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Wasserkraftwerk statt Floßrutsche

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Am Kastenmühlwehr in Wolfratshausen könnte regenerativer Strom erzeugt werden. © ph

Wolfratshausen – Nicht unumstritten ist der geplante Bau eines Restwasserwerks am Kastenmühlwehr. Der Bauausschuss forderte in seiner jüngsten Sitzung belastbare Zahlen hinsichtlich der bewegten Wassermenge und vertagte die Fortsetzung der Debatte auf die kommende Stadtratssitzung.

Die RMD-Consult GmbH hat vorgeschlagen, am östlichen Loisachufer auf Höhe des Kastenmühlwehrs ein sogenanntes Restwasserkraftwerk zu errichten. Das Münchner Unternehmen unterbreitete die Idee im Auftrag von Armin Meyer, der wiederum die Firma E-Werk Weidachmühle vertritt. Obwohl Behörden wie beispielsweise das Wasserwirtschaftsamt dem Vorhaben aufgeschlossen genüberüberstehen, verlangten einige Mitglieder des Bauausschusses konkrete Zahlen bezüglich der bewegten Wassermengen. Die erforderlichen Daten sollen bis zur nächsten Stadtratssitzung am 20. Februar vorliegen. Wegen des über das ganze Jahr hinweg konstanten Abflusses von etwa 4,5 m³/s können nach Schätzungen der RMD Consult GmbH pro Jahr rund 1,18 Millionen Kilowattstunden regenerativer Strom erzeugt werden. Damit könnte der Bedarf von etwa 295 Haushalten gedeckt werden.

Um das ehrgeizige Projekt zu realisieren, ist allerdings die Nutzung der Floßgasse als Kraftwerkstandort notwendig. Armin Meyer, Vertreter der Firma E-Werk Weidachmühle, fragte daher bei der Stadt an, ob die Floßgasse zum Bau eines Restwasserkraftwerks zur Verfügung gestellt werden kann. „Die bestehende Unterhaltslast für die Floßrutsche würde damit für die Stadt Wolfratshausen entfallen“, erklärte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen). Da die Flößer bereits signalisiert haben, dass dieser Flussabschnitt von ihnen ohnehin nicht genutzt werde, scheint dem Vorhaben nichts mehr im Wege zu stehen. Zudem untersagt das Landratsamt die Flößerei oberhalb des Kastenmühlwehrs. Auch das Wasserwirtschaftsamt in Weilheim hat keine Vorbehalte zur Nutzung der Floßgasse als Kraftwerksstandort.

Die Mitglieder des Bauausschusses weigerten sich dennoch, vorschnell grünes Licht zu geben. „Welche Wassermengen werden da bewegt?“, fragte Richard Kugler (parteifrei für die CSU) in die Runde. Der Verlust der Floßrutsche dürfe seiner Ansicht nach nicht leichtfertig in Kauf genommen werden. Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) sprach zwar von einer „schönen Idee“, erinnerte aber auch an den geplanten Bau einer Surfwelle an der nur wenige hunderte Meter entfernt liegenden Weidachmühle. Laut Bürgermeister Heilinglechner hat sich der Betreiber bereits bereit erklärt, „Entschädigungsleistungen“ für den Betrieb der Surfwelle zu tragen. Auf Anregung von Günther Eibl (CSU) und Josef Praller (Bürgervereinigung) stimmte der Rathauschef zu, die Debatte über den Bau eines Restwasserkraftwerkes in die kommende Stadtratssitzung zu vertagen. Peter Herrmann

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