Kommunale Wärme

Gemeinde nimmt neue Biomasse-Heizwerk in betrieb und heizt damit ihre Gebäude

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Inbetriebnahme des Biomasseheizkraftwerks Lenggries (v.l.): Martin­ Sappl vom technischen Bauamt, Bürgermeister Werner Weindl und Planer Christian Schuhmacher.

Bad Tölz – Jetzt ist es im Lenggrieser Rathaus wieder warm: Denn das kommunale Gebäude wird nun vom neuen Biomasse-Heizkraftwerk mit Standort neben der Grund- und Mittelschule versorgt. Jüngst stellte Bürgermeister Werner Weindl zusammen mit Ingenieur Christian Schuhmacher und Martin Sappl vom Bauamt die Anlage im technischen Detail vor.

Draußen nieselt es. Werner Weindl klappt seinen Regenschirm zusammen und betritt das neue Gebäude neben dem Lenggrieser Schulsportplatz. Dort drinnen herrschen angenehme Temperaturen. Und so sei es jetzt auch in seinem Büro, verkündet der Bürgermeister: „Im Rathaus ist es jetzt wieder warm“, berichtet er schmunzelnd. Der Grund: Jüngst ging das neue Biomasse-Heizkraftwerk nebst Nahwärmenetz in Lenggries in Betrieb. Versorgt wird damit neben dem Schulkomplex zusammen mit dem Schwimmbad „Isarwelle“ nun auch die örtliche Tourist-Information, Bücherei und der Alpenfestsaal. Und zukünftig zapft auch der geplante Kindergarten im ehemalige Gasthof zur Post Strom und Wärme vom Blockheizkraftwerk, dass per Hackschnitzel befeuert wird.

Die ausrangierten Ölheizungen in den nun angeschlossenen kommunalen Gebäuden, wie dem Rathaus, hätten jährlich bis zu 240.000 Liter Heizöl verbraucht, betont Ingenieur und Planer der Anlage Christian Schuhmacher.

Das jetzige Brennmaterial in Form der Hackschnitzel stammt aus der Region; genauer aus dem Lenggrieser Ortsteil Hohenwiesen. Es handle sich dabei um „Ernte- und Gipfelholz“, erklärt Schuhmacher. Aber auch Stammholz, in dem der Borkenkäfer wütete, werde für die Wärmeproduktion verwendet.

Um einen Umweltaufschrei zu vermeiden legt Schuhmacher nach: „Im Vergleich zur Zellstoffindustrie ist der Verbrauch Pillepalle“, betont der Ingenieur. Deren Verbrauch sei gewaltig: „Da werden ganze Wälder pro Tag gefällt.“ Für die Lenggrieser Biomasseheizanlage werden pro Jahr 42 Lastwagen-Ladungen Hackschnitzel angeliefert. Diese werden dann im Bunker gelagert und über ein Förderband nach oben zum Heizofen transportiert. „Ein Magnetabschneider sortiert Metallteile aus“, erklärt Schuhmacher. Also generell Störteile, die nicht in die Anlage gehören. Apropos Störmeldungen: Der Hausmeister der Grund-und Mittelschule sieht täglich im Blockheizkraftwerk nach dem Rechten. Und falls es dennoch zu einer Störung kommen sollte, werden Gemeindemitarbeiter sofort über eine App-Warnung darüber informiert.

Die Gemeinde trägt indes das ihrige zur Energiewende bei: Das Biomasse-Heizkraftwerk ist nämlich nun Teil des dort seit bereits zehn Jahren bestehenden Blockheizkraftwerks. Im Sommer läuft nur das Blockheizkraftwerk, in den Wintermonaten zusätzlich die Hackschnitzelanlage. „Dadurch werden pro Jahr rund 650 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart“, sagt Planer Schuhmacher weiter.

Die Gesamtsumme für das neue Biomasse-Heizkraftwerk beläuft sich auf 3,5 Millionen Euro. Dafür erhielt Gemeinde einen Zuschuss von zwei Millionen Euro, die sich aus den beiden Förderbeiträgen der Europäischen Union (sie stemmt 50 Prozent der Kosten) sowie zehn Prozent vom Freistaat Bayern aufteilen. Daniel Wegscheider

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