Drogendealer geht ins Gefängnis

Vorbestrafter 38-jähriger Geretsrieder verkaufte Ecstasy an Minderjährige

Angeklagter verstoßt gegen mehrere Anlagepunkte und muss dafür eine mehrteilige Strafe abbüßen.
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Angeklagter verstoßt gegen mehrere Anlagepunkte und muss dafür eine mehrteilige Strafe abbüßen.

Geretsried – Nicht weniger als 4.000 Ecstasy-Pillen verkaufte ein mittlerweile 38-jähriger Geretsrieder in den Jahren 2018 und 2019 mit hohem Gewinn – auch an Minderjährige. Vor dem Wolfratshauser Schöffengericht räumte er alle Vorwürfe ein.

Die Polizei kam dem Geretsrieder auf die Schliche, weil er am 6. April 2019 in stark alkoholisiertem Zustand einen Unfall in Bad Tölz verursachte. Der gelernte Schreiner kam mit dem Auto von der Fahrbahn ab und fuhr in ein Haus. Sachschaden: 30.000 Euro. Der Angeklagte, der zudem keine Fahrerlaubnis besaß, floh vom Unfallort, konnte aber bald darauf von der Polizei geschnappt werden.

In dem Fahrzeug fand die Polizei eine Thermoskanne, die mit 242 Ecstasy-Pillen gefüllt war, sowie Amphetamine. Nach der aufwendigen Prüfung der Chatverläufe in seinem Handy ergab sich, dass der Mann im Zeitraum von 2018 bis 2019 insgesamt 4.000 Pillen zu einem Stückpreis zwischen 1,40 und 1,60 Euro von einem Berliner Drogendealer bestellt hat, um sie danach zu Preisen von zehn bis zwölf Euro zu verkaufen. Da mindestens zwei seiner Kundinnen minderjährig waren, gab es gleich mehrere Anklagepunkte: Verbotener Handel mit Betäubungsmittel (BTM), unerlaubte BTM-Abgabe an Minderjährige, verbotener Besitz von BTM, Fahren ohne Fahrerlaubnis und unerlaubtes Verlassen des Unfallortes.

Nach einem Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde die Verhandlung unter neuen Voraussetzungen fortgesetzt. Denn der Angeklagte räumte alle Vorwürfe ein und ersparte dem Amtsgericht somit eine langwierige Beweisführung. Bis auf eine Sachbearbeiterin der Polizei wurden allen Zeugen nachhause geschickt – darunter auch der extra aus Berlin angereiste verurteilte Drogendealer, der dem Angeklagten die Pillen per Post geschickt hatte.

Nach Angaben der Polizistin stellten die Ermittler bei einer Hausdurchsuchung des damals in Tölz lebenden Handwerkers rund 40.000 Euro sicher. Aufgrund seiner insgesamt 15 Vorstrafen – unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl, Betrug, BTM-Besitz, Nötigung und Beleidigung – forderte der Staatsanwalt eine dreijährige Haftstrafe, die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 41.500 Euro sowie eine zweijährige Führerscheinsperrfrist Jahren. Der Rechtsanhalt beantragte eine Reduzierung der Haftstrafe auf 2 Jahre und 3 Monate.

Urteil: zweieinhalb­jährige Haftstrafe

Das Schöffengericht verurteilte den unter offener Bewährung stehenden Angeklagten schließlich zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren, einer einjährigen Führerscheinsperre sowie die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 33.750 Euro. „Wir haben die 6.400 Euro, mit denen Sie die Drogen gekauft haben, abgezogen“, erklärte Richter Helmut Berger. Der Geretsrieder nahm das Urteil gelassen hin: „Jetzt ist Ruhe. Ich habe den Wohnort gewechselt, mir vor zwei Jahren eine Existenz als selbständiger Unternehmer aufgebaut und mit Drogen nichts mehr zu tun“, erklärte er. Peter Herrmann

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