Geld für Kinder ohne Kindheit

BdV-Vorsitzender berichtet über Entschädigungsgesetz

Vortrag über Integration: Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen Dr. Bernd Fabritius und Kreisvorsitzende der Siebenbürger Sachsen Ursula Meyndt
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Vortrag über Integration: Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen Dr. Bernd Fabritius folgte der Einladung der Kreisvorsitzenden der Siebenbürger Sachsen Ursula Meyndt gerne.

Geretsried – Zum Vortragsabend lud jüngst die Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen in den Veranstaltungssaal der Gaststätte Isarau ein.

Dr. Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, erläuterte das vor Kurzem von der rumänischen Regierung erlassene Entschädigungsgesetz.

Dass Fabritius trotz eines vollen Terminkalenders nach Geretsried kam, war ihm ein besonderes Bedürfnis. „Für mich ist die Stadt ein Musterbeispiel gelungener Integration“, lobte er. Bürgermeister Michael Müller nahm den Dank des Bundesregierungsbeauftragten geschmeichelt entgegen und versprach, Fabritius im kommenden Jahr zu Großveranstaltungen wie dem Kronenfest oder dem Waldsommerfest einzuladen – sofern es die Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt.

730 Euro bei fünf Jahren Russland-Verschleppung

In seinem Vortrag betont der BdV-Vorsitzende zunächst, dass das vor Kurzem erweiterte Entschädigungsgesetz auch die Nachkommen von Heimatvertriebenen, die in Zwangsarbeiterlager verschleppt oder gar getötet wurden, betrifft. „Es ist ein Gesetz für die Kinder ohne Kindheit“, erklärte er. So haben Kinder, deren Elternteil noch in der Verschleppung verstorben ist, einen eigenen Anspruch von umgerechnet 104 Euro pro Monat. Nachkommen, die während der Verschleppung der Eltern bereits gelebt haben, können die gleiche Höhe der Entschädigung beanspruchen, wie diese dem betroffenen Elternteil zugestanden hat. Das wären bei fünf Jahren Russland-erschleppung etwa 730 Euro im Monat. „Nachkommen, die erst nach dem Ende der Verschleppung geboren wurden, erhalten immerhin noch die Hälfte“, sagte Fabritius.

Antrag auf Entschädigung mit hohem Aufwand

Der 55-Jährige gab jedoch zu bedenken, dass die Antragsstellung mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden sei. „In der ersten Stufe ist ein formeller Antrag an die Agentia Judeteana pentru Plati si Inspectie (AJPIS) im Landkreis des letzten Wohnsitzes erforderlich, dem eine Lebensbescheinigung, ein Beleg über die erlittene Verfolgungsmaßnahme beziehungsweise deren Anerkennung durch die AJPIS, urkundliche Belege zum Nachweis der relevanten Personenstandsbeziehungen sowie eine Kopie des Personalausweises beizugeben sind“, berichtete der Rechtsanwalt.

In der zweiten Stufe sind dann die in der ersten Stufe durchgesetzte Bescheide der AJPIS, ein formeller Antrag an die Casa Judeteana de Pensii, eine Lebensbescheinigung, eine Zahlungserklärung nach Vordruck für internationalen Sozialleistungstransfer inklusive Kontobestätigung, Personenstandsurkunden und eine Ausweiskopie beizufügen.

Zudem müssen die Nachkommen den Verschleppungstatbestand mit Urkunden belegen. „Es reichen zum Beispiel die in den 1950er-Jahren ausgestellten Bescheinigungen oder eine Kopie des Arbeitsbuches, wenn dort die Verschleppung eingetragen ist“, so Fabritius weiter. Er betonte, dass wegen der finanziellen Entschädigung nicht die Rente oder eine andere Sozialleistung gekürzt werden darf. ph

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