Insektenfreundlicher Kreis

CSU und Grünen fordern Verzicht von Pestiziden auf Landkreisflächen

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Mehr Blumenwiesen und Biotope sollen den Landkreis zieren. Damit Insekten und Amphibien in den Städten einen Lebensraum haben.

Landkreis – Der Erhalt und der Schaffung neuer Lebensräume für Vögel, Insekten, Amphibien und Pflanzen – dieses Ziel hatten mehrere Anträge von Fraktionen aus dem Kreistag im vergangenen Jahr. Nun gab es im Kreisumweltausschuss einen Sachstandsbericht.

René Beysel, Hauptamtsleiter im Landratsamt, fasste die Anträge des vergangenen Jahres zusammen und erläuterte, welche Schritte zur Umsetzung inzwischen eingeläutet wurden. So lagen zwei Anträge der Grünen und der CSU-Fraktion vor, auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden auf landkreiseigenen Flächen zu verzichten.

Anfang Juli gab es dazu einen Beschluss, wonach eben künftig auf chemisch-synthetische, sowie spinosad-pyrethrin- und kupferhaltige Pestizide verzichtet werden sollte. Beysel: „Wir haben alle Hausmeister an den Landkreisschulen entsprechend angewiesen.“ Auch externe Dienstleister seien dabei angehalten worden, auf das Pestizid-Verbot zu achten. Die vom Landkreis beauftragten Firmen seien verständigt worden, neue Verträge würden um das Verbot erweitert.

Zudem wurden auf Empfehlung einer Fachkraft für Naturschutz die Mäharbeiten am Landratsamt an die Blühzeiten und Insektenbrutzeiten angepasst. Kaum relevant ist der Beschluss, verpachtete, landkreiseigene Flächen mit einem Pestizid-Verbot zu belegen. Denn: „Wir haben keine solchen Verpachtungen, außer Streuwiesen“, so Beysel. Und da sei der Pestizideinsatz ohnehin nicht gegeben.

Inzwischen erging ein Schreiben an die Gemeinden, damit diese bei Neuanschaffungen von Außenbeleuchtungen auf insektenfreundliche Technik achten. Dieser Vorstoß von der CSU-Fraktion wurde ebenfalls vom Kreisumweltausschuss im vergangenen Juli abgesegnet. Das Problem: „Die Gemeinden können rechtlich nicht dazu verpflichtet werden“, so der Hauptamtsleiter. An den Schulen des Landkreises seien bereits oder würden weiterhin Bewegungsmelder installiert oder die Lampen mit Zeitprogrammen gesteuert, gerade auch in den Ferien. Schließlich brauche es keine Beleuchtung, wenn es keinen Schulbetrieb gebe.

Mehr Biotope: Kreis investiert in Nisthilfen und Insektenhotels

Im Haushalt 2020 finden sich bereits Mittel für Nisthilfen, die an Liegenschaften des Landkreises angebracht werden sollen. So soll es künftig mehr Insektenhotels vor Schulen, Krankenhäusern oder dem Landratsamt geben, Grünflächen zu Blühwiesen umgestaltet und Tümpel und Feuchtbiotope für Amphibien angelegt werden. Am Gymnasium Icking habe man so schon eine Blühwiese angelegt. Auch am Tölzer Schulzentrum sei dies im Umgriff des Heizwerks erfolgt. Auch am Landratsamt sei eine Flachdachbegrünung und ein Magerrasen mitsamt eingeschränkten Mäharbeiten ausgewiesen worden.

Dass Bauanträge ein Merkblatt zu Lebensräumen für Vögel und Insekten beigelegt bekommen, wie von der CSU-Fraktion beantragt, ließ sich nicht umsetzen. Denn das Kreisbauamt unterliege als staatlicher Teil des Landratsamtes nicht den Vorgaben des Kreisumweltausschusses. Allerdings gibt es mittlerweile einen Link auf der Homepage des Landratsamtes, wo Antragsteller wertvolle Tipps erhalten. Darauf verwies Geschäftsleiter Wolfgang Krause. „Wir haben da ein Merkblatt für Insektenschutz an Gebäuden hinterlegt.“

Ein weiteres Merkblatt für Garten-, Grundstücksbesitzer, Kommunen, Land- und Forstwirte wird es nicht geben. Darin hätte aufgezeigt werden sollen, welche Umweltmaßnahmen umgesetzt werden können, ohne dass diese später unter den Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes fallen.

CSU-Kreisrat Michael Häsch hatte im der Juli-Sitzung des Kreisumweltausschusses darauf verwiesen, dass immer weniger Biotope entstünden – und seine Fraktion deshalb den Antrag einbringe. Allerdings tangiert dieses Thema Bundesrecht, lässt sich deshalb nicht auf Kreisebene lösen.

Carolin Singer, Abteilungsleiterin für Belange hinsichtlich Umweltfragen, setzt hier weiter auf Aufklärung. Denn das sei auch im Vertragsnaturschutz ein Thema. So gehe es da immerhin auch um 1,5 Millionen Euro Entschädigungszahlungen an Landwirte wegen deren extensiver Bewirtschaftung von über 1.500 Feldstücken mit einer Fläche von 1.850 Hektar. Landrat Josef Niedermaier sagte schon deshalb zu: „Wir werden dran bleiben.“ tka

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