Online statt vor Ort

Hebammen-Sprechstunde: Tölzer Geburtshelferinnen setzen auf Homepage

Neugeborenes Kind
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Hebammen beantworten Fragen rund um die Geburt (Symbolfoto).
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Im jüngsten Kreisausschuss legten die beiden Hebammen Nadia Tretter und Patrizia Frey ihren Sachstandsbericht ab.

Im Jahr 2019 als Corona noch kein Thema war, hat der Kreistag die Einrichtung einer Hebammen-Sprechstunde in der Tölzer Asklepiosklinik beschlossen – um den Verlust der dortigen Geburtshilfe für den Südlandkreis abzufangen.

Doch als die Hebammen ihren Dienst antraten, rollte die Pandemie übers Land. Deshalb hat sich auch die geplante Arbeitsstruktur der Sprechstunde geändert – was auch Kritik einbrachte.

Die Hebammen-Sprechstunde in Bad Tölz ist ein ambulantes Betreuungsangebot rund um Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit. Dafür haben sich zum Start im April 2020 vier Hebammen zusammengetan, um werdenden Müttern aus dem Landkreis zu helfen. Gefördert vom Kreis mit einem jährlichen Zuschuss von 23.000 Euro.

Aufgrund der Corona-Lage konnte das Angebot jedoch nicht wie geplant in der Asklepios Stadtklinik abgehalten werden. Stattdessen war die eigentlich persönlich angedachte Sprechstunde gleich von Beginn bis zum heutigen Tag an nur per telefonischer Rufbereitschaft möglich.

„Nicht mehr so wie geplant“

In der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses legten die beiden Hebammen Nadia Tretter und Patrizia Frey nun ihren Sachstandsbericht ab. „Als Corona kam, haben wir die Sprechstunde nicht mehr so wie geplant starten können“, berichtete Tretter. Zudem stieg auch noch eine der Hebammen sehr früh aus dem Projekt aus, „dann sind wir nur noch zu dritt dagestanden“.

Hebamme Nadia Tretter.

Erschwert durch diese Voraussetzungen und in Absprache mit dem Landratsamt wurde aus der „Präsenz- eine Rufbereitschaft“. Und auch diese lief laut Tretter anders ab als gedacht: Bei den telefonischen Anfragen „ging es um Beratungen fern jeglicher Notfälle“.

Hauptsächlich sei es um die Suche nach einer Hebamme gegangen oder Fragen handelten vom Zahnen oder der richtigen Ernährung fürs Kind.

Corona-Situation schuld

Hebamme Frey ergänzte, das dass nun aufgepeppte Online-Angebot auf der Homepage der Hebammen anstatt einer Sprechstunde für Mütter vor allem der derzeitigen Corona-Situation geschuldet sei.

Hebamme Patrizia Frey.

Auf der Webseite gibt es Informationen zu Themen wie Schwangerschaft und Wochenbett sowie ein Netzwerk zu den jeweiligen Krankenhäusern, Kinderärzten und Hebammen.

Geschäftsleiter am Landratsamt, Wolfgang Krause, bestätigte: Das geänderte Angebot ergebe Sinn, „um sich über die Pandemie-Zeit zu retten“. Überhaupt müsse darüber nachgedacht werden, ob die ursprünglich geplanten Präsenzsprechzeiten in der Tölzer Klinik mit nur drei Hebammen über 53 Wochen im Jahr angeboten werden sollen. „Ich weiß nicht, ob das sinnvoll ist.“

Kreisrätin Schwendner fehlt der persönliche Hebammen-Kontakt

Über die Umstrukturierung der Hebammen-Sprechstunde zeigte sich insbesondere Barbara Schwendner überrascht. Die Grünen-Kreisrätin hatte diese nämlich angestoßen und vorangetrieben. „Das ist eine spannende Entwicklung“, sagte sie eingangs: „Aber eigentlich wollten wir einen Ansprechort für Hebammen im Südlandkreis, weil die Geburtshilfe weggefallen war.“

Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner steht einer Online- statt Präsenz-Beratung skeptisch gegenüber.

Schwendner betonte weiter: „Eine Internetplattform als Kontakt ist ja eigentlich etwas anderes.“ Daher wollte sie auch wissen, ob die Vermittlung für die Frauen erfolgreich war, und ob sie mit Hebammen als Ansprechpartner versorgt seien. Auch Susanne Merk (FW) wollte wissen, wie das Feedback der Mütter sei: „Sind sie zufrieden mit dem Angebot?“

Hebamme Nadia Tretter erklärte, dass die derzeitige Online-Vermittlung von Hebammen gut funktioniere. Dabei helfen würden auch eingeführte WhatsApp-Gruppen. Allerdings sei die Anzahl der Anfragen in der Hebammen-Sprechstunde überschaubar gewesen. „Es ist jetzt nicht so, dass das Telefon achtmal am Abend klingelt“, sagte Tretter. „Es gab auch tote Sprechzeiten.“

Daher halten die Hebammen das Online-Angebot derzeit für ausreichend. Gerade zu Pandemie-Zeiten würden sie keine schwangere Frau in die Klinik bitten wollen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Zudem bedeute die Umstrukturierung nicht, dass keiner mehr persönlich erreichbar sei.

Die Tölzer Hebammen-Sprechstunde ist jeweils von Montag bis Freitag (18 bis 20 Uhr) sowie Samstag und Sonntag (9 bis 16 Uhr) besetzt. „Wir stehen auch mit unseren Diensthandynummern auf der Homepage und sind zu den normalen Zeiten erreichbar“, ergänzte Frey.

Übergangslösung

Sie gab Schwendner zudem zu verstehen: Alles sei eine Übergangslösung. In der Hoffnung, dass sich die Lage der Pandemie bald entschärfe, hoffen die Hebammen, „dass sich das Angebot dann wieder in seine ursprüngliche angedachte Richtung“ entwickelt.

Dies bezweifelt derzeit Kreis-Geschäftsleiter Wolfgang Krause: „Im Moment ist es schwierig, zu beurteilen, wie sich der Bedarf nach der Pandemie entwickelt.“ Für ihn steht fest, die Hebammen nicht überlasten zu wollen.

Insgesamt bilanzierten die Hebammen, dass Anfragen von Müttern früher kommen würden, also bereits in der fünften oder sechsten Schwangerschaftswoche. Auch seien sie bis in den Sommer hinein schon „gut ausgebucht“.

Tretter geht auch davon aus, dass der Beratungs- und Unterstützungsbedarf der werdenden Mütter weiter zunehmen werde. Die Hebammenversorgung im Südlandkreis sei „gerade so abgedeckt“, sagte sie. „Jetzt geht`s noch, aber in den nächsten fünf Jahren wird sich die Lage dramatisieren.“

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