„Surreal und irgendwie wunderschön“

Leiter der Blombergbahn über ein besorgniserregendes, entschleunigendes und besinnliches Jahr

Hannes Zintel ist Betreiber der Blombergbahn
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Hannes Zintel hofft, dass er die Blombergbahn ab Pfingsten wieder öffnen darf.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Bad Tölz/Wackersberg – Gleich zu Beginn des neuen Jahres lassen wir Persönlichkeiten aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu Wort kommen. Im Gespräch berichtet der Geschäftsführer der Blombergbahn, Hannes Zintel.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie das Jahr 2020 beschreiben und in einem Satz erläutern warum?

„Besorgniserregend: Ich mach mir einerseits Sorgen um meine Lieben und um meine Betriebe, aber auch der gesellschaftspolitische Diskurs und die wirtschaftlichen Nachwehen des Lockdowns in Europa bereiten mir Kopfzerbrechen. Es scheint, als ob die unbeschwerten Zeiten meiner Generation, wohl hinter uns liegen. Entschleunigt: Ich hatte erstmalig seit meinen Jugendjahren an Ostern, Weihnachten und Neujahr ausgiebig Zeit für Familie und Freunde. Beides ist in der Vergangenheit aus beruflichen Gründen zu oft, zu kurz gekommen. Besinnlich: Ich denke oft an meine Familienmitglieder, die noch Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung miterlebt haben. Ihre Demut einerseits, und ihr unerschütterliche Glaube daran, dass es irgendwie weitergehen wird, kommen mir oft in den Sinn. Im Vergleich zu deren Schicksalen, habe ich kein wirkliches Problem.“

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt: berichten Sie…

„Wir hatten nach dem schlechten Winter gerade ein paar Tage die Sommersaison eröffnet, als der erste Lockdown im März kam. Dann dieses unglaublich schöne Wetter in den Osterferien und kein Geschäft – dass war frustrierend. Andererseits konnte man im April, hier im Isartal, die Natur atmen hören: eine Autos, keine Menschen – surreal und irgendwie wunderschön. Der Sommer war dann „Bombe“. Alle wollten raus, wir konnten wirtschaftlich aufholen. Im zweiten Lockdown höre ich die Natur nicht mehr atmen, hier ist alles voller Menschen. Das merken die Berggeher unter uns. Aber alte Menschen, Familien mit kleinen Kindern und Menschen mit Behinderungen können nicht mehr auf den Berg hinauf. Das empfinde ich schon auch irgendwie als problematisch.

Sie sprechen die Politik an...

„Es ist sehr bedauerlich, dass man nicht regionaler und differenzierter entscheidet. Mit gesundem Menschenverstand kann man es nicht vollständig nachvollziehen, mir konnte bislang niemand sagen, wo hier ein Infektionsrisiko sein soll – hier ist alles Outdoor. Wir haben keine geschlossenen Kabinenbahnen.“

Welche Nachteile hat ihnen die Corona-Pandemie eingebracht?

„Umsatzausfälle im sechsstelligen Bereich, Projekte mussten verschoben werden, Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit oder wie im Falle unserer vielen treuen Aushilfen haben sie gar keine Arbeit mehr.“

Können Sie aus der Krise auch etwas positives für sich herausziehen?

„Qutdoor ist nun noch mehr im Trend und dass lässt wirtschaftlich hoffen.“

Gibt es ein spezielles Erlebnis, dass sie persönlich beeinflusst hat?

„Ein Prozent renitente Gäste, aber 99 Prozent glückliche und dankbare Gäste, in diesem Sommer. Eigentlich wie immer, nur in beiden Fällen sehr viel intensiver.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

„Die Blombergbahn feiert am 27. Mai 50-jähriges Jubiläum und die Herausforderungen sich dem Wandel der Zeit und somit auch dem Klimawandel, vor dem Hintergrund der Bürokratie, anzupassen bleiben bestehen.Wir haben viele innovative Ideen in der Schublade, stoßen aber immer wieder an Grenzen.“

Wie sehen Ihre konkreten Pläne für 2021 aus?

„Privat genieße ich erst einmal die freie Zeit mit Familie und Freunden. Geschäftlich arbeiten wir liegen gebliebenes auf und wollen nach dem Lockdown alle Anlagen wie aus dem Ei gepellt unseren Gästen präsentieren. Wir hoffen, dass wir spätestens ab Pfingsten wieder aufmachen dürfen.“

In der Reihe

„Wie geht‘s..?“ fragen wir Landkreis-Persönlichkeiten, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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