Geretsrieder Schulzentrum: Generalsanierung bringt andere Projekte des Kreises ins Wanken

Kostensteigerung vor Baubeginn

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Das Geretsrieder Schulzentrum muss generalsaniert werden: Die Kosten steigen schon, bevor der erste Spaten gesetzt ist.

Geretsried – Die Generalsanierung des Geretsrieder Schulzentrums kommt deutlich teurer als gedacht. Gingen die Kreisräte zunächst von 31 Millionen Euro aus, wurden sie nun im Kreisbau- und -Schulausschuss mit 39,4 Millionen Euro konfrontiert.

Die zu erwartende Steigerung bei den Baukosten könnte sogar Mehrkosten von zehn Millionen Euro verursachen. Von Begeisterung war also keine Spur. Eher gab es Rätselraten, wie es nach dem VOF-Verfahren nun zu solch einer Mehrung an Kostenstellen kommen konnte – und das, wo doch noch nicht ein Ziegelstein bewegt wurde.

Architekt Dieter Kubina hatte sich natürlich schon auf Spurensuche gemacht. Seine Erklärung: Im VOF-Verfahren, das im Vorfeld einer Ausschreibung notwendig ist, seien einige Punkte, die heute unabdingbar, teils sogar gesetzlich vorgeschrieben sind, erst gar nicht enthalten gewesen. „Das kann ich nicht wegdiskutieren“, sagte Kubina und verwies etwa auf die Herstellung von Außenanlagen, Umbauten im Musenbau und vor allem das technische Aufrüsten der Räume – was zusammen Kosten in Höhe von 7,9 Millionen Euro verursachen würde. Dabei seien diese Posten „allesamt zwingend erforderlich“. Planer Kubina legte den Kreisräten deshalb nun eine Kostenschätzung in Höhe von 39,4 Millionen Euro (statt bisher 31,4 Millionen Euro) vor. Dazu kommen die üblichen Baukostensteigerungen. Und es stehen weitere Ausgaben an: Etwa für die Interimsgebäude zur Überbrückung der Klassenzimmerausfälle während der Sanierungsarbeiten (rund 3,5 Millionen Euro in den Jahren 2016-2027), für ein Heizwerk (3,2 Millionen Euro – wobei sich hier Synergien mit einem neuen Heizwerk des noch zu errichtenden neuen Geretsrieder Schwimmbades ergeben könnten) oder für die Sanierung der Pausen- und Parkplatzflächen (0,9 Millionen Euro in 2026/27). Auch gehört der ebenfalls noch durchzuführende Sporthallenneubau der Zweifach DIN-Halle erwähnt (5,6 Millionen Euro in 2016 bis 2018), die neu anzulegende Außensportfläche (0,6 Millionen Euro) sowie die dann ebenfalls fällige Generalsanierung der alten Dreifach-Turnhalle (2,1 Millionen Euro in den Jahren 2024/25).

„Wir müssen das eingehender diskutieren“, sagte CSU-Kreisrat Nikolaus Trischberger hinsichtlich der Steigerungen bei der Generalsanierung sichtlich geschockt. Er wunderte sich auch über insgesamt 650 zusätzliche Quadratmeter Nutzfläche, die Planer Kubina im Bestand „entdeckt“ haben will. Er hat in der Tat durch die Umgestaltung von großen zu kleineren Raumeinheiten und einigen brach liegenden Flächen diese zusätzlichen Nutzflächen schaffen können. Die würden auch dringend benötigt, war zu erfahren. Und: „Wenn man diese 650 Quadratmeter in einen Neubau fassen würde, hätten wir nochmals 5,5 Millionen Euro Mehrkosten.“ Trischberger jedenfalls warnte davor, dass hier langsam ein Wunschkonzert gespielt werde. Auch rechnet er mit zusätzlichen Kosten in ein paar Jahren – wenn dann die Sanierung in vollem Gange ist und man gar nicht anders könne, als einer Kostensteigerung zuzustimmen. „Ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt.“

Auch Vize-Landrat Thomas Holz (CSU) erklärte, dass mit den mindestens acht Millionen Euro Zusatzkosten keiner gerechnet habe. „Wir wären schlechte Kreisräte, wenn wir das einfach so abnicken würden.“ Kreiskämmerer Ralf Zimmermann – auch er hatte erst kürzlich von den Kostensteigerungen erfahren – erkennt nun ein großes Finanzierungsproblem. Vor allem, „wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit ja auch noch andere Maßnahmen realisiert werden sollen. Das werden wir nicht schultern können, das trifft uns zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, erklärte er. Seine Empfehlung: Die zeitliche Abfolge einzelner Projekte gehört geändert. Seine zentrale Frage an die Kreispolitik lautet deshalb: „Möchte man die Generalsanierung in dem vorgesehenen Zeitraum? Dann müssen andere Maßnahmen geschoben werden.“

Die Generalsanierung werde kaum warten können, wie Thomas Holz präzisierte. Immerhin würden ein Viertel der Schüler im Landkreis am Geretsrieder Schulzentrum beschult. Zudem habe man sich auf die Generalsanierung verständigt und alle Planungen entsprechend vertaktet.

Robert Lug (FW) ärgerte sich über die Kostensteigerung, „wo doch noch nicht ein Ziegelstein in die Hand genommen wurde“. Die Hoffnung auf Einsparpotenzial mussten die Planer indes schon jetzt trüben: Da sei kaum Streichmasse vorhanden, war da zu erfahren. Lediglich die Varianten zur Lüftungsanlage (zentral, dezentral) zeigte da etwas Potenzial auf.

Hauptamtsleiter René Beysel zufolge sei die Planung bis ins Detail mit den Schulleitungen abgestimmt. „Das ist das Ergebnis von einem Jahr Planung – das ist jetzt ein Gesamtkunstwerk.“ Nach fast zweieinhalbstündiger Diskussion beschloss das Gremium, an der Generalsanierung (39,4 Millionen Euro) festzuhalten, die Planer sollen aber weiter nach Einsparpotenzial suchen. Unabhängig davon wird der Kreistag aber über eine neue Priorisierung der Projekte in der mittelfristigen Finanzplanung diskutieren müssen.   tka

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