Landwirte skeptisch

Gaißach tritt nicht dem Landschaftspflegeverband bei

Alois Grünwald
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Alois Grünwald ist Dritter Bürgermeister in Gaißach.

Gaißach – Vorerst wird die Gemeinde Gaißach einem Landschaftspflegeverband im Landkreis nicht beitreten. Diesen Beschluss fasste jüngst der Gemeinderat.

Während ein Großteil der Gemeinden nach Auskunft von Bürgermeister Stefan Fadinger zum Beitritt tendiert, gehört das Dorf im Isarwinkel zu jenen, die noch abwarten.

Bürgermeister Stefan Fadinger hatte eingangs die rechtliche Konstruktion und die Zielsetzungen eines Landschaftsverbandes erläutert: Es handele sich um einen freiwilligen Zusammenschluss unter gleichberechtigter Beteiligung von Landwirten, Naturschutzverbänden und Kommunalpolitikern, die gemeinsam naturnahe Lebensräume erhalten, verbessern oder neu reaktivieren wollen. Die angestrebte „Drittelparität“ solle Vertrauen schaffen und ausgewogene praktische Erfolge schaffen. Gegen einen Beitritt stimmten am Schluss bis auf Alois Grünwald alle Gemeinderäte.

Den Tenor der Diskussion im Gemeinderat gaben die drei Landwirte Georg Fischhaber (FW), Martin Mayer (Bürgerliste Gaißach) und Kaspar Rest (Freie Gaißacher Liste) vor, die sich durch solche Pläne „verunsichert“ fühlten und zum Ausdruck brachten, dass die Landwirte „das nicht brauchen, sich nicht reinreden lassen wollen und alle anstehenden Arbeiten gut selber machen können“. Und Mayer ergänzte: „So schlecht kann unsere bisherige Arbeit nicht gewesen sein, wenn man sieht, wie viele Erholungssuchende jetzt unser Land überrennen.“

Von zwei Seiten betrachtete es Landwirtin Susanne Merk (Freie Gaißacher List). Merk sitzt zudem für die Freien Wähler im Kreistag, dort hat sie die Diskussion zum Landschaftsschutzpflegeverband verfolgt und könne die Bedenken ihrer Kollegen durchaus teilen. Andererseits sehe sie aber auch die Gefahr, dass man ohne eine Beteiligung und ein Miteinander „nicht mehr am Dialog beteiligt ist und abgehängt wird“. Die bisherigen Erfahrungen hätten zudem gezeigt: In solchen Verbänden wurden Einigungen gefunden, „die auch im Sinne der Bauern waren“.

Einziger entschiedener Fürsprecher für einen sofortigen Beitritt war Dritter Bürgermeister Alois Grünwald: Er berichtete von seinen Recherchen zum Thema – mit dem Ergebnis „sehr positiver Erfahrungen in anderen Landkreisen und Vorteilen auch für die Landwirtschaft“, weil sich damit die Chance eröffne, dass man „ansonsten ungenutzte Förderprogramme sehr viel effektiver in Anspruch nehmen kann und Landwirte sich ein zweites Standbein in der Landschaftspflege aufbauen können“.

Worum es in Gaißach bei der Landschaftspflege gehen könnte, gibt die Topographie vor: Das sind die ausgedehnten Filzen im Nordosten der Gemeinde und die historischen Heckenlandschaften im Süden. Beides sind unbestritten schutzwürdige Lebensräume mit einer hohen ökologischen Qualität und Artenvielfalt.

Rainer Bannier

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