Hilfe fernab von Behörden

Setzen auf das Angebot der Familienpaten: Rita Knollmann vom BRK-Mehrgenerationenhaus und Diana Eichmüller von der Fachstelle Familienförderung am Landratsamt. Foto: Kapfer-Arrington

Beistand bei Behördengängen, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder spontane Kinderbetreuung. Der Bedarf an diesen kleinen Hilfeleistungen ist in vielen Familien groß, gerade auch bei Alleinerziehenden. Hilfe leisten schon bald die „Familienpaten“. Ein Projekt unter der Koordination des BRK-Mehrgenerationenhauses und mit Unetrstützung des Amtes für Jugend und Familie.

Tamara T. (Name geändert) ist Mutter zweier Kinder, lebt in Bad Tölz – und sie ist alleinerziehend. „Sie ist total überfordert mit ihrer Situation“, berichtet Rita Knollmann. Die Leiterin des Tölzer Mehrgenerationenhauses (MGH) im Franziskuszentrum nennt dieses Beispiel ganz bewusst. Ist es doch passgenau der Fall, an dem das neue Angebot der Familienpaten ansetzen soll. Eine niedrigschwellige Hilfe, so dass das Amt für Jugend und Familie, das alternatve Hilfen vermitteln könnte, erst gar nicht involviert werden muss. Denn Knollmann koordiniert vom MGH aus bei Bedarfsanfragen den Pool an Familienpaten: Das sind Ehrenamtler, die den Familien dann zur Seite stehen. Und es sind speziell ausgebildete Paten. Denn das Amt für Jugend und Familie bietet eigens eine Schulung in drei Modulen an. So gilt es den Laienhelfern mögliche Spannungsfelder innerhalb der Familien aufzuzeigen, ferner sollen sich die Familienpaten ihrer eigenen Gefühle und Werte bewusst werden. „Erst dann ist einem klar, bis wohin ich Hilfe leisten kann und ab wann nicht mehr“, beschreibt Diana Eichmüller von der Fachstelle für Familienförderung am Landratsamt die Ausrichung eines Moduls. In einer zweiten Lerneinheit wird die Kommunikation ebenso trainiert wie das Thema Trennung und Scheidung vertieft wird. Um Heimat und Identität, interkulturelle Begegnung und die verschiedenen Phasen der Familienpatenschaften geht es in einer dritten Lektion. Diese Ausbildungsmodule, die auf Inhalten des Netzwerks Familienpaten basieren, von den Sozialpädagogen Eichmüller und Knollmann aber noch weiterentwickelt wurden, sind für die Familienpaten kostenlos. Damit erhalten sie das Rüstzeug für ihre „Einsätze“, die unterschiedlich lang sein können. „Mal ist die Hilfe einmalig, mal begleitet ein Familienpate eine Familie über Monate.“ Im Schnitt, so Rita Knollmann, würden Familienpaten einmal wöchentlich einen zweistündigen Besuch abstatten – oder eben bei Arztbesuchen und Behördengängen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eichmüller verspricht sich viel vom dem Pilotprojekt, das – wenn die Ausbildungsmodule erst einmal gelaufen sind – ab 1. Januar von der Stadt Bad Tölz finanziert wird. Das BRK stellt die Infrastruktur und das Landratsamt schultert die Kosten für die Ausbildung der Ehrenamtler. Mit den Familienpaten soll ein weiterer Baustein in der „sozialräumlichen Familien- und Jugendarbeit“ gesetzt werden mitsamt einem Netzwerk voller niedrigschwelliger Hilfsangebote, die allesamt stark auf Prävention ausgerichtet sind. Knollmann und Eichmüller hoffen auf eine große Zahl an Ehrenamtlern, die Familienpaten werden wollen. Denn nur mit einem größtmöglichen Pool an Kräften lasse sich der Bedarf an Hilfeleistungen auch bewältigen. Und erst dann kann Knollmann flexibel und individuelle Hilfeleistungen arrangieren. Interessenten sollten laut Eichmüller ein Pensum Lebenserfahrung mit sich bringen und „selbst fest im Leben stehen“. Offenheit für Herausforderungen sei ebenso notwendig wie Zeit, „wobei die Ehrenamtler ihren Zeiteinsatz selbst definieren“, wie Knollmann beim Pressegespräch ergänzte. Bislang habe sie sieben Interessierte, die ab Oktober die Ausbildungsmodule durchlaufen. Wird das Projekt ein Erfolg, soll es auch auf andere Kommunen ausgeweitet werden. Denn die Hilfe der Familienpaten ist – aufgrund der Finanzierung durch die Stadt Bad Tölz – zunächst auf das (erweiterte) Stadtgebiet begrenzt. Zur Nachahmung also dringend empfohlen. Thomas Kapfer-Arrington Die Module finden an folgenden tagen statt: 27./28. Oktober (10 bis 17 Uhr), 10./11. November (10 bis 17 Uhr) und 7./8. Dezember, (freitags 15 bis 20, samstags 10 bis 15 Uhr). Anmeldungen bis 25. Oktober unter Tel: 08041/79335-88.

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