In Holzhausen: Filmemacher Matthias Kiefersauer dreht bayerische Komödie „Falsche Siebziger“

Scheinidylle hinter Geranien

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Warten auf den Drehanschluss: Das Filmteam der BR-Produktion „Falsche Siebziger“ um Regisseur Matthias Kiefersauer (hinten, Mitte) mit (weiter v.l.) Gerhard Wittmann, Sebastia Bezzel, Kathrin von Steinburg, Gundi Ellert, Markus Krojer (stehend), Fred Stillkrauth und Ilse Neubauer.

Holzhausen - Drei Bauernhäuser, eingebettet in der farbenfrohen Herbstlandschaft, dort plätschert ein Brunnen und in Sichtweite thront die Kirche – Holzhausen am Starnberger See scheint der perfekte Drehort für Regisseur Matthias Kiefersauers neuen TV-Film „Falsche Siebziger“. Ein Setbesuch.

Der Schein der ländlichen Idylle trügt: Kein schnulziger Heimatfilm erwartet die Zuschauer bei der ARD-Ausstrahlung am FilmMittwoch im Jahr 2017 (genauer Sendetermin steht noch nicht fest), sondern eine schwarze Komödie. In der schlagen sich die Darsteller mit Tod, Lüge und Betrug herum. Mit von der Partie sind bayrische Urgestein-Darsteller wie Ilse Neubauer, Gundi Ellert und Fred Stillkrauth. Am Filmset herrscht hektisches Treiben: Die Kamera wird neu ausgerichtet, Regie-Stühle versetzt, derweil schwingt die Tonangel über die Darsteller hinweg, die sich gerade auf einer Bank an der Bushaltestelle von der Maskenbildnerin zurecht zupfen lassen. Die Filmklappe schlägt zu. „Und Bitte“, ruft Kiefersauer kurz darauf, dann blickt der Filmemacher auf einen Monitor. Dort flimmert die Szene, so wie sie später im TV zu sehen sein wird. Er nickt zufrieden: „Danke aus.“ Wieder eine Szene im Kasten. Kiefersauer atmet durch. Insgesamt ist das rund 40-köpfige Filmteam fünf Tage die Woche im Münchner Umland unterwegs und dreht dort an 22 Tagen für die BR-Produktion. „Ich kenne jeden Hof hier“, erklärt der 43-Jährige Wahlmünchner Kiefersauer, der in Wolfratshausen aufgewachsen ist. Und ergänzt lachend, „da muss man sich schon benehmen“. Der Drehort am Weiler sei das Hauptmotiv des Films, erklärt der Regisseur, dort leben und sterben fast gleichzeitig drei Senioren. Daraufhin beschließen die Dorfbewohner, sie offiziell am Leben zu erhalten, um mit der Rente der Verstorbenen besser über die Runden zu kommen. Dafür müssen sie allerdings passende Doppelgänger finden, damit der falsche Schein nicht auffliegt. Aber wie so oft im Leben, steht ein aufgebautes Lügengebäude auf sandigem Fundament. Als dann noch sehr neugierige Nachbarn an den Weiler ziehen und die Polizei auftaucht, wird die Lage brenzlig und die Gefahr aufzufliegen wird für die Betrüger immer größer. Für die Geschichte sei es ganz wichtig gewesen, Höfe zu finden, die nahe beieinander liegen, erklärt der Regisseur. „Damit die Kamera zwischen den drei Anwesen in freier Sicht zum jeweils anderen Gebäude die Bilder einfangen kann.“ Der Weiler bildet somit einen Mikrokosmos. Jeder kennt jeden. Und jeder sieht alles. Eine prekäre Situation, wenn der Einzelne versucht, seine „Leichen im Keller“ vor den andern Dorfbewohnern geheim zu halten. Die Idee für das Dorf-Szenario wurde Kiefersauer und seinem Co-Autor Alexander Liegl im Auftrag des BR erteilt. Die zwei sind ein eingespieltes Team beim Schreiben und haben schon einige Drehbücher zusammen verfasst. Für den jetzigen Film mussten die beiden allerdings einige Male in die Tasten greifen – insgesamt sieben Drehbuchfassungen wurden angefertigt, bis das Buch „Falsche Siebziger“ stimmig war. Beim Verfassen teilen sich die beiden Autoren die Arbeit auf: „Die Liebesgeschichten schreibe ich“, erklärt Kiefersauer, „und wenn es um ganz schräge Kabarettnummern geht, ist der Alex gefordert“. Aber nicht nur schräg dürfte es in dem 90-minütigen TV-Spielfilm zugehen, sondern auch sehr lustig. Bereits bei der eingangs erwähnten Szene und dem anschließenden Fototermin für die Presse hänselten und lachten die Schauspieler ausgiebig untereinander. Die Stimmung am Set und unter den Kollegen scheint entspannt – Beste Voraussetzung für einen Ensemblefilm, bei dem mehrere große Schauspieler in großen Rollen gleichberechtigt auftreten. Daniel Wegscheider

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