Bloß keine Experimente

Icking: Bürgerversammlung zu 5G

Der Sportplatz der Gemeinde Icking
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Im September muss die Gemeinde entscheiden, ob am Sportplatz ein Riesenmast gebaut wird.

Icking – Die von der Initiative „Schutz vor Elektrosmog“ eingeforderte außerordentliche Bürgerversammlung zum Thema 5G-Mobilfunk war eher spärlich besucht.

Obwohl 200 den Antrag unterschrieben hatten, weil sie sich zu wenig informiert hatten, besuchten nicht einmal 50 die Veranstaltung. Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) gab eine Übersicht über den geplanten Ausbau. Mit bis zu sechs neuen Masten sei der Bedarf der Betreiber sehr hoch. Bedingt sei das durch die Versorgung der Autobahn, S-Bahn und Bundesstraße. „Daher kommt es, dass wir so belagert werden.“ Der Standort bei Meilenberg wird wohl zügig realisiert, ebenso wie der in Wadlhausen.

Der Mast bei Schlederloh wird zurzeit nicht weiter verfolgt. Gegen den Masten im Wald hinter dem Gymnasium hatte es wegen der Nähe zu den Wohngebieten viele Proteste gegeben. Er wird auch nicht gebaut werden, weil der Grundeigentümer nicht vermietet. Auch gegen den geplanten „Monster-Mast“ am Sportplatz gab es viele Einwände.

Im September muss die Gemeinde entscheiden, ob sie ihn genehmigt. Sie hofft unterdessen, den Betreiber davon zu überzeugen, ihn näher an der Waldkante zu rücken. Gibt es keine Einigung mit dem Mobilfunkanbieter, hat dieser bereits angekündigt, die alten Masten im Ortskern massiv aufzurüsten.

Für den Strahlenexperten Hans Ulrich wäre das auf alle Fälle der worst case, diese Antennen gelten als Strahlenschleudern. „Dann kriegen wir eine Mehrbelastung mit Faktor 80.“ Er legte dem Publikum nahe, aufgrund der geringeren Strahlenbelastung lieber den höheren Sportplatz-Masten zu akzeptieren, selbst wenn dieser wenig schön fürs Ortsbild wäre. Auch die Bürgerinitiative hatte mit Wilfried Kühling einen Experten mitgebracht, der ebenfalls live zugeschaltet war.

Niedrige Grenzwerte

Der Professor empfahl der Gemeinde neue Wege zu beschreiten und den Mobilfunkbetreibern im Teilflächennutzungsplan niedrigere Grenzwerte vorzuschreiben. Davon hielt wiederum Rechtsanwalt Frank Sommer überhaupt nichts, da die Kommune dazu gesetzlich keine Befugnis habe. „Das ist ein Experiment, das zum Scheitern verurteilt ist.“ Er warnte davor, mit solchen Maßnahmen die Mobilfunkbetreiber „zu provozieren“.

Der Schuss könnte nach hinten losgehen: „Sonst kriegen wir einen Masten, wo wir ihn nicht haben wollen“, sagte er. Außerdem verwies er auf den Versorgungsauftrag, an den die Anbieter gebunden seien. „Solch niedrige Grenzwerte sind weit weg davon.“ Er empfahl der Gemeinde, weiter den Weg im Dialogverfahren mit den verträglichsten Standorten zu beschreiten.

Auch die Bürger hatten etliche Fragen, vor allem zum Mitbestimmungsrecht der Gemeinde. Zwingen kann man aber die Mobilfunkanbieter zu nichts, so lautete das für einige sicher recht ernüchternde Fazit. Die Bürgerinitiative will nun die Informationen einige Tage „sacken“ lassen, ehe sie der Gemeinde ihr Votum wissen lässt.

Susanne Hauck

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