Heimatvertriebene bleiben unvergessen

Regierungsbeauftragte Sylvia Stierstorfer lobt Erinnerungsort Badehaus

Badehausvereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft (3. v. l.) erklärte Prof. Dr. Andreas Weber vom Haus des Deutschen Ostens sowie der Regierungsbeauftragten Sylvia Stierstorfer und der Dritten Bürgermeisterin Annette Heinloth (r.) die Bedeutung eines über 75 Jahre alten Leiterwagens.

Waldram – Hohen Besuch empfing der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald jüngst im Begegnungs- und Dokumentationszentrum am Kolpingplatz. Bei einer Führung durch die Ausstellungsräume zeigte sich die Regierungsbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene Sylvia Stierstorfer beeindruckt.

„Was Sie hier geschaffen haben, ist einmalig!“, erklärte Stierstorfer. Beim Betreten des Raums der Heimatvertriebenen fühlte sich die gebürtige Regensburgerin unweigerlich an die Flucht ihres aus dem Sudetenland stammenden Großvaters erinnert. „Auch er packte seine Sachen auf einen Leiterwagen, um sich auf den Weg zu machen“, berichtete sie. Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, führte sie begleitet vom Leiter des Hauses des Deutschen Ostens Prof. Dr. Andreas Weber, der Dritten Wolfratshauser Bürgermeisterin Annette Heinloth und Wolfgang Saal von der Siedlungsgemeinschaft Waldram durch die Ausstellungsräume. Wie in unserer Zeitung mehrfach berichtet, werden dort vier Zeitschichten berücksichtigt. Krafft spannte einen weiten Bogen und erinnerte an die Entwicklung vom nationalsozialistischen Arbeitslager für die nahegelegenen Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst in den Jahren 1939/40 zum Camp für jüdische Displaced Persons (DPs) bis hin zur Siedlung für Heimatvertriebene in den 1950er und 1960er Jahren. Besonders imponierte Stierstorfer dabei die gelungene Integration der ursprünglich aus Mähren stammenden Musikerfamilie Brustmann und die auf einem Schwarz-Weiß-Foto abgebildeten Volkstänze von Waldramer Kindern. Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth hat dazu einen besonderen Bezug. Denn auch sie verbrachte ihre Kindheit in Waldram. „Über die im Badehaus dargestellte Geschichte und den Alltag im Lager Föhrenwald haben wir im Unterricht jedoch nichts erfahren“, bedauerte sie. Umso wichtiger sei die Schaffung eines Erinnerungsortes, der mittlerweile weit über die Stadtgrenzen bekannt ist. Wolfgang Saal bat Sylvia Stierstorfer abschließend darum, dass sie vor allem Jugendlichen und Schulklassen einen Besuch im Badehaus empfehlen solle.Peter Herrmann

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