Historischer Meilenstein

Landsmannschaften erinnern an Charta der Heimatvertriebenen

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Legten Blumen vor dem Jakob-Bleyer-Gedenkstein nieder (v. l.): die stellvertretende Missionschefin des ungarischen Generalkonsulats Emöke Barabás, LDU-Bayern-Vorsitzender Georg Hodolitsch und die Heimatvertriebenenbeauftragte der bayerischen Staatsregierung Sylvia Stierstorfer.

Geretsried – Vor 70 Jahren unterzeichneten Sprecher verschiedener Vertriebenenverbände eine besondere Erklärung, in der sie ihre Rechte und Absichten definierten. Dass diese Charta der Heimatvertriebenen nicht in Vergessenheit geraten ist, zeigte sich bei einer Gedenkfeier im Geretsrieder Blumenviertel.

„In der Charta definierten wir das Recht auf die Heimat als ein von Gott der Menschheit geschenktes Recht und gaben dem internationalen Kampf gegen Flucht und Vertreibung eine menschenrechtliche Basis“, erklärte Paul Hansel. Der oberbayerische Bezirksvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) war einer von fünf Rednern bei einer feierlichen Gedenkstunde vor dem Jakob-Bleyer-Gedenkstein.

Georg Hodolitsch, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU) in Bayern, organisierte die Feierstunde unter strenger Einhaltung der Corona-bedingten Sicherheitsabstände und Hygienevorschriften. Seiner Einladung folgten neben den örtlichen Landsmannschaften und Fahnenträgern, auch die Heimatvertriebenenbeauftragte der bayerischen Staatsregierung Sylvia Stierstorfer, die stellvertretende Missionschefin des ungarischen Generalkonsulats Emöke Barabás sowie die Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank und zahlreiche Stadträte. „Die Charta der Heimatvertriebenen war ein historischer Meilenstein“, erklärte Hodolitsch in seiner Begrüßungsrede. Als wesentliche Punkte nannte er den Verzicht auf Rache und Vergeltung, den Wunsch zur Schaffung eines geeinten Europas und die Verpflichtung, am Wiederaufbau von Deutschland und Europa mitzuwirken. Der LDU-Bayern-Vorsitzende erinnerte daran, dass die Deutschen aus Ungarn nach der Vertreibung bereits 1945 im Geretsrieder Ortsteil Schwaigwall und ab 1948 in den selbst ausgebauten Bunkern im Blumenviertel eine neue Heimat fanden. „Geretsried ist für mich eine Hochburg der Vertriebenen, und wir leben seit langem schon ein Kleineuropa vor: Darum ist dies der richtige Ort für diese Chartafeier“, betonte Hodolitsch.

Konsulatsvertreterin Emöke Barabás berichtete daraufhin, dass die Kultur der deutschen Minderheit in Ungarn mittlerweile eine „erfreuliche Renaissance“ erlebe. So wird beispielsweise der 19. Januar in dem osteuropäischen Land seit 2012 als Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen gefeiert. Die besondere Integrationsleistung der Stadt Geretsried hob Staatssekretärin Sylvie Stierstorfer hervor. „Geretsried ist etwas Einmaliges in Bayern“, lobte sie. Die Unterzeichnung der Charta der Heimatvertriebenen habe dazu beigetragen, dass der einstige „Eiserne Vorhang“ nach Osteuropa durchlässig wurde. Dennoch mahnte sie, sich weiterhin für Frieden einzusetzen. „Wir haben noch viel zu tun, damit dieses friedliche Europa erhalten bleibt“, glaubt die Staatssekretärin.

Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank stieß ins selbe Horn. „Ich hoffe, dass wir weiterhin offen und wertschätzend miteinander umgehen“, wünscht sie sich. BdV-Bezirksvorsitzender Paul Hansel würdigte vor allem die wirtschaftlichen Verdienste der Heimatvertriebenen. „Sie haben allein in Bayern rund 22.000 Handwerksbetriebe gegründet und damit wesentlich zur importierten Industrialisierung beigetragen“, lobte Hansel.

Nach der Niederlegung einer Blumenschale vor dem Jakob-Bleyer-Gedenkstein trugen sich die prominenten Gäste noch ins Goldene Buch der Stadt Geretsried ein. Peter Herrmann

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