Hohe Mietschulden nicht bezahlt

Amtsgericht verurteilt Ex-Inhaberin des Kräuter-Erlebnis-Zentrums wegen Betrugs

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Die denkmalgeschützte Villa an der Arzbacher Straße in Bad Tölz.

Bad Tölz – Fast drei lange Jahre betrieb eine heute 64-jährige Frau das Kräuter-Erlebnis-Zentrum in der Arzbacher Straße 12 in Bad Tölz. Aufgrund hoher Sanierungskosten blieb sie dem Vermieter mehrere Monatsmieten schuldig. Nun kam es zur Verhandlung am Amtsgericht in Wolfratshausen.

Im Mai 2016 mietete die Angeklagte die denkmalgeschützte Villa an der Arzbacher Straße 12 an, um in den Räumlichkeiten ein Kräuter-Erlebnis-Zentrum einzurichten. Weil die Bausubstanz teilweise marode war, steckte sie rund 50.000 Euro in Sanierungsmaßnahmen – ohne den Vermieter davon in Kenntnis zu setzen.

Als der Angeklagten das Geld ausging und sie dem Vermieter mehrere Monatsmieten schuldig blieb, kam es zum Rechtsstreit. Schließlich sagte die Frau in einem Vergleich zu, immerhin 23.500 Euro der ausstehenden Mietrückstände zu zahlen. Da auch diese Zahlung nach einem Jahr ausblieb, musste sie sich nun wegen Betrugs vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten.

„Es war eine Herzensangelegenheit, und jetzt steh ich da mit diesem Schlamassel“, räumte die Angeklagte ein. Im Januar 2019 musste sie das Kräuter-Erlebnis-Zentrum räumen. Der 62-jährige Vermieter gestand in der Verhandlung, dass er der Geschäftsführerin vor drei Jahren noch vertraut hatte. „Ich habe ihre Solvenz damals leider nicht überprüft: Das war ein Fehler“, bedauerte er. Von den durchgeführten Sanierungsmaßnahmen, die ohne seine Erlaubnis durchgeführt wurden, hätte er nicht profitiert.

Im Gegenteil: Ein Garagenvordach musste er zurückbauen, weil es vom Landratsamt nachträglich nicht genehmigt wurde. In einem Vergleich reduzierte der Vermieter seine Ansprüche dennoch von 42.000 Euro auf

23.500 Euro. „Ich wollte, dass die Sache endlich ein Ende hat“, erklärte er. Seine ehemalige Mieterin sicherte ihm zu, diese Summe aufzutreiben. Dennoch wartet er bis heute auf sein Geld.

Obwohl die 64-Jährige unter anderem wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt bereits vorbestraft ist, bat Rechtsanwältin Ulrike Wech um Gnade vor dem Gericht. „Meine Mandantin steht kurz vor der Rente, kann nicht mehr arbeiten und hat rund 80.000 Euro Schulden“, gab sie zu bedenken.

Der Staatsanwalt hielt eine moderate Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro – insgesamt 750 Euro – für angemessen. Richter Helmut Berger folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. „Sie hätten sich nicht auf einen Vergleich einlassen dürfen, wenn sie schon im vornherein wissen, dass sie nicht zahlen können“, betonte Berger abschließend seinen Urteilsspruch gegenüber der Angeklagten im Amtsgericht. Peter Herrmann

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