Furien und schnatternde Gänse

Historischer Verein und Kulturverein Isar-Loisach erinnern an Frauenrechte

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Mit einer szenischen Lesung wurde an Politikerinnen wie Dr. Anita Augspurg erinnert.

Waldram – Als „hysterische Furien und schnatternde Gänse“ wurden die ersten Frauen im bayerischen Landtag einst von männlichen Abgeordneten bezeichnet. An diese Zeit erinnerte der Historische Verein und der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) vor kurzem mit einer abwechslungsreichen Veranstaltung im Badehaus Waldram.

Unterstützt wurde das am Weltfrauentag durchführte Programm vom Bund für Geistesfreiheit, der Giordano-Bruno-Stiftung, der Gleichstellungsstelle des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen und dem Franz-Geiger-Verein. Dabei zeigte eine szenische Lesung zunächst, welche Hürden die ersten weiblichen Abgeordneten während der Weimarer Republik im bayerischen Landtag zu überwinden hatten. So berichteten die Vorsitzende des Historische Vereins Dr. Sybille Krafft und die Münchner Autorin Karin Sommer, dass die Politikerinnen damals von Männern verspottet und diffamiert wurden. „Manchmal waren sich die Frauen aber auch untereinander nicht einig“, erzählte Krafft. Gerade in der Debatte um den Abtreibungsparagrafen 218 gerieten beispielsweise die Sozialistin Rosa Aschenbrenner (gespielt von der KIL-Vorsitzenden Assunta Tammelleo) und die konservative Ellen Ammann (Hannelore Greiner) hart aneinander. Einmal soll es sogar zu tumultartigen Ausschreitungen gekommen sein, an denen sich auch dominante männliche Abgeordnete (Ludwig Gollwitzer) beteiligten. Der Sirenenchor des Kulturvereins sang dazu passende Lieder wie „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ oder „Brot und Rosen“. Nach Filmausschnitten über das Leben der 2016 verstorbenen FDP-Politikerin Dr. Hildegard Hamm-Brücher wurden den 100 Besuchern schließlich Sekt, Selters und „frauentypisches Gebäck“ serviert

Der Geretsrieder Ludwig Schmid hatte Brezen und Plätzchen, die mit dem geschlechtsspezifischen Frauenkreuz versehen waren, gebacken. Dafür gab’s reichlich Spenden, die ebenso wie der Eintrittspreis der neuen Bühne im Dachgeschoß des Badehauses zu Gute kamen. Wie es um die Präsenz von Frauen in der heutigen Kommunalpolitik bestellt ist, zeigte eine abschließende Fragerunde mit sechs Stadträtinnen aus Geretsried und Wolfratshausen. Dabei berichteten Sabine Lorenz (CSU), Vera Kraus (Freie Wähler), Roswitha Beyer (SPD), Claudia Drexl-Weile (CSU), Annette Heinloth (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen) über ihre Erfahrungen. „Wir sind in Wolfratshausen weit von Teilhabe entfernt“, stellte Krischke fest. Sie verwies auf drei männliche Bürgermeister, sowie eine Frauenquote von weniger als 25 Prozent im Stadtrat. Eine Erhöhung dieses überschaubaren Anteils wünscht sich auch Annette Heinloth. „Männer sind auf Außenwirkung ausgerichtet, Frauen eher sachorientiert“, glaubt sie. Dennoch sei laut Roswitha Beyer eine positive gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu erkennen. „Ich habe noch erlebt, wie bitter es für uns in den 1950er- und 1960er Jahren war“, erinnert sich die 68-Jährige. Damals benötigten verheiratete Frauen noch die Unterschrift ihres Ehemannes, um eine Arbeitsstelle anzunehmen. „Viele junge Frauen wissen das gar nicht mehr und halten alles für selbstverständlich“, so Beyer weiter. Würde aber weibliches Engagement in der Politik fehlen, könnte sich die Verhältnisse schnell wieder verschlechtern. Davon ist auch die Geretsrieder Stadträtin und Vorsitzende des Kreisverbands der Frauen Union, Sabine Lorenz, überzeugt. „Politik ist viel zu wichtig, um sie Männern zu überlassen“, stellte sie fest. Peter Herrmann

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