Haderthauer hat verstanden

„Die ärztliche Schweigepflicht ist nicht stärker als das Grundrecht von Kindern auf persönliche Unversehrtheit“: Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer. Foto: Fastner

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer nimmt das Anliegen von Landrat Josef Niedermaier ernst. Der wies die CSU-Politikerin bei einem Besuch im Tölzer Mehrgenerationenhaus darauf hin, dass insbesondere Ärzte immer noch zu wenig Sensibilität bei Meldungen an die „Koordinierende Kinderschutzstellen“ (KoKi) an den Tag legten. Seine Erfahrung: „Mediziner verschanzen sich zu sehr hinter der ärztlichen Schweigepflicht.“

Niedermaier erläuterte erste Erfahrungen zu der KoKi. Das Projekt ging 2009 als bayerisches Regelförderprogramm an den Start – unter Federführung von Sozialministerin Haderthauer. Es soll ein Netzwerk aus Hebammen, Kinderärzten und Beratungsstellen bilden, um bedürftigen Kindern möglichst früh Hilfe zukommen zu lassen. Am Tölzer Landratsamt arbeiten zwei Mitarbeiterinnen für die KoKi in Sachen Kinderschutz. Niedermaier: „Die sind permanent unterwegs.“ Und sie bemerken, dass insbesondere Ärzte zögerten, Informationen an die KoKi weiterzugeben. „Da gibt es immer noch Hemmungen, da könnte mehr kommen.“ Gleichzeitig informierte er die Sozialministerin darüber, dass er demnächst die Geschäftsführer der beiden im Landkreis ansässigen Kliniken mitsamt derer Ärztlichen Direktoren zu einem Aufklärungsgespräch bitten wird. „Wir müssen die Koordinierende Kinderschutzstelle entsprechend bekannt machen.“ Haderthauer nahm Niedermaiers Anregung auf, sagte zu, ihrerseits um mehr Sensibilität bei Ärzten zu werben. Eine wie von Niedermaier dargestellte Zurückhaltung an Informationen gebe keinen Sinn, sagte Haderthauer: „Die Sozialdaten bleiben ja in einem geschützten Bereich, nämlich bei professionellen Sozialarbeitern der Beratungsstellen.“ Und weiter machte sie unmissverständlich klar: „Das Grundrecht der Kinder auf persönliche Unversehrtheit ist höher anzusiedeln als die ärztliche Schweigepflicht.“

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