Heimvorteil genutzt

Georg Unterholzner gewinnt siebtes Liedermacherfestival

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Die drei besten Liedermacher (v.l.): Lokalmatador Georg Unterholzner siegte vor Ramon Bessel und Fred Ape.

Geretsried – Rund 100 Besucher kamen jüngst in den Geretsrieder Ratsstubensaal, um den Wettstreit von fünf Musikern zu erleben. Am Ende setzte sich mit dem Ascholdinger Georg Unterholzner der jüngste Künstler durch.

Fast schüchtern und etwas verlegen betrat der 25-jährige Musikstudent vergangenen Freitagabend als erster von fünf Interpreten die Bühne im Ratsstubensaal. Dann griff er beherzt in die Saiten und sang in bairischer Mundart über seine Großmutter, seine erste Liebe und Kindheitsstreiche. Vier Lieder hatte der Sohn des gleichnamigen Krimiautors und Veterinärs Zeit, um die rund 100 Besucher im Ratsstubensaal zu überzeugen.

Da er einen großen Anhang aus Ascholding mitbrachte und ihn aufgrund seiner Schulzeit am Geretsrieder Gymnasium viele Besucher kannten, bekam Unterholzner den lautesten Applaus. Dass er beim abschließenden Publikumsentscheid die Nase vorn haben würde, war eigentlich zu diesem frühen Zeitpunkt schon klar.

Dabei war die Konkurrenz nicht zu verachten. So überzeugte der Heimstettener Vokalpianist Ramon Bessel nicht nur durch seine Virtuosität am Klavier sondern auch durch pointenreiche Texte. Am Ende eines Stückes brachte der spätere Zweitplatzierte sogar einen lautstarken „Preißnjodler“ unter. Etwas melancholischer aber nicht minder beeindruckend präsentierte Tim Köhler aus Breitengüßbach bei Bamberg seine Stücke. Die tiefe Stimme des Oberfranken erinnerte in den besten Momenten an Sven Regener – dem Sänger der Berliner Band Element of Crime.

Mit Geretsried verbindet Köhler amüsante Jugenderinnerungen. „Ich besuchte 1993 die Zivildienstschule und ließ mich manchmal im Rollstuhl durch die Stadt fahren“, berichtete er. Bühnenerfahrung brachte er im Vergleich zu dem Dortmunder Fred Ape wenig mit. Der gelernte Krankenpfleger tourt seit vielen Jahrzehnten durch ganz Deutschland und scheut in seinen Liedern auch nicht vor klaren politischen Ansagen zurück. Im Stile von Reinhard Mey, Wolf Biermann oder Franz-Josef Degenhardt prangerte er die ungerechte Güterverteilung in der Welt an, schimpft auf die FDP oder die Bänker, die bitteschön die Finger von seiner Tochter lassen sollen. Dass die Sparkasse die Durchführung des Liedermacherfestivals finanziell unterstützte, kümmerte ihn wenig. Am Ende erhielt Ape für seinen couragierten Auftritt den Preis der Jury.

Das aus Bürgermeister Michael Müller, Kulturherbst-Organisator Günter Wagner und Kulturreferent Hans Ketelhut bestehende Gremium lobte den stimmigen Gesamteindruck des Politbarden. Schwer hatte es dagegen Helga Brenninger. Die aus Dorfen bei Erding stammende Liedermacherin versuchte, mit nachdenklichen Liedern in bairischer Mundart zu punkten, landete am Ende aber nur auf den fünften und letzten Platz. Wie alle anderen Interpreten durfte sie bei der Siegesehrung einen Scheck aus den Händen von Kulturamtsmitarbeiterin Anita Zwicknagl und Bürgermeister Michael Müller entgegennehmen.

Für Willi Sommerwerk, der den Abend außerhalb des Wettbewerbs mit Liedern von Reinhard Mey eröffnet hatte, gab’s immerhin eine Flasche Wein. Den Schlusspunkt setzte dann wiederum Georg Unterholzner, der mit zwei Zugaben für den krönenden Abschluss des abwechslungsreichen Abends sorgte.Peter Herrmann

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