Wärmesuche noch nicht kalt

Stadtrat befürwortet Geothermie-Probebohrungen am „Buchberger Zipfel“

Geothermie-Bohrung in Gelting
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Die ersten beiden Geothermie-Bohrungen der Firma Enex in den beiden Jahren 2013 und 2017 auf dem Geltinger Gut Breitenbach brachten keinen Erfolg.

Gelting – Im Juli präsentierte die Firma Enex dem Stadtrat den aktuellen Stand des Geothermie-Projekts in Gelting. Ein Vorhaben, das im Haupt- und Finanzausschuss zu einer kontroversen Debatte führte.

Nach den beiden Fehlschlägen der Geothermie-Bohrungen in den Jahren 2013 und 2017 vereinbarte die Firma Enex eine Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen Eavor. „Die ausgezeichnet erforschten Untergrundverhältnisse im Bereich Geretsried und die bestehende Infrastruktur geben Anlass zur Hoffnung, dass die geothermische Wärmeerschließung noch zum Erfolg führen könnte“, erklärte Enex-Geschäftsführer Robert Straubinger im Stadtrat.

Demnach ermögliche das Konzept der tiefengeothermischen Erforschung mit vier „Eavor Loops“ die Förderung einer thermischen Kapazität von 60 MW und damit eine hohe CO2-Kompensation auf Geretsrieder Flur sowie die Fernwärmeversorgung von weiten Teilen des Stadtgebiets. „Gerade die undurchlässige Geologie am Bohrplatz Tierheim bietet die ideale Grundlage, um in einem geschlossenen Kreislauf mit Oberflächenwasser nachhaltige und vor allem grundlastfähige Energie zu gewinnen, ohne auf nachfließendes geothermisches Wasser angewiesen zu sein“, glaubt Straubinger. Nach der Präsentation beauftragte der Stadtrat den Arbeitskreis Klima (AK), sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen.

Die nun beantragte Baugrunduntersuchung kommt für Stadträtin Martina Raschke (Grüne) jedoch zu früh. Denn der AK hat seit der Sommerpause noch nicht getagt. „Wir sollten uns erst mal Zeit zur Meinungsfindung lassen“, erklärte AK-Mitglied Raschke. Laut Rathausmitarbeiterin Nadine Zikeli würden die Bohrungen etwa zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Die Breite liegt zwischen 60 und 80 Millimetern, die Tiefe bei drei bis sechs Metern. Dafür seien zwar keine Rodungen notwendig, bei positiven Ergebnissen und einer Fortführung des Projekts müsse aber mit Baumfällungen gerechnet werden.

Während sich Stadtarchitekt Christian Müller sowie die Stadträte Sonja Frank und Heiko Hawla (beide Freie Wähler) für die Baugrunduntersuchung aussprachen, meldete Volker Reeh (Geretsrieder Liste) Bedenken an. „Ein Bohrplatz gegenüber dem Tierheim ist ungeeignet“, kritisierte er. Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank verwies darauf, dass umfangreiche Schallschutzmaßnahmen vorgesehen sein.

Derweil macht sich Ewald Kailberth (CSU) Sorgen um das angrenzende Waldstück, das auch „Buchberger Zipfel“ genannt wird. „Wir sollten uns einen anderen Standort suchen“, forderte er. Der Geltinger Landwirt und CSU-Fraktionskollege Franz Wirtensohn sieht das genauso. Obwohl er dem Haupt- und Finanzausschuss nicht angehört, durfte er sich zu Wort melden. „Welchen Sinn hat es den Baugrund zu untersuchen, wenn wir da gar nicht abholzen? Da muss man vorsichtig sein“, sagte er.

Bürgermeister Michael Müller (CSU) wies daraufhin, dass eine Zustimmung für eine Baugrunduntersuchung noch keine Zusage zur endgültigen Durchführung des Geothermieprojekts sei. „Es geht nur darum, Daten und Fakten als Grundlage für eine weitere Diskussion zu schaffen“, stellte er klar. Am Ende befürwortete die Mehrheit des Gremiums die Baugrunduntersuchung. Sabine Lorenz, Ewald Kailberth (beide CSU), Martina Raschke (Grüne) und Hans Hopfner (SPD) verweigerten ihre Zustimmung. Peter Herrmann

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