„Uns geht es finanziell noch gut“

Kreistag beschließt Haushalt 2021 – Schuldenabbau trotz Investitionen

Ungewohntes Ambiente mit Sicherheitsabstand: Die Kreisräte trafen sich in der neuen Dreifachturnhalle am Geretsrieder Schulzentrum.
+
Ungewohntes Ambiente mit Sicherheitsabstand: Die Kreisräte trafen sich in der neuen Dreifachturnhalle am Geretsrieder Schulzentrum.

Geretsried/Landkreis – Ein umfangreiches Zahlenwerk präsentierte Kreiskämmerer Ralf Zimmermann jüngst in der Kreistagssitzung, die in der Mehrfachturnhalle des Schulzentrums Geretsried stattfand.

Dort nahm Landrat Josef Niedermaier in einer ausführlichen Rede auch Stellung zum Jahresetat. „Unserem Landkreis geht es finanziell noch sehr gut. Und wenn wir uns jetzt gemeinsam auf Wichtiges konzentrieren, dann kann das auch unter künftig schwierigeren Rahmenbedingungen so bleiben“, erklärte Landrat Josef Niedermaier vorab. Er räumte ein, dass die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen auch vor dem Landkreis nicht Halt gemacht haben.

Dennoch verwies Kreiskämmerer Ralf Zimmermann darauf, dass der Schuldenstand seit 2011 von rund 60 auf etwa 27 Millionen Euro reduziert werden konnte. Um die Kommunen zu entlasten, schlug Niedermaier vor, die Kreisumlage um ein Prozent zu senken. Das würde bedeuten, dass die Kommunen „nur“ noch 47,5 Prozent ihrer Steuereinnahmen an den Landkreis entrichten. Davon muss der Kreis wiederum 36,1 Millionen Euro Bezirksumlage abführen. „Bezeichnend dabei ist, dass dieses Mal die Umlagenzahler – sprich die Landkreise – auf eine Erhöhung der Umlage gepocht haben, weil wir uns die Finanzierung der laufenden konsumtiven Ausgaben über Kreditaufnahmen nicht vorstellen konnten und wollten“, stellte er fest.

Sorgen um Digitalisierung an Schulen

Zugleich verwies der Landrat auf die hohen Investitionen in den Bildungsstandort: Die bereits 2005 in Angriff genommenen energetischen Sanierungen sollen fortgesetzt werden. Allein 2021 sind Ausgaben in Höhe von 17,4 Millionen Euro geplant.

Sorgen bereiten dem Landrat dagegen die Digitalisierung an Schulen. Dabei gehe es nicht nur darum Geräte zu beschaffen. „Es braucht Menschen, die diese Geräte betreuen, die Ansprechpartner sind und das System am Laufen halten“, fordert Niedermaier weiter. Er setzt hierbei auf eine bereits zugesagte staatliche Unterstützung.

2,8 Millionen Euro für den Öffentlichen Personennahverkehr

Ein weiteres großes Handlungsfeld sei der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). „Der MVV-Beitritt im Süden ist ein weiterer Schritt, der Nahverkehrsplan die Basis-Weichenstellung für die Verkehrswende in unserem Landkreis“, betonte Niedermaier. 2,8 Millionen Euro seien dafür für das kommende Jahr eingeplant, mittelfristig müsse wohl mit Zusatzinvestitionen von rund 4,5 bis 5 Millionen Euro gerechnet werden.

Der Kreishaushalt in Zahlen

Der Gesamthaushalt für 2021 beläuft sich auf rund 161,5 Millionen Euro, 2020 waren es etwa 4,6 Millionen Euro weniger. Kreiskämmerer Ralf Zimmermann rechnet damit, dass die Einnahmen aus der Kreisumlage trotz der Hebesatzsenkung auf rund 79,2 Millionen Euro steigen.

Für den Verwaltungshaushalt sind insgesamt 136,5 Millionen Euro, für den Vermögenshaushalt rund 25 Millionen Euro eingeplant. Um 8,4 Prozent hat sich die Umlagekraft des Landkreises erhöht. Dagegen sinken die Schlüsselzuweisungen von 21,7 Millionen auf nunmehr 19 Millionen Euro.

Die höchsten Ausgaben stellen die Produkteinzelkosten mit 37,7 Millionen, die Bezirksumlage 36,1 Millionen sowie die Personalkosten mit rund 21 Millionen Euro dar. Für die Krankenhaus-Umlage sind 3,1 Millionen Euro vorgesehen. Zimmermann kündigte zudem an, dass im Jahr 2021 Kredite in Höhe von vier Millionen Euro aufgenommen werden. ph

Zudem sprach der Landrat die Gesundheitsversorgung an. In erster Linie gehe es darum, die beiden Krankenhausstandorte in Bad Tölz und Wolfratshausen zu erhalten. Abschließend dankte Niedermaier allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landratsamtes, die gerade in diesem Jahr an ihre Belastungsgrenzen gehen mussten. Die Diskussion um die Schaffung von zusätzlichen Stellen wird nun in den Ausschüssen geführt werden. Die endgültige Verabschiedung des Haushalts soll dann am 15. März 2021 erfolgen. Peter Herrmann

Auch interessant

Kommentare