Geplante Zentrumsumgestaltung kann Anwohner nicht überzeugen

Faktencheck oder Mogelpackung?

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Das neue Geretsrieder Zentrum: (Bild oben) der „Krämmel-Bau“ am Karl-Lederer-Platz. (Bild unten) Im Rathaus konnten sich die Bürger ein aufgestelltes Baumodell einsehen.

Geretsried – Mit Luftballons und engagierten Reden protestierten Anwohner am Samstagvormittag gegen die ihrer Ansicht nach zu massiven Bauprojekte am Karl-Lederer-Platz. Im benachbarten Rathaus luden derweil Bürgermeister Michael Müller, Architekt Klaus Kehrbaum sowie Investor Reinhold Krämmel und der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Wolfgang Selig zu einem Faktencheck ein.

Zwölf Anwohner-Familien hatten am Samstag unter dem Motto „Geretsrieder wacht auf“ zu einer Demonstration aufgerufen. Auf einem Flugblatt prangerten sie vor allem die Errichtung einer „überdimensionierte Tiefgarage“ und den geplanten „siebengeschossigen Monsterbau“- Platz an. Der von der Krämmel Familien GbR geplante Bau soll 25 bis 27 Meter hoch werden. Um die Größe des Projekts zu veranschaulichen, markierte die „Interessengemeinschaft Karl-Lederer-Platz“ (IG) die Umrisse des geplanten Gebäudes mit Klebeband auf dem Boden. Danach stiegen 25 Meter lange Luftballon- Ketten in die Höhe. Der Zahnarzt Dr. Elmar Immertreu und der ehemalige FDP-Stadtrat Peter Tobisch bezeichneten das Konstrukt in ihren Reden als „einfallslose Schachtelarchitektur“ und einen „kolossalen Fremdkörper“. Ihrer Meinung nach wird der Platz durch diesen Neubau unzumutbar verschattet. Zudem könnte die geplante Zentralgarage das Grundwasser verdrängen und so für feuchte Kellerwände in den angrenzenden Altbauten sorgen. Auf einem bunt bedruckten, bilderreichen Faltblatt wehrt sich die Stadt nun gegen diese Vorwürfe. So würde der Platz durch das große Gebäude nicht erschlagen, sondern aufgewertet. Darüber hinaus würden alle technischen Maßnahmen ergriffen werden, um die Gefahr von Grundwasserveränderungen vorzubeugen. Auch für Feste, Märkte und Veranstaltung wäre nach der Umgestaltung noch genügend Platz vorhanden. Widersprochen wird auch der Behauptung, dass am Ende die Anwohner für die Platzwiederherstellung zu zahlen hätten. Denn die Investoren haben sich vertraglich verpflichtet, sämtliche Kosten der Bauleitplanung zu tragen – darunter auch die Wiederherstellungskosten. Mehrkosten, die durch eine „etwaige Qualitätssteigerung“ hervorgerufen werden, werden durch den städtischen Haushalt beglichen und nicht auf die einzelnen Anleger umgelegt. Erläutert wurden diese Berichtigungen schon in verschiedenen Ausschuss- und Stadtratssitzungen. Doch nun hatten die Bürger am Samstagvormittag im Rahmen eines „Faktenchecks“ auch die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an Architekten, Investoren und Bürgermeister Michael Müller zu richten. Auch viele Stadträte kamen am Samstagvormittag in den fast überfüllten Sitzungssaal des Rathauses. Erstmals war dort auch ein ergänztes Stadtmodell zu sehen. Darin eingearbeitet waren die geplanten Krämmel-Neubauten und das künftige Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft an der Egerlandstraße. IG-Sprecherin Eva Eberhardt kritisierte dabei vor allem, dass die bestehenden Häuser jeweils mit einem Brettchen aufgestockt wurden. „Das ist eine Mogelpackung, die die wahre Höhe des Krämmel-Neubaus verharmlosen soll“, zeigte sie sich enttäuscht. Architekt Klaus Kehrbaum hielt dagegen, dass das Modell nur die mögliche Höhenentwicklung von Geretsrieder Gebäuden in den kommenden Jahrzehnten abbilden soll. Am Ende des Faktenchecks, der die zuvor anberaumte Zeit von zwei Stunden weit überschritt, konnte kaum einer der kritischen Anwohner überzeugt werden. Allein in die von der IG ausgelegten Unterschriftenlisten trugen sich 400 Gegner der geplanten Neugestaltung ein. Die Bürger können nun noch bis Montag, 13. März, ihre Einwände im Rathaus einreichen. Ein Recht, von dem sie auch schon bei den vorhergehenden Entwürfen ausgiebig Gebrauch machen. Peter Herrmann

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