Besser kennenlernen und vernetzen

Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit veranstaltet „14. Integrationsforum: Arbeit ist Menschenrecht?!“

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Geretsrieds Vize-Bürgermeisterin Sonja Frank (Mitte) eröffnet das 14. Integrationsforum.

Geretsried – Corona-bedingt hieß es bei der Planung des 14. Integrationsforums: aller guten Dinge sind drei. Nach der Absage des ursprünglichen Termins im März aufgrund der drastischen Anfänge der Pandemie sowie einer abermaligen Verschiebung des Ersatztermins, konnte die Veranstaltung des Geretsrieder Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit mit dem Titel „Arbeit ist Menschenrecht?!“ nun stattfinden.

Persönlich begrüßt von Geretsrieds Zweiter Bürgermeisterin Sonja Frank, standen Vertreter der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie der hiesigen Kreishandwerkerschaft den Besuchern Rede und Antwort. Darüber hinaus waren Mitglieder der Arbeitsagentur und des Jobcenters vertreten, um Fragen bezüglich Qualifizierung und Förderinstrumente zu beantworten.

Im Dialog über die Möglichkeiten von Arbeitsmarktintegration speziell im Bereich Handwerk wurde von Seiten der anwesenden Netzwerkpartner deren Berufsfelder alle stark mit dem Thema des Abends verknüpft sind, der Wunsch nach mehr „Werbung“ der Kammern und der ihnen zugehörigen Betriebe geäußert. Die Vorteile der dort angesiedelten Ausbildungsberufe sollen mehr zur Geltung gebracht werden.

Schnelles Geld anstatt solide Ausbildung

Die Vertreter der Kammern stellten klar, dass dies schon geschehe. Außerdem betonten sie, dass momentan viele Migranten das „schnelle Geld“ in der Anstellung als ungelernte Kraft den langfristigen Erfolgsaussichten einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorzögen. Die Konfliktsituation um eine auf die kurze Frist höhere Entlohnung führe sogar bisweilen dazu, dass vermehrt Ausbildungen abgebrochen werden. Die Teilnehmer zeigten großes Einverständnis, dass durch bessere Vernetzung aller Seiten zum einen das bestehende Beratungsangebot besser mehr genutzt werden kann und um vorzeitige Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Ein weiteres großes Thema des 14. Integrationsforums war, dass viele Auszubildende mit Flucht- oder Migrationshintergrund scheinbar aufgrund nicht ausreichender Deutschkenntnisse sowie gegebenenfalls kultureller Barrieren das bestehende Prüfungssystem nicht erfolgreich bewältigen können. Viele der Anwesenden stellten an diesem Punkt die Frage: „Wie bringen wir junge Leute zur Ausbildungsfähigkeit im Allgemeinen?“

Alte Muster und Vorbehalte abbauen

Hier berichteten die Vertreter von Jobcenter und Arbeitsagentur von der Einstiegsqualifizierung. Diese sei ein „gutes Mittel“. Junge Menschen und Betriebe können sich in diesem Programm ein Jahr lang kennenlernen. Vorteil für die Unternehmen: Jugendlichen werden fit gemacht für die Ausbildung. Vorteil der teilnehmenden Jugendlichen: anschließend besteht die Chance in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden, und gegebenenfalls das erste Jahr angerechnet zu bekommen.

Über den gesamten Austausch hinweg fiel öfter der Einwand, dass für wirkliche positive Veränderung auch auf Seiten des Systems der Arbeitsmarktintegration in Deutschland alte Muster zu überdenken seien. Beide Seiten sollen ohne Vorbehalte aufeinander zugehen können und so Wege finden, die Ausbildung an sich wieder attraktiver und erfolgreicher zu gestalten. Denn damit sei am Ende der Gesellschaft am meisten geholfen. Als sehr wichtig empfanden die Redner, dass insbesondere die Reflexion der eigenen Prägungen, Vorurteile, Offenheit sowie Änderungsbereitschaft auf Seite der Mehrheitsgesellschaft hilfreich wären.

Insgesamt wurde der Austausch als „sehr gewinnbringend“ empfunden. Am Ende wurde noch der Wunsch geäußert, eventuell eine Art Mini-Messe mit Akteuren rund um das Thema Ausbildung, Arbeit und Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu organisieren, damit sich die „wichtigen und richtigen Akteure kennenlernen und vernetzen können“.dwe

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