Protest: Abstandsflächenrecht

Geretsrieder Stadtrat erlässt abweichende Satzung zur bayerischen Bauordnung

Auf dem Bild ist ein Haus mit Baugerüst und einem Kran zu sehen.
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Stetige Nachverdichtung: In Geretsried gilt seit Februar ein neues Abstandsflächenrecht.

Geretsried – Seit dem 1. Februar gilt im Freistaat eine neue Bauordnung, die flächensparende und dichte Bebauung ermöglichen soll. Die Kommunen hatten jedoch die Möglichkeit eine abweichende Satzung zu erlassen.

Dies tat auch der Geretsrieder Stadtrat: Die vom Bayerischen Landtag erlassene Novelle des Abstandsflächenrechts sieht eine neue Berechnungsgrundlage vor. So durfte die Mindestabstandsfläche bisher die einfache Wandhöhe (1,0 H) nicht unterschreiten. Nun ist schon die 0,4-fache Wandhöhe ausreichend. „Die Gebäude werden näher zusammenrücken“, erklärte Stadtbaurat Rainer Goldstein in der Stadtratssitzung. Er empfahl jedoch den Erlass einer Satzung, in der eine auf Geretsried zugeschnittene Kompromisslösung verankert wird. Demnach soll künftig mit dem Wandhöhenwert 0,8 gerechnet werden.

Goldstein plädierte zudem dafür, dass das 16-Meter-Privileg erhalten bleibt. Diese Regelung sieht vor, dass vor zwei Außenwänden, die nicht länger als 16 Meter sind, die Hälfte des vorgeschriebenen Abstands zur Grundstücksfläche ausreicht.

In der anschließenden Debatte kritisierten Volker Witte (Grüne) und Dr. Elmar Immertreu (Geretsrieder Liste), dass die Umsetzung der Novelle viel zu kurzfristig erfolgt. Denn von der Entscheidung des Landtags im Dezember 2020 bis zur Wirkung der Novelle vergingen nur zwei Monate. „Eigentlich hätte eine Übergangsfrist von zwei Jahren gelten sollen: Das Landratsamt muss nun aber das neue Recht anwenden“, bedauerte Goldstein. Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) und Franz Wirtensohn (CSU) wiesen abschließend darauf hin, dass Geretsried und der Ortsteil in dieser Hinsicht unterschiedlich bewertet werden müssen. Der Stadtrat befürwortete schließlich einstimmig die von der Neufassung des Abstandsflächenrechts abweichende Satzung zu erlassen. Peter Herrmann

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