Heimatgefühle und gutes Bier in der Stadt der Flößer

Sicher durch gefährliche Gewässer mit dem Modell eines Floßes, das Guttenberg von Martin Bachhuber und Peter Plößl überreicht bekam.

„Ruhe bewahren“, so zementierte Wolfratshausens zweiter Bürgermeister Peter Plößl, die zentrale Regel des Neujahrsempfangs des CSU-Kreisverbandes und der CSU-Wolfratshausen am Donnerstag vergangener Woche. Und das hatte seinen Grund: der Besuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg in der Loisachhalle.

Günther Eibl, Wirtschaftsreferent der Stadt Wolfratshausen, zerstreute eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn alle Bedenken, dem Massenauflauf in der mit 850 Gästen überfüllten Loisachhalle nicht gewachsen zu sein: „Ich habe schon einmal den Fußballerfaschingsball organisiert. Das war bei weitem anstrengender“. Der Aufwand und die Sicherheitsvorkehrungen, die die Veranstalter für den Besuch des Bundesverteidigungsministers getroffen hatten, waren enorm: Neben den inner- und außerhalb des Saales anwesenden Einsatzkräften des Roten Kreuzes, der Feuerwehr und des Sicherheitsdienstes stand vor der Loisachhalle eine mit Fackeln ausgestattete Gebirgsschützenkompanie Spalier – weiter hatten sich der Spielmannszug Gelting und die Blaskapelle Münsing formiert. Ein Szenario, das die ansonsten so beschauliche Flößerstadt doch etwas aufwühlte. Mit drei Salutschüssen wurden Karl-Theodor zu Guttenberg und Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber bereits vor der Halle empfangen. Nachdem bei strömenden Regen auch der Tradition der Schnapsrunde gehuldigt wurde, zog der Protagonist des Abends begleitet von den Klängen des bayerischen Defiliermarsches in den voll besetzten Saal ein. Bevor der Verteidigungsminister das Wort ergriff, richteten der Wolfratshauser CSU-Ortsvorsitzende Peter Plößl, Bürgermeister Helmut Forster und der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber Grußworte an die gespannt wartenden Zuschauer. Vor allem Bachhuber, dessen hartnäckiges Bitten den Auftritt Guttenbergs in der Flößerstadt überhaupt erst ermöglichte, lobte den nach einer jüngsten Umfrage beliebtesten deutschen Politiker in höchsten Tönen und ließ sich des Öfteren zu patriotischen „Liebeserklärungen“ an seine bayerische Heimat hinreißen. „Wir haben’s gut und können hier arbeiten, während du, Karl-Theodor, in Berlin schlechtes Bier trinken musst.“ Folgerichtig wurde dem Hochgelobten gleich zu Beginn seiner Rede ein Glas Weißbier gereicht – ein Privileg, das den meisten Besuchern in der außerhalb des Foyers nicht bewirteten Halle vorenthalten blieb. Der oberfränkische Freiherr bedankte sich, schließlich erinnerte er sich an einen Auftritt in Memmingen, bei dem er über eine Stunde auf das ersehnte Getränk warten musste. Überhaupt fühlte sich Guttenberg in Wolfratshausen sofort heimisch, ist er doch im Flößerdorf Neubeuern am Inn aufgewachsen. Martin Bachhuber griff dieses Bild sogleich auf und wünschte Guttenberg, dass er auch in Zukunft wie ein Flößer „Gefahren weitsichtig erkennt und sich sicher durch gefährliche Gewässer manövriert“. Guttenberg zog es aber letztendlich vor, die Loisachhalle mit einer gepanzerten Limousine zu verlassen.

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