„Sind da nicht alleine schuld“

Hauptversammlung beim Bund Naturschutz: Kontroverse Diskussion zum Bienensterben

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Hitzige Diskussionen gab es zum Thema Bienensterben bei der Hauptversammlung der BN-Kreisgruppe.

Bad Tölz – Richtig knackig wurde es in der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe des BUND Naturschutz am vergangenen Donnerstagabend, als sich die regionalen Vertreter des Bauernverbands und des jüngsten Volkbegehrens zum Artenschwund „Rettet die Bienen“ einen heftigen Schlagabtausch lieferten.

Da betonte Peter Fichtner, der Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands: „Es hat uns vor allem gestunken, dass wir gemäß dem Volksbegehren offensichtlich die Alleinschuldigen am Artenrückgang sein sollen.“ Der Grüne Landtagsabgeordnete Hans Urban hingegen wendete ein, dass sich das Volksbegehren nach seiner Ansicht keinesfalls gegen die bäuerliche Landwirtschaft, wie sie hierzulande üblich ist, gerichtet habe: „Vielmehr sehe ich das jetzt als Chance für den Bauernstand, bei der kommenden Gesetzgebung, mitwirken zu können.“

Überaus konträr waren da die Argumente, die sich die beiden vorhielten. Während etwa bei der Biomilch Fischer behauptete, dass sich alle entsprechenden Molkereien derzeit weigerten, noch mehr biologisch erzeugte Milch anzunehmen, da der Absatz stagniere, wollte Urban wissen, dass man gerade hier im Jahr 2017 eine Absatzsteigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert hätte. Neuere Zahlen lägen noch nicht vor. Zudem konstatierte Fischer: „Die angeprangerte Zerschneidung von Lebensräumen, hat nicht der Bauernstand sondern vor allem der Straßenbau zu verantworten.“

Auch Friedl Krönauer, der Erste Vorsitzende des BUND-Kreisverbands, fügte in seinem Rechenschaftsbericht an: „Ich hab das ebenso nicht so gesehen, dass sich das jüngste Volkbegehren gegen unsere kleinbäuerliche Landwirtschaft gerichtet hat.“ Zum dramatischen Rückgang von Insekten in den letzten Jahren betonte er: „Jeder hat die Möglichkeit, etwas für die Artenvielfalt zu tun.“ Wer etwa keinen Garten hat, der könne zumindest beim Einkauf vermehrt auf regionale Produkte setzen. Dabei würden lange Transportwege vermieden und zudem die regionalen Hersteller gestärkt. Auch müsse der heimische Garten „nicht unbedingt eine Fortsetzung des Wohnzimmers sein. Da darf ruhig etwas natürlich schief wachsen.“

Diana Meßmer, die Beauftragte für Umwelt-Bildung freute sich über die erneute Zuteilung des bayerischen Umwelt-Siegels für die hier praktizierte Verbindung zwischen einer nachhaltigen Entwicklung und Bildung. Zudem verkündete sie, dass der Förderverein „Oberland plastikfrei“, noch in diesem Monat an der Tölzer Hindenburgstraße unter dem Motto „Ois ohne“ einen „Unverpackt-Laden“ eröffnen werde.

Den neu eingerichteten „Tölza Krautgarten“ auf dem Gelände des Zwickerhofs hätten im ersten Jahr bereits 40 Familien genutzt und bei der Amphibiensammlung 2018 waren im Zeitraum März bis Mai knapp 40.000 Erdkröten, Frösche und Lurche über die Straßen „befördert“ worden. „Und jetzt geht es schon wieder bald los“, fügte Krönauer hier an. Er bezeichnete zudem die Umweltbildung und die Flächenpflege mit der Streuwiesen-Mahd durch Achim Rückert, „als Hauptpfeiler der Arbeit der Kreisgruppe, um die Artenvielfalt zu erhalten.“

Einigkeit herrschte dann noch bei den Versammlungs-Teilnehmern, dass gegen die mittlerweile untragbaren Zustände mit den Bootfahrern auf der Isar und der Situation rund um den Walchensee an schönen Tagen dringend etwas getan werden müsse. Da kamen selbst die beliebten Floßfahrten nicht ungeschoren davon. Dazu meinte Krönauer: „Das Ganze wird zwar als Tradition verbrämt, ist aber nichts anderes mehr, als ein großes Saufgelage auf dem Floß.“

Gewürdigt für ihre 25-jährige Vereinstreue zum BUND Naturschutz wurden letztlich noch Sebastian Heinzdorf und Conny Schmidtchen.ejs

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