Das Gesundheitsdorf

Neue Hotels könnten im Taubenloch und entstehen: Das verkündeten Hotel-Experte Michel Maass (r.), Bürgermeister Josef Janker (Mitte) und Kämmerer Hermann Forster.

Das Glaubensbekenntnis ist frisch gedruckt, umfasst 30 Seiten und beinhaltet Planungssicherheit für Investoren. Die Stadt positioniert sich in dem Konzept „Neue Tölzer Hotelkultur und Renaissance des Bäderviertels“ neu und stellt sich auf als Tourismus-Destination der Zukunft. So zumindet der Wunsch der Neuausrichtung. Die gefällt dem Stadtrat und mittlerweile wurde sie auch den Gastgebern vorgestellt. Denn nur gemeinsam kann das Ziel, Bad Tölz mit einer neuen Dachmarke zu versehen und das Badeteil aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, erreicht werden.

Acht Monate tüftelte die eigens ins Leben gerufene Arbeitsgruppe hinter verschlossenen Türen. Darin vertreten Bauamtsleiter Christian Fürstberger, Stadtbaumeister Hannes Strunz, Wirtschaftsförderer Alexander Schmid, die stellvertretende Leiterin der Tourist Information Brita Hohenreiter, Kämmerer Hermann Forster sowie Bürgermeister Josef Janker und sein Stellvertreter Andreas Wiedemann. Dazu gesellte sich Michel Maass. Der Ruheständler lebt seit fünf Jahren in Bad Tölz und gilt als Experte im Hotelfach: Er baute das Münchner Vier Jahreszeiten Kempinski maßgeblich aus, leitete das Vorzeige-Luxushotel über viele Jahre hinweg. Und er hat sich umgesehen in Bad Tölz. „Ich habe Spaß daran, mein Wissen zu vermitteln.“ Seiner Ansicht nach gibt es hier eine lange Tradition einer Hotelkultur. Nur habe sich diese nicht weiterentwickelt. Das könnte durchaus geschehen, indem man an alte Werte anknüpft. In der Arbeitsgruppe entstand so die Idee zur Dachmarke „Das Tölzer Seminar“. Dahinter steckt die „Trilogie“ Seminar-Campus (Tagungen und Kongresse), Tölzer Quellen & Spa (Erholung, Gesundheit, Wellness) sowie ein Gesundheitsforum (Prävention und Bewegung). „Wir befinden uns noch in einer visionären Phase“, betonte Maass bei der Präsentation des Konzeptes. Doch dafür hat sich die Arbeitsgruppe schon recht detailliert Gedanken gemacht, insbesondere um eine neue Tölzer Hotelkultur zu generieren. Mitsamt dem Ziel der Ansiedlung neuer Hotels. Hier sind bereits Standorte angepeilt, wie Maass schilderte. So könnte etwa im Taubenloch direkt an der Isar ein Hotel der Vier-Sterne-Klasse entstehen, ein weiteres an der Bockschützstraße. „Wir müssen dem Markt ein gemäßes Wohnen anbieten“, ist sich der Experte sicher. Er verweist auf inzwischen gut laufende Hotels am Tegernsee. Für Bad Tölz stellt sich Michel kleine aber feine Hotelprojekte in der 100-Zimmer-Liga vor. „Wir wollen keine Riesenapparate“, sagte Maass. Zusammen mit einem angegliederten Spa könnten Investoren an Land gezogen werden – und eine neue, zahlungskräftige Gästeklientel. „Ich bin da sehr zuversichtlich, dass das funktioniert“, betonte er, wohlwissend, dass die Stadt für das Projekt gerade steht. In der vergangenen Woche noch konnten sich die Stadträte (Maass: „Sie entscheiden ja letztlich“) ein detailliertes Bild von dem neuen Konzept machen. Und laut Bürgermeister Josef Janker gab es einhellige Zustimmung. „Das Gremium war erstaunt, begeistert, es gab keine Nachfragen.“ Freilich, schob Janker nach, müsse sich das Thema erst einmal setzen. Was er auch auf die Gastgeber bezieht. Doch sie wolle man unbedingt ins Boot holen: „Sie sollen das gleiche sagen wie die Stadt.“ Und Maass ergänzte vorsichtshalber, dass die neuen Hotels „keinem anderen etwas wegnehmen“. Von neu zu schaffendem Vertrauen sprach Stadtkämmerer Hermann Forster. Die „Quo vadis, Bad Tölz“-Veranstaltungen von 2008 seien letztlich etwas ungut ausgelaufen, rief er in Erinnerung. „Doch solche Fehler dürfen einem eben nicht ein zweites Mal passieren.“ Brita Hohenreiter von der Tourist Information etwa zeigt sich optimistisch: „Wir haben nun erstmals ein Gesamtkonzept, das ist eine klare Positionierung.“ Bislang habe es zu viele kleine Kämpfe an einzelnen Fronten gegeben. Das könnte sich nun ändern, hofft die stellvertretende Kurdirektorin. Im Zentrum der neuen Positionierung steht freilich die Jodquellen AG um die Familie Hoefter. Denn in dem Umfeld des Jodquellenhofs könnte das „alpamare 2.0“ entstehen: Tölzer Quellen & Spa. Damit würde Bad Tölz „der elitärste Spa-Bereich im Oberland, das ist das Credo für Bad Tölz“, betonte Maass. Und nach sondierenden Gesprächen steht für den Hotelexperten fest: „Hoefter ist dabei.“ Ergänzend dazu könnten zahlreiche Gesundheitsanwendungen – die es in Bad Tölz auch schon gibt – aufspringen. Maass: „Wir wollen ein Gesundheitsdorf haben.“ Ein Tölzer Seminar-Campus würde dazu ebenfalls Anreize für Tagungen und Seminare schaffen. Im Herderhaus verfügt die Jodquellen AG bereits über 600 Quadratmeter Tagungsfläche, „im darum liegenden Park könnte man noch dreimal so viel errichten“. Auch die Wandelhalle soll in ein Nutzungskonzept einfließen. Zumindest wolle man sich bezüglich einer Nutzbarkeit an den Denkmalschutz herantasten, war zu erfahren. Um die „Wirbelsäule von Bad Tölz“ (Maass über die Achse Marktstraße-Isarbrücke-Badeteil, d. Red) mit Leben zu erfüllen, setzt er vor allem auf ein Hotel im Taubenloch. „Bei diesem Blick auf die Isar“ geht er von einem Erfolgskonzept aus. „Es gibt da ganz viele Ideen“, sagte er. Und die gehen gar bis zur zweigeschoßigen Tiefgarage. Im März/April soll es bereits weitere Erkenntnisse geben, dann wollen Maass, der bereits Kontakt zu möglichen Investoren aufgenommen hat, und Janker über neue Entwicklungen berichten. „Nachdem jetzt der Auftakt zu einem demokratischen Prozess getan ist“, unterstrich Maass. Und zuvor will Josef Janker die „Vision 2030“ noch in trockene Tücher wickeln, sprich mit einem Beschluss des Stadtrates versehen. „Das wollen wir noch heuer verabschieden.“

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