„Haben mit diesen Massen nicht gerechnet“

Bürgermeister Josef Janker suchte den Dialog mit den Tölzer Wirten, um die problembehafteten Feiern zur Leonhardifahrt aufzuarbeiten.

Zu einem verspäteten Dialog kam es am vergangenen Freitag im Tölzer Rathaus. Dorthin hatte Bürgermeister Josef Janker auserwählte Tölzer Wirte geladen, um ihnen nochmals seine Position im Nachklang der Alkohol-Eskapaden zur Leonhardi-Wallfahrt zu schildern. Das hatte er zwar bereits in der Vorwoche getan, doch eben nicht im Beisein der Gastronomen. Und die sahen – wie sich nun heraus stellte – im Zuge der Berichterstattung zum ersten Pressegespräch reichlich Luft für Interpretationen. Somit sollten „Unklarheiten beseitigt“ werden (Originaltext Einladung).

Bürgermeister Josef Janker wurde nicht müde, zu wiederholen, dass er die Wirte nicht an den Pranger stellen wolle: „Es ist nicht korrekt, ausschließlich auf die Wirte loszugehen.“ Vor allem schmerzte die Wirte die Liste an „Brennpunkten“, die Janker im ersten Pressegespräch – namentlich die Lokalitäten aufzählend – den Journalisten diktierte. Die hielten die Gastronomen dem Rathauschef nun vor, „sie hätten vorab der Berichterstattung vielleicht besser mit Einzelnen reden sollen“, ärgerte sich Markus Gerg („Bodega“). Und weiter: „Das Hauptproblem sind Sie, Herr Janker.“ Der Bürgermeister räumte dies schon ein, konterte aber, dass er nur das wiedergegeben habe, was ihm im Rahmen einer Nachbesprechung von den Blaulichtorganisationen und Helfern berichtet worden war. Gleichzeitig stützte er diese Brennpunkt-Aufzählung auf eigene Eindrücke, die er am Sonntag – einen Tag nach Leonhardi – gesammelt habe. Und erhebliche Vermüllung hatte der Rathauschef auf Höhe „Turmkeller“ und „Subhouse“ ausgemacht. Das rief erwartungsgemäß Reaktionen auf den Plan. Turmkeller-Betreiber Harald Zeiler betonte, einen Reinigungsdienst im Einsatz gehabt zu haben. Janker dazu: „Es hat ja auch löbliche Ausnahmen gegeben.“ Letztendlich wies er aber darauf hin, dass es in Folge der Zustände bei der diesjährigen Leonhardifahrt eben zu Änderungen kommen müsse. Und der Bürgermeister setzte an zur Liste der denkbaren Maßnahmen: So komme man wohl nicht um einen Ordnungsdienst herum, ferner würde ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Ein rigoroses Abschleppen von Autos, die Rettungswege versperrten sei ebenso unabdingbar wie ein Alkoholverbot am Kalvarienberg. Die Wirte treffen wird wohl die Reduzierung der Freischankflächen. „Fünf würden da sicher reichen“, erklärte der Bürgermeister: 31 waren es. Zudem würde die Stadt über die Außenwerbung dafür sorgen, dass Leonhardi wieder mit einer Wallfahrt in Verbindung gebracht werde. Das sei inzwischen längst nicht mehr der Fall, schilderte mit Josef Mayr, der stellvertretende Inspektionsleiter der Tölzer Polizei. Er selbst sei Tölzer und beobachte die Leonhardifahrt seit Jahren. „Das hat längst Eventcharakter, das wird immer mehr zur Sauferei.“ Und diese will die Stadt reduzieren. Die einzelnen Maßnahmen, so Janker, werde man in einem weiteren Treffen im Detail besprechen. Zunächst gelte es, grundlegende Entscheidungen zu fällen, etwa ob die Leonhardifahrt überhaupt noch an einem Samstag stattfinden sollte. Janker zeigt sich in dieser Frage durchaus ergebnisoffen, eines aber steht für ihn fest: „30.000 Besucher verkraftet Bad Tölz nicht.“ Dem schloss sich auch Peter Frech („Blue“) an, der gegenüber seinen Kollegen die Frage aufstellte, ob Bad Tölz diese Massen überhaupt vertrage. „Nein“ befand da etwa „Gasthaus“-Wirt Tino Kellner. „Mit diesen Massen haben wir einfach nicht gerechnet.“

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