Segeljungs“ stets aktuelle Videos von ihrer Reise. Auch auf ihren Social-Media-Kanälen Instagram (@segeljungs) sowie dem gleichnamigen Facebook-Profil halten sie ihre Follower mit neuen Beiträgen immer auf dem Laufenden.

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