„Nicht im Interesse der Ickinger Bürger“

Gemeinderat diskutiert über ortsverträgliche Bebauung – Tod des Investors stellt Reithallenpläne in Frage

Eine Ruine, die alte Ickinger Reitschule
+
Eine Ruine, die alte Ickinger Reitschule: Die Spuren der Brandkatastrophe vor zwei Jahren sind noch überall deutlich zu sehen.

Icking – Johann Abfalter, der Biowasserkönig (St. Leonhardsquellen bei Rosenheim) und Grundstückseigentümer der abgebrannten Ickinger Reitschule, ist vor ein paar Wochen verstorben. Sollen deshalb alle bisherigen Planungen am Isarweg zugunsten neuer Überlegungen auf Null gestellt werden? Der Gemeinderat sagt nein.

Die Neuplanung der Reithalle forderte die Ickinger Initiative, scheiterte mit ihrem Antrag aber jüngst im Gemeinderat. Schon weil die Verträge rechtlich weiter laufen – Vertragspartner ist nicht Abfalter persönlich, sondern seine Firma. Aber die Diskussion zeigte erneut deutlich die tiefe Spaltung des Gemeinderat in der Frage um die ortsverträgliche Bebauung des Areals. Viele machen sich Sorge darum, dass alles, was da unten geplant ist, zu riesig wird. „Die Wohnungen sind zu kompakt und vielleicht zu viele, das Gewerbegebäude ist zu hoch und die Verkehrserschließung reicht nicht aus“, so Vigdis Nipperdey von der Ickinger Initiative. „Das liegt uns alles sehr im Magen.“

Was der Investor bislang an Entwürfen vorgelegt hatte, war im Gemeinderat durchgefallen. „Da ist nicht das Gelbe vom Ei dabei gewesen“, sagte Nipperdey zu den Plänen, die sechs Häuser mit 38 Mietwohnungen und ein L-förmiges Bürogebäude, das mit seiner sechs Meter hohen Wand als zu massiv und städtisch kritisiert worden war. „Wir sollten bitteschön eine neue Architektur haben.“ Auch SPD und Grüne wollten lieber „einen Schritt zurückgehen“ und beispielsweise in einer eigenen Ortsentwicklungsklausur nochmal nachdenken. Die „riesige Gewerbeimmobilie“ war es, die Laura Leismüller (Grüne) besonders in Frage stellte. An dieser Stelle warnte Bürgermeisterin Verena Reithmann: „Man muss sich schon klar sein, was man jetzt für Signale an die Firma sendet, die hofft, umzuziehen.“ Wie man weiß, handelt es sich dabei um ein ortsansässiges Unternehmen.

Jetzt alles über den Haufen zu werfen, kam für Matthias Ertl (PWG) nicht in Frage. „Wir sollten ein verlässlicher Vertragspartner sein.“ Auch die UBI war dafür, so lange abzuwarten, bis die Gegenseite annehmbare Pläne liefere, schließlich habe die Gemeinde die Planungshoheit. Stefan Schneider (UBI) warnte davor, „die Ampel auf Rot zu stellen“, weil er befürchtete, dass der Investor irgendwann entnervt aufgeben könnte. „Das kann aber auch nicht im Interesse der Ickinger Bevölkerung sein.“ Denn bekanntlich soll ein Teil der Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen vermietet werden. Susanne Hauck

Auch interessant

Kommentare