Bewahrung von Eiszeitrelikten

Gebietsbetreuer informieren Umweltminister über das Eglinger Filz

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Prominenter Besuch im Eglinger Filz (v.l.): Elisabeth Pleyl (Gebietsbetreuerin „Isar-Loisach-Moore“), Hubert Oberhauser (Bürgermeister von Egling), Umweltminister Thorsten Glauber, Landrat Josef Niedermaier sowie Petrus Höhensteiger (Abt der Benediktinerabtei Schäftlarn).

Egling/Landkreis – Moore sind keine unheimlichen Orte, wie sie oftmals in literarischen und filmischen Szenarien dargestellt werden: Jahrhundertelang fürchtete der Mensch das Moor – dort gingen angeblich Geister und Irrlichter um. Aber das Moor, bayerisch Filz genannt, ist ein natürlicher Platz mit einer Vielfalt an Flora und Fauna. Es beheimatet etwa die große Moosjungfer – Eine Libellenart, die vom Aussterben bedroht ist. Für Pflege und auch den Klimaschutz setzen sich heutzutage die bayerischen Gebietsbetreuer ein – auch im Eglinger Filz.

Kniehohes Gras wippt im Wind und es ist heiß, drückende Schwüle im Eglinger Filz. Über einen hölzernen Steg und Forstweg führt der Pfad zum Pressetermin der bayrischen Gebietsbetreuer, die erstmals ihr Treffen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen abhalten. Von Weitem blitzen schon die grünen Westen der Akteure der Moorrenaturierung durchs Dickicht – auch der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ist gekommen und ist sich nicht zu schade, in weißem Hemd, dunkelblauer Anzughose und dunkelroten Lederschuhen durchs Filz zu stapfen.

Bewahrung von Eiszeitrelikten

Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe
Die Gebietsbetreuer sorgen unter anderem dafür, dass die Überlebenschancen von bedrohten Arten im Eglinger Filz verbessert werden. © dwe

Aber nicht die Politikprominenz steht heute im Mittelpunkt, sondern die Pflanzen- und Tierwelt des Eglinger Filzes: das mit einer Fläche von mehr als 200 Hektar der größte zusammenhängende Moorkomplex des nördlichen Landkreises ist. Rund 40 Hektar davon gehört der Benediktinerabtei Schäftlarn. „Ohne die Unterstützung der Gemeinde Egling und des Grundeigentümers, das Kloster Schäftlarn, wäre die Renaturierung des Eglinger Filzes nicht möglich gewesen“, berichtet Walter Wintersberger, Kreisvorsitzender vom Landesverbund für Vogelschutz (LBV). „Die große Moosjungfer, eine seltene Moor-Libelle, die auf der roten Liste steht oder die Strauchbirke, ein streng geschütztes Eiszeitrelikt, hätten hier sehr wahrscheinlich nicht überleben können“, so Wintersberger weiter. Doch bis Ende der Siebzigerjahre sah der natürliche Fortbestand des Hochmoores noch anders aus: Torfstich und Entwässerung drohten das Ökosystem zu zerstören. dwe

„Naturschützer sind keine Pflanzlzähler“

Die Gebietsbetreuer leisten somit wertvolle und wichtige Arbeit für den weltweiten Klimaschutz: Und dafür dankt Umweltminister Thorsten Glauber den Akteuren nun im Eglinger Filz: „Naturschutz funktioniert nur miteinander“, betont er. „Die Tölzer Moorachse ist dafür ein vorbildliches Beispiel.“ Denn: „Moorschutz ist Klimaschutz.“

Und dafür brauche es Personal, sagt Landrat Josef Niedermaier, der den Besuch des Umweltministers nutzt, um seinen Unmut Luft zu machen: „Wenn die Politik ihre Gesetze umgesetzt sehen will, dann darf ich Naturschützer nicht als Pflanzlzähler und überflüssige Bürokraten bezeichnen. Wir brauchen mehr Personal“, so sein eindringlicher Appell für mehr finanzielle Mittel.

Laut dem Bayerischen Landesverband für Umwelt sind heute 95 Prozent der bayerischen Moore entwässert. Die Folgen sind dramatisch: Der Torfkörper trocknet aus und zersetzt sich, dadurch wird den Moorarten und den Lebensgemeinschaften wörtlich das Wasser abgegraben.

Auch das Eglinger Filz blieb nicht von einer Entwässerung verschont. Von 1960 bis 1977 wurde dort maschinell Torf abgebaut. „Ein rund 400 Meter langer Torfstich durchzieht die Hochmoorfläche und ihr südlicher Teil wurde völlig zerstochen“, berichtet der Landesbund für Vogelschutz, der Träger der Gebietsbetreuungen „Isar und Moore im Tölzer Land“; das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (ZUK) ist für die „Isar-Loisach-Moore“ zuständig. 2003 haben sich die beiden Vertreter sowie der Bayerische Bauernverband zusammengetan, um die Renaturierung der Moorgebiete im Eglinger Filz voranzutreiben.

In den vergangenen 25 Jahren wurden im Landkreis vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt in 20 Hochmooren und auf rund 250 Hektar sogenannte Wiedervernässungsmaßnamen geplant und umgesetzt. Grund: Moore bieten einen natürlichen Schutzwall gegen Hochwasser. Zudem stehen sie für Klimaschutz, da sie ein wichtiger Kohlenstoffspeicher sind, denn in den Moosen wird das Treibhausgas dauerhaft gebunden.

Moore sind im Grunde genommen wie Schwämme, da der Torf Wasser speichert. Und diese Evolution begann mit dem Ende der Eiszeit vor rund 12.000 Jahren, informiert das Bayrische Landesamt für Umwelt. Heute sind in Bayern noch fünf Prozent dieser Relikte in Form der Nieder- und Hochmoore in Bayern intakt. Daher gilt es umso mehr, die Tölzer Moor­achse am Leben zu halten, da sie ein „wichtiger Bestandteil“ für den Klimaschutz ist, so Glauber. „Im Eglinger Filz wird er mustergültig und gemeinschaftlich umgesetzt“, lobt der Umweltminister alle Akteure die sich dafür einsetzen – insbesondere die 55 bayerischen Gebietsbetreuer in ihren grünen Westen. Daniel Wegscheider

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