Solidarität mit „Charlie Hebdo“

Gedenkabend: Künstler erinnern an Attentat auf Mitarbeiter des Satiremagazins

Andreas Rebers
+
Warnte vor religiösen Fundamentalisten: der Musikkabarettist Andreas Rebers.

Gelting – In der Kulturbühne Hinterhalt gab es einen Gedenkabend für „Charlie Hebdo“-Opfer.

Vor sechs Jahren kamen bei einem Attentat zwei radikaler Islamisten in den Pariser Redaktionsräumen der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ elf Menschen ums Leben. Ihnen war ein Gedenkabend in der Kulturbühne Hinterhalt mit Kabarettisten, Musikern und Vertretern von Bürgerrechtsorganisationen gewidmet.

„Noch immer werden Menschen, die sich mit religiösen Glaubensvorstellungen kritisch auseinandersetzen, weltweit verfolgt oder gar getötet“, betont Assunta Tammelleo. Die Betreiberin der Kulturbühne Hinterhalt und Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) sowie des Bundes für Geistesfreiheit hatte deshalb am Jahrestag des Attentats erneut ein umfangreiches Programm mit Reden, Musikbeiträgen und Kabarettauftritten prominenter Künstler zusammengestellt.

So plädierten Dr. Jacqueline Neumann vom Institut für Weltanschauungsrecht und Dr. Hans-Joachim Schemel von der Humanistischen Union für eine Abschaffung des in Deutschland geltenden Blasphemie-Paragraphen 166. Dieses Gesetz verbietet die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Dazu zählt auch die Veröffentlichung von kritischen Karikaturen.

Nach Ansicht von Neumann und Schemel unterstütze eine Strafverfolgung jedoch die Ansichten religiöser Fundamentalisten und sei nicht mit dem im Grundgesetz verankerten Recht der Meinungsfreiheit vereinbar. Dass die Gefahr im Nachbarland Frankreich sogar noch größer als hierzulande sei, beweise die Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty der am 16. Oktober 2020 in seinem Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. „Das ist schon starker Tobak“, befand Moderatorin Tammelleo.

Noch immer werden Menschen, die sich mit religiösen Glaubensvorstellungen kritisch auseinandersetzen, weltweit  verfolgt oder gar getötet.

Assunta Tammelleo, Betreiberin der Kulturbühne Hinterhalt

Zur Auflockerung präsentierte Tammelleo zwischendurch eine musikalische Einspielung: Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker hatte zusammen mit Sarah Straub, Tamara Banez, Fany Kammerlander und Jo Barnikel für den Gedenkabend im Hinterhalt eine neue Version seines Liedes „Sage Nein“ aufgenommen. Für anspruchsvolle Unterhaltung sorgten der Kabarettist HG. Butzko, der für seinen Kurzauftritt sogar extra aus Berlin anreiste, sowie der in München lebende Musikkabarettist Andreas Rebers. Letzterer warnte vor der Verharmlosung islamistischer Extremisten. „Ich bin ein Mann der Mathematik: Ich ziehe Ihnen einen geraden Strich von der Imam-Ali-Moschee an der Hamburger Außenalster bis zu den Terrorcamps der Al-Qaida bei Teheran“, sagte Rebers.

Die während der Livestream-Aufzeichnung über einen PayPal-Button gesammelten Spenden werden unter anderem zur Finanzierung des mit 3.000 Euro dotierten Kunstpreises „Der Freche Mario“ verwendet. „Er soll alle Künstler ermutigen, sich mit den sogenannten ewig währenden religiösen Wahrheiten und Autoritäten zu befassen“, wünscht sich Tammelleo. Drei der preisgekrönten Karikaturen aus den vergangenen 13 Jahren zeigte sie während der Übertragung, die der Bund für Geistesfreiheit, der KIL und der Verein „Das andere Bayern“ veranstaltet hatten. Tammelleo dankte zudem der Giordano-Bruno-Stiftung und der Galerie der Kirchenkritik für die finanzielle Unterstützung der technisch aufwändigen Veranstaltung. Peter Herrmann

Lesen Sie hier auch ein Interview mit der Hinterhalt-Wirtin.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare