„Für eigene Rechte einsetzen“

Selbstständigkeit sollen sich laut Assunta Tammelleo alle Frauen bewahren

Ein Herz und Blumen zum Weltfrauentag
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Am 8. März ist Weltfrauentag
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
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Gelting – Am Montag wurde der Weltfrauentag gefeiert, der bereits eine über hundertjährige Tradition hat. Im Jahr 2021 steht er in Deutschland unter dem Motto der Solidaritätskampagne „Message To My Sister“.

Wir fragten die Betreiberin des Geltinger Hinterhalts Assunta Tammelleo was ihr der Weltfrauentag bedeutet.

Assunta Tammelleo: Wirtin im Geltinger Hinterhalt.
Frau Tammelleo, hat der Frauentag eine Bedeutung für Sie? Wenn ja, welche? Sollte der Tag überhaupt noch ‚gefeiert‘ werden?
„Natürlich hat der Internationale Frauentag immer noch eine Bedeutung. Und sicherlich nicht nur für mich. Solange Frauen fast ein Fünftel weniger verdienen, auch für gleiche Arbeiten im Durchschnitt schlechter bezahlt werden, in der Regel die Hauptlast an Familienarbeit, Pflege und Erziehung tragen, viel zu oft Opfer von männlicher Diskriminierung und Gewalt sind und gerade in Corona-Zeiten unter den durch die Pandemie bedingten wirtschaftlichen Folgen mehr zu leiden haben…. So lange braucht es am besten auch nicht nur einen, sondern viele Frauentage.“
Was war in Ihren Augen die wichtigste Errungenschaft im Rahmen des Frauenrechts? Da gibt es ja einiges: vom Wahlrecht, über Gleichbehandlung am Arbeitsplatz bis hin zum Sexualstrafrecht.
„Das ist – glaube ich – nicht zu beantworten. Stellen Sie sich mal die Liste vor alleine über die zurückliegenden Jahre! Das Recht Abitur zu machen und zu studieren, einen Beruf zu ergreifen und das eigene Geld zu verwalten - ohne den Ehegatten, die Kindererziehung mitzubestimmen, das Recht zu wählen und gewählt zu werden, die Abschaffung des Begriffs „eheliche Pflichten“ im Gesetzbuch, dass Vergewaltigung in der Ehe auch Vergewaltigung ist, die Anzahl der Frauen in echten Führungspositionen, das Recht öffentlich Hosen zu tragen, auf die Berge zu wandern und Fußball spielen zu dürfen... Die Liste ist gar schier endlos!“
In diesem Jahr steht der Weltfrauentag unter dem Motto der Solidaritäts-Kampange: ‚Message To My Sister‘. Was denken Sie darüber?
„Dazu kann ich wirklich wenig sagen. In den 80er bis Anfang 90er Jahren war ich Aktivistin in einer besonderen Frauenrechtsorganisation. Seit zig Jahren arbeite ich gerade auch mit Frauen im Kulturverein Isar Loisach erfolgreich an der soziokulturellen Belebung unserer Region. Veranstaltungen zu ‚One Billion Rising‘, ‚Internationaler Frauentag‘ und ‚Gedenken an die Verbrennung der Bücher durch die Nazis‘ führen wir Jahr für Jahr erfolgreich organisiert von Frauen durch. Seit 2020 sitze ich für die Fraktion der Grünen im Stadtrat in Wolfratshausen. Wenn ich noch Zeit finde, kann ich mich mit der Aktion Message To My Sister beschäftigen, aber kennen tue ich das nicht.“
Aktuell wird diskutiert, ob die Corona Situation besonders für Frauen ein Rückschlag ist. Wie sehen Sie das?
„Das liegt auf der Hand. Aufgrund der Pandemie werden nicht nur die demokratischen Grundrechte massiv eingeschränkt. Auch berechtigte Forderungen, von denen die Gleichberechtigung von Frau und Mann sehr wichtige ist, werden hinten angestellt. “
Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft der Frauen?
„Für Zukunft der Frauen wünsche ich mir, dass gerade Frauen sich mehr und energischer für ihre Rechte einsetzen.“
Welchen Rat würden Sie aus jetziger Sicht Ihrem jungen Ich geben?
„Meinem jungen Ich würde ich den Rat geben, es nochmal genauso zu machen. Nicht zu heiraten, immer selbstständig berufstätig zu sein, auch wenn die Kinder klein sind, und sich immer politisch zu engagieren: Für Frauen und alle anderen Menschen natürlich.“


Die Fragen stellte Franca Winkler

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