Halter haftet für Hundebiss

Amtsgericht: 55-jähriger Wolfratshauser muss 150 Euro Strafe zahlen

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Amtsgericht: Richter Helmut Berger verurteilt Hundehalter zu 30 Tagessätze – insgesamt 150 Euro – zu bezahlen.

Wolfratshausen – Am Pfingstmontag 2019 riss sich ein kurzhaariger ungarischer Vorstehhund an einem Loisachuferweg von seinem Herrchen los und verletzte einen anderen Rüden durch einen tiefen Biss schwer. Die Halterin stellte Strafbefehl und sagte auch bei der Verhandlung am Amtsgericht aus.

Für den aggressiven Hund bestand ein Maulkorbpflicht, die der Halter missachtete. Sein Rechtsanwalt räumte die Schuld seines Mandanten, der erst am Ende der Verhandlung erschien, ein und beschränkte den Einspruch auf die Rechtsfolgen. Dennoch bat Richter Helmut Berger die 50-jährige Hundehalterin in den Zeugenstand. „Ich wusste von der Gefahr des Tieres, weil es schon mehrere Vorfälle mit Nachbarhunden gab“, sagte sie. Dennoch entschloss sich die Frau, in weitem Abstand an dem entgegenkommenden Hund vorbeizugehen. Vergeblich: Der ungarische Vorstehhund riss sich los und biss seinem Kontrahenten so tief in den Oberschenkel, dass sich die Frau zu einer Notoperation in einer Unterhachinger Tierklinik entschloss. Die Behandlungskosten betrugen rund 1.300 Euro. „Am meisten hat mich gestört, dass der Mann zu mir sagte, ich soll mich nicht so aufregen“, ärgerte sich die Frau. Das Gerangel zwischen den beiden Hunden dauerte fünf Minuten. Erst danach schaffte es die Frau, den anderen Hund so fest an seinem Halsband zu ziehen, dass er von seinem Opfer abließ. Der Rechtsanwalt gab zu bedenken, dass sein Mandant aufgrund einer Behinderung den Hund nicht zurückhalten konnte. Bereits 2018 hatte die Stadt Geretsried aufgrund ähnlicher Vorfälle gegen den damaligen Geretsrieder Mahnbescheide erlassen und ihn angewiesen, seinen Hund nur mit Maulkorb auszuführen. „Die Unterlagen haben ich dann an die Stadt Wolfratshausen weitergegeben“, erklärte Werner Frank vom Geretsrieder Ordnungsamt. Am Neujahrstag 2020 kam es am Geltinger Loisach-Isar-Kanal zu einem neuen Übergriff des Hundes, der aber noch nicht in die jetzige Verhandlung einfloss. Da der nicht einschlägig vorbestrafte Halter rund 200.000 Euro Schulden hat und in prekären Verhältnissen lebt, stimmte Richter Helmut Berger einer Reduzierung des Tagessatzes von 15 auf 5 Euro zu. So muss der Halter nun 30 Tagessätze – insgesamt 150 Euro – bezahlen. ph

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