Tätlicher Angriff auf Polizisten

41-Jährige tritt nach Vollstreckungsbeamten, hustet sie an und spricht Schimpfwörter aus

Amtsgericht verurteilte die Angeklagte
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Amtsgericht: Richter Helmut Berger verurteilte die Angeklagte zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die er auf Bewährung aussetzte.

Geretsried – Ein nächtlicher Spaziergang von Schwaigwall nach Geretsried hatte für eine Geretsriederin ein gerichtliches Nachspiel: Weil sie sich gegen eine Personenkontrolle mit Händen, Füßen und Beschimpfungen wehrte, wurde ihr ein tätlicher Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten, versuchte Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen.

„Die haben mich gejagt wie ein Tier und behandelt wie den letzten Dreck“, rechtfertigte sich die Angeklagte. Am 28. März diesen Jahres ging sie gegen 22 Uhr in schwarzer Kleidung auf der unbeleuchteten Straße, die von Schwaigwall nach Geretsried führt. Eine hinter ihr fahrendes Polizeiauto konnte kurz vor dem Kreisverkehr an der B11 gerade noch bremsen und somit einen Unfall vermeiden.

„Als wir eine Personenkontrolle durchführen wollten, ist sie über einen Fußweg weggelaufen“, erinnerte sich eine Polizistin. Daraufhin stellte sie und ihre Kollegin den Polizeiwagen nahe der Tattenkofener Straße ab und nahmen zu Fuß die Verfolgung auf. Zudem alarmierten sie zusätzlich eine weitere Polizistin und einen Polizisten.

Schließlich gelang es, die Frau in der Tattenkofener Straße aufzuhalten. „Sie sagte uns, sie sei suizidgefährdet“, berichtete eine Einsatzkraft. Da die Frau keine Angaben zu ihrer Identität machte und die Hände trotz mehrmaliger Aufforderung nicht aus ihren Hosentaschen nehmen wollte, sahen die Polizisten eine Gefährdungspotenzial. Mit vereinten Kräften gelang es, der widerspenstigen Frau Handschellen anzulegen. Weil sie dabei selbst leicht verletzt wurde, trat die am Boden liegende 41-Jährige mehrmals mit den Füßen nach einem Polizisten und sprach Beleidigungen aus. Zudem hustete sie einer Polizistin ins Gesicht und wünschte ihr, dass sie an Corona erkrankt. Aufgrund der zuvor ausgesprochenen Selbstmordandrohung riefen die Polizisten einen Rettungswagen, der die psychisch kranke Frau in die kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied (Kreis Miesbach) fuhr. Dort blieb sie für eine Nacht.

Die während der Verhandlung vorgeführten Videoaufzeichnungen einer Bodycam bestätigten die Anklagepunkte. Die Staatsanwältin empfahl deshalb eine siebenmonatige Freiheitsstrafe, die aber auf Bewährung ausgesetzt werden könne. Rechtsanwalt Georg Kastenmüller verwies auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung seiner Mandantin und bat darum, es bei einer dreimonatigen Bewährungsstrafe zu belassen. „Die Angeklagte steht sich leider immer selbst im Weg“, bedauerte er.

Das Urteil

Aufgrund ihrer sechs Vorstrafen – unter anderem wegen Beleidigung, Betrug und Verleumdung – verurteilte sie Richter Helmut Berger zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die er auf Bewährung aussetzte. „Sie hätten einfach stehen bleiben können und den Polizisten Auskunft geben können, wohin sie gehen. Dann wäre wahrscheinlich gar nichts passiert.“ Aufgrund des am 28. März noch bestehenden Corona-Lockdowns waren Polizeikontrollen zu dieser Zeit ohnehin an der Tagesordnung. „Aber so einen massiven Widerstand wie an diesem Abend haben wir davor und danach nicht erlebt“, erinnerte sich der Polizist. ph

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