Schwimmvereine bangen um Existenz

Besorgt: DLRG, WSV 72 und Reha-Sport-Freunde fordern Gebührenfreiheit

+
Positionierten sich gegen die Erhebung von NutzuFngsgebühren (v.l.): Sportreferent Wolfgang Werner, Katharina Lauseker, Anne Feiglbinder (mit Kind), Ingrid Feiglbinder, Uwe Röhler, Monika Grasberger, Maiko Alpers, Stefan Bruns, Rolf Meinert sowie Martin Gerling.

Geretsried – Im Juli befürwortete der Jugend- und Kulturausschuss ein Betriebskostenmodell für die Nutzung des neuen interkommunalen Hallenbads. Demnach sollen Geretsrieder Vereine für die Nutzung der Bahnen und Becken Gebühren bezahlen. Dagegen regt sich Widerstand.

Bei einer Pressekonferenz im Vereinshaus der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an der Geretsrieder Jeschkenstraße, zu der Sportreferent Wolfgang Werner (SPD) eingeladen hatte, zeigten sich die DLRG-Vorstandsmitglieder, des WSV 72 und der Reha-Sport-Freund besorgt. „Als ich die Nachricht über die Gebührenerhöhung in der Zeitung gelesen habe, war ich unheimlich geschockt“, gestand DLRG-Ortsvorsitzender Maiko Alpers. In einer kurzen Präsentation erläuterte er, dass im Freistaat Bayern aufgrund der vielen Seen und Flüsse deutschlandweit die meisten ertrunkenen Menschen zu beklagen sind. „Allein 2019 waren es 95“, rechnete er vor. Dabei reicht das Einsatzgebiet des Ortsverbands vom Nordlandkreis bis in die Nachbarlandkreise Rosenheim und Miesbach.

Zudem engagieren sich die 70 ehrenamtlichen Helfer in der Jugendarbeit und in Schwimmkursen. „Das Training im alten Hallenbad wird von rund 290 Menschen aller Altersgruppen besucht“, sagte Alpers. In manchen Jahren rückte die DLRG 40 Mal an die Isar aus, um Menschen aus Gefahrenlagen zu retten. „Wir sind an 365 Tagen 24 Stunden einsatzbereit“, stellte Alpers klar. In einer weiteren Präsentation stellte DLRG-Schatzmeister Martin Gerling die Einnahmen und Ausgaben des Ortsverbands gegenüber. So spülen die rund 500 Mitglieder zwar rund 20.600 Euro Jahresbeiträge indie Kasse. Die Ausgaben für den Fahrzeugpark, Gebäudeinstandhaltung und Materialeinkauf seien jedoch enorm. 

Gerlings Fazit: „Die Rücklagen wären bei einer Hallenbadgebührenerhebung nach zwei Jahren aufgebraucht: Dann würden wir den Verein auflösen und es gäbe keine Wasserrettung in Geretsried mehr“, befürchtet der Kassier. Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge kommt weder für die DLRG noch den WSV 72 infrage. „Dann werden die Mitglieder austreten und Schwimmen wird zu einem elitären Sport, den sich nur noch Reiche leisten können“, glaubt WSV-72-Vizevorsitzender Uwe Röhler. Würde sein Verein eine Bahngebühr von 10 Euro an die Stadtwerke entrichten, käme jedes Jahr ein Betrag von rund 9.000 Euro zusammen. „Pro Kind bedeutet das pro Jahr 90 Euro Mehrkosten“, sagte Röhler. Monika Grasberger und Ingrid Feiglbinder von den Reha-Sport-Freunden verwiesen auf die vielen Senioren in ihrem Verein. Diese beziehen meist nur eine geringe Rente. Zudem bestehe eine Bindung an die Krankenkasse, die eine Erhöhung der Beiträge fast unmöglich mache. 

Maiko Alpers kündigte am Ende der Pressekonferenz an, dass er die Stadträte in den nächsten Wochen fraktionsweise im DLRG-Vereinshaus über die Arbeit der Wasserrettungsorganisation informieren will. Zudem soll geprüft werden, ob sich die betroffenen Vereine vielleicht einmal in einer öffentlichen Stadtratssitzung präsentieren können. Das von Bürgermeister Müller vorgeschlagene Punktesystem, mit dem ein Bonus für nicht genutzte Badstunden berechnet werden soll, lehnen die Vereine ab. Sportreferent Wolfgang Werner befürchtet, dass durch die vielen Gebührenabrechnungen und das Punktesystem ein riesiger Verwaltungsaufwand entstehen könne. „Ich warne davor, dieses Fass auf zu machen“, sagte er. Insgesamt gehe es für die Stadt nur darum, den Vereinen eine zehnmonatige Nutzungsgebühr von insgesamt 30.500 Euro zu erlassen. Das sei verglichen mit den Kostensteigerungen bei anderen Großprojekten eine zu verschmerzende Summe. Das neue Hallenbad soll am 1. März 2021 eröffnet werden. Peter Herrmann

Auch interessant

Kommentare