Uli Hoeneß füllt die Loisachhalle

Rainer Holzschuh, Herausgeber des Kicker-Sportmagazins, interviewte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (Bild oben, l.). Auch fernab der Bühne stand der Bayern-Boss im Mittelpunkt des Interesses, hier mit Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber- Die Loisachhalle indes war zum Bersten gefüllt. Fotos: Herrmann

Auf Einladung der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) kamen rund 700 geladene Gäste zu einem Interviewabend mit Uli Hoeneß in die Loisachhalle. Dabei sprach der 60-Jährige nicht nur über das erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen FC Bayern München, sondern auch über Mitarbeiterführung, Politik und die moderne Medienlandschaft.

Bevor Rainer Holzschuh, Herausgeber des Kicker-Sportmagazins, und sein Interviewpartner Uli Hoeneß die Bühne betraten, richtete UWW-Vorstand Christian von Stülpnagel in seiner Grußrede einen leidenschaftlichen Appell an die anwesenden Geretsrieder und Wolfratshauser Stadträte. Den geplanten Bau eines interkommunalen Hallenbads und die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried bewertet er als Herausforderungen, denen sich beide Städte gemeinsam stellen müssten. Der von der UWW organisierte Interview-Abend zeigte, dass die Kommunikationsbereitschaft zwischen den Geretsrieder und Wolfratshauser Stadträten durchaus vorhanden ist. Nicht zuletzt zahlte die Industriegemeinschaft Geretsried (IGG) die sicherlich nicht unerhebliche Getränkerechnung für alle Gäste. Dazu spendierte Uli Hoeneß 2.500 Bratwürste, die in dem von ihm gegründeten Unternehmen HoWe Wurstwaren KG produziert wurden. Dass der gefragte FC-Bayern-Präsident überhaupt den Weg in die Loisachhalle fand, dürfte unter anderem auch seinem guten Verhältnis zum ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu verdanken sein. Der nur wenige hunderte Meter von der Loisachhalle wohnende Politiker schmunzelte über Hoeneß Aussagen zu Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. „Die beiden leisten hervorragende Arbeit. Frau Merkel leitet ein 80-Millionen-Mitarbeiter-Unternehmen und erhält dafür ein Jahresgehalt von 300.000 Euro. Dies ist ein Bruchteil dessen, was heute ein 18-jähriger Fußballnachwuchsstar verdient“, wundert sich Hoeneß. Eine Krise gebe es in Deutschland ohnehin nicht. „In sechs Monaten wird die Weltwirtschaft boomen. Unternehmen können sich derzeit billig Geld beschaffen und die Zinslast des Staates wird sinken“, gibt sich der Wurstfabrikant optimistisch. Dabei komme es für die Firmen vor allem auf gute Mitarbeiterführung an. „Sie sind das größte Kapital des Unternehmens“, meint Hoeneß. Das gelte auch für den FC Bayern. „Wenn ein Spieler sieben Tore schießt und ihm alle zujubeln, muss ich als Präsident nicht dabei sein. Aber wenn er sich heute das Kreuzband reißt, muss ich morgen bei ihm am Krankenbett sein“. Hier kann er sich einen Seitenhieb auf den einstigen FC-Bayern-Meistertrainer Felix Magath nicht verkneifen. „Der Felix tauscht in Wolfsburg ständig Spieler aus. Ich habe den Eindruck, dass er seine Mitarbeiter nicht liebt.“ Und auch der Lokalrivale TSV 1860 bekommt sein Fett ab. „60er-Fans und die SPD in Bayern haben eines gemeinsam: Sie werden immer weniger.“ Spätestens hier regt sich doch ein bisschen Widerstand der bekennenden Blauen im Saal. CSU-Stimmkreis-Abgeordneter Martin Bachhuber und Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister Peter Plößl (CSU), die zur gewiss nicht kleinen Fangemeinde der Löwen gehören, sparen sich ihren Applaus denn auch für andere knackige Sprüche von Hoeneß auf. „Ich habe nie aufgehört zu lernen. Das betrifft auch meinen Umgang mit den Medien. Wenn ich heute einer Zeitung ein Interview gebe, ist es zehn Minuten später im Internet und kann von Alaska bis Feuerland weltweit gelesen werden. In den Siebzigerjahren schaute nur alle drei Tage ein Journalist beim Trainingsgelände des FC Bayern vorbei. Heute tummeln sich dort Dutzende Kamerateams“, so Hoeneß. Nach der zweistündigen One-Man-Show gab die Waldramer Tanzlmusi dem Bayern-Chef noch ein Abschiedsständchen. Sein Honorar für den Abend wurde auf eigenen Wunsch an ein Bildungszentrum in Ulm gespendet. Engagement und finanzielle Unterstützung für gemeinnützige Projekte sind für den 60-Jährigen eine Selbstverständlichkeit. „Wenn du oben bist und viel Geld besitzt, musst du an die Gesellschaft etwas zurückgeben“, lautet Hoeneß‘ Credo. Peter Herrmann

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