„Affront gegen die Stadt“

Geretsried: Kreisklinikdebatte und Landrat-Absage dominieren Bürgerversammlung

Rund 40 Klinikmitarbeiter und einige Politiker machten vor der Geretsrieder Bürgerversammlung auf ihr Anliegen aufmerksam.
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Protest: Rund 40 Klinikmitarbeiter und einige Politiker machten vor der Geretsrieder Bürgerversammlung auf ihr Anliegen aufmerksam.

Geretsried – Der Protest gegen die angedachte Privatisierung der Wolfratshauser Kreisklinik erreichte bei der Bürgerversammlung einen neuen Höhepunkt.

Nachdem rund 40 Klinikmitarbeiter lautstark für einen Erhalt des Krankenhauses in kommunaler Hand demonstriert hatten, kritisierte Bürgermeister Michael Müller (CSU) in den Ratsstuben die kurzfristige Absage von Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler).

„Ich habe kein Verständnis, dass der Landrat es nicht für notwendig hält, die erste Bürgerversammlung nach 15 Monaten Pandemie aufzusuchen und auch keinen Vertreter schickt. Das ist ein Affront gegen die Stadt Geretsried“, wetterte Müller.

Michael Müller, Bürgermeister Geretsried

Niedermaier begründete seine Absage damit, dass er zunächst mit den Mitarbeitern der Kreisklinik sprechen wolle. Er versprach der Belegschaft zuvor in einem offenen Brief zwar, dass am Standort Wolfratshausen auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung angeboten werden soll. Dennoch möchte Niedermaier herausfinden, welche Konzepte potenzielle Kooperationspartner haben, um finanzielle Defizite zu minimieren.

Die Kreisklinik ist kein exklusives Wolfratshauser Thema. Das betrifft uns alle.

Michael Müller

Müller warf Niedermaier vor, nur die vor 20 Jahren privatisierte Tölzer Asklepios-Klinik retten zu wollen. „Die Filet-Stückchen gehen deswegen nach Tölz, und in Wolfratshausen gibt‘s nur noch Pflaster und Spritzen“, befürchtet Müller. Er zeigte sich besorgt, dass sich der Nord-Süd-Konflikt im Landkreis verschärft habe. „Die Kreisklinik ist kein exklusives Wolfratshauser Thema. Das betrifft uns alle“, befand der Geretsrieder Bürgermeister.

Klinik-Analyse infrage gestellt

Nach seiner emotionalen Rede erhielt Müller viel Zuspruch. „Ich bin froh, dass wir einen Bürgermeister haben, der sich so vehement für unsere Kreisklinik einsetzt“, lobte Willi Sommerwerk. Chefarzt Dr. Josef Orthuber stellte die Klinik-Analyse der Berliner Unternehmensberatung Vicondo infrage. „Ich frage mich, warum man nach dem Gutachten von 2017 noch ein weiteres in Auftrag geben musste. Wir sind eine leistungsfähige Klinik, die sich nicht zu verstecken braucht“, stellte Orthuber klar.

Vor der Debatte um die Zukunft der Kreisklinik gab Müller einen kurzen Überblick über die laufenden Großprojekte der Stadt. So verteidigte er die Umgestaltung des Karl-Lederer-Platzes und wehrte sich gegen Proteste der Anwohner, die sich von der Geräuschkulisse spielender Kinder belästigt fühlen. „Das ist allemal besser als 80 parkende Autos“, erklärte Müller.

Peter Herrmann

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