Biermühle schließt

Wirt der Café-Bar am Untermarkt hört im März auf

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Unaufgeregter Wirt am Zapfhahn: Biermühle-Wirt Dietsch Sattler lässt sich selten aus der Ruhe bringen.

Wolfratshausen – Vor 20 Jahren übernahm Dieter Sattler – besser bekannt als „Dietsch“ – die Bewirtung der Café-Bar Biermühle am Untermarkt. Nun wirft der 67-Jährige das Handtuch.

Das Gastronomie-Sterben in Wolfratshausen setzt sich weiter fort. Nach Sebastian Blatt („Brückenwirt“), Jason Thalhammer („Chili’s Tex Mex Bar“) und Ralf Musto („Restaurant Musto’s“) kündigt auch der Wirt der Café-Bar Biermühle seinen Rückzug an. „Im März ist Schluss“, verriet der 67-Jährige dem Gelben Blatt. 

Im April 2000 übernahm Sattler das Lokal am Birnmühlplatz. Es liegt gegenüber seines Ladens „Toko Bagus“, in dem er – ebenfalls nur noch bis März 2020 – indonesisches Kunsthandwerk verkauft. Die Liebe zum fernöstlichen Inselparadies Bali dürfte einer der Hauptgründe für Sattlers Rückzug sein. Der einstige Sozialarbeiter, der unter anderem Jugendliche im Münchner Hasenbergl betreute, will nun noch mehr Zeit in Indonesien verbringen. „Dort gibt es rund 13 000 Inseln: Die will ich alle entdecken“, scherzte er. 

Bleiben werden ihm viele Erinnerungen an seine Zeit als Wirt der Biermühle. „Vor allem bei den Sommerfesten und bei den Konzerten war hier immer viel los“, berichtete Sattler. Dann war der Andrang so groß, dass zusätzliche Bedienungen aushalfen. An manchen Werktagen wartete Dietsch aber auch mal alleine bis weit nach Mitternacht auf Gäste. „Es kam vor, dass dann plötzlich doch noch eine Menge Leute auf einmal ins Lokal kamen“, sagte Sattler. So wie an einem Dienstagabend kurz vor Weihnachten, als etwa ein Dutzend Stammgäste noch ein paar Runden Darts spielen wollten: „Hier haben sich alle getroffen: Chefärzte, Handwerker, Journalisten und Obdachlose“, schwärmt die „Gräfin“. Ihren richtigen Namen und ihr exaktes Alter will die Dame, die wie ein Großteil der Gäste der Generation Ü50 angehört, unserer Zeitung nicht verraten. „Hier nennen mich alle nur Gräfin. Das muss reichen“, erklärt die Blondine. Währenddessen nimmt der Waliser Eif Phillips die Dartscheibe ins Visier und platziert in kurzen Abständen drei Pfeile in die Mitte. Der seit 1986 in Wolfratshausen lebende Brite bedauert den Abschied von Dietsch. „Ich bin traurig, dass die Biermühle zumacht: Das war für mich ein wichtiger Treffpunkt, an dem ich viel Spaß hatte“, sagt er in akzentfreiem Deutsch. 

Probleme mit betrunkenen oder pöbelnden Besuchern gab es in dem Lokal kaum. „Wenn es mal Unstimmigkeiten auftauchten, habe ich das immer verbal gelöst“, erklärte Sattler in seiner typischen unaufgeregten Art. Für Härtefälle lag im Hinterzimmer dennoch ein Ochsenfiesler bereit. „Den habe ich zum Glück nie benötigt“, lacht Sattler. In der Nachbetrachtung beklagt er vor allem, dass es Politikern und Bürgern in den vergangenen Jahren nicht gelang, die Altstadt und damit auch die Umgebung der Biermühle am Untermarkt aufzuwerten. „Die Marktstraße ist der einzig befahrbare Friedhof in Deutschland: Da passiert nicht mehr viel“, stellt der 67-Jährige resigniert fest. Ab dem kommenden Frühjahr wird eine neue Betreiberin mit einem veränderten Konzept ihr Glück versuchen. Peter Herrmann

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