Gerüstet für Großschadensfall

BRK-Kreisverband simuliert Rettungsszenario bei fiktivem Sprengstoffanschlag

BrK-Simulation für Katastrophe
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Proben in einer Pressekonferenz den Umgang mit Medienvertretern: der leitende Notarzt Dr. Tobias Reploh (l.) und Organisationsleiter Knut Gerken.

Geretsried – Zu einem Simulationstraining trafen sich jüngst 50 Führungskräfte des BRK-Kreisverbandes Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Polizei und Feuerwehr in der Geretsrieder Leitstelle des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) an der Jeschkenstraße.

Dabei berichtete Organisationsleiter Knut Gerken zunächst von zwei fiktiven Terroranschlägen: Am Samstagmorgen gegen 9 Uhr explodiert im Edeka-Supermarkt am Breslauer Weg eine Bombe, nur eine Stunde später kommt es im nur wenige hunderte Meter entfernten Penny-Discounter an der Sudetenstraße zu einem weiteren Attentat eines Terroristen.

24 Menschen verletzten sich schwer, zwei sterben. 130 Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), der Feuerwehr und der Polizei sowie 15 Notärzte eilen zu den Tatorten. Hubschrauber kreisen über der Stadt. 200 Anwohner werden binnen kurzer Zeit evakuiert – so das geschilderte Schein-Szenario.

In einer kurzfristigen einberufenen Pressekonferenz mussten sich nun Einsatzleiter Knut Gerken und der leitende Notarzt Dr. Tobias Reploh den teils unangenehmen Fragen der Medienvertretern stellen.

„Ziel des Simulationstrainings ist es, das Führungssystem im Großschadensfall des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen mit allen Schnittstellen zu üben“, erklärte Peter Lanzner. Das BRK-Mitglied hat am vergangenen Samstag zusammen mit Holger Beigel rund 50 Notärzte, Sanitäter sowie Vertreter der Geretsrieder Polizei und Feuerwehr zu einem achtstündigen Übungstag eingeladen.

Auf dem Prüfstand stand auch der Umgang mit Medienvertretern. Einige BRK-Mitglieder schlüpften in die Rolle von Journalisten und sparten nicht mit Kritik: „Warum kamen die Einsatzkräfte so spät? Weshalb dauerte die Evakuierung der 200 betroffenen Anwohner so lange? Warum wurden die Retter so großen Gefahren ausgesetzt, dass auch sie Verletzungen davontrugen?

Knut Gerken versuchte, die angespannte Situation mit sachlichen Aussagen zu beruhigen. „Wir mussten von einer dynamischen Lage ausgehen und die Einsätze von Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr koordinieren“, erklärte er. So galt es, Schwerverletzte schnellstmöglich in regionale Kliniken zu transportieren und am wenige Kilometer entfernten Flugplatz Königsdorf eine Rettungsmittelstation aufzubauen.

„Eine große Herausforderung ist es auch, binnen kurzer Zeit zu entscheiden, wer von den vielen Verletzten sofort versorgt werden muss und wer unter Umständen noch etwas warten kann“, weiß Wolfgang Tutsch. Der Leiter der BRK-Bereitschaft Wolfratshausen berichtete zudem, dass sich Einsatzkräfte aufgrund hoher Belastungen nach einiger Zeit abwechseln beziehungsweise ablösen müssen. Denn schon ein leichtsinniger Fehler könne Menschenleben gefährden. „Die Gefahrenlagen von Terroranschlägen oder Geiselnahmen werden in Zukunft leider zunehmen“, befürchtet Organisationsleiter Gerken. Deshalb habe das BRK etwa Pläne für die Evakuierung von Schulen in der Schublade. „Wir wollen den höchstmöglichen Lerneffekt aus Simulationsübungen ziehen: Wir sind in der Lage, geprobte Strukturen auf den Ernstfall zu übertragen“, versprach Gerken abschließend. Peter Herrmann

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