„Es fing mit einer Ohrfeige an“

Gerd Jakobi erhält höchste Ehrung der SPD verliehen: die Willy-Brandt-Medaille

Gerhard Jakobi (Mitte) erhält die seltene Willy-Brand-Medaille. Es gratulierten (v.l.) Karin Siebert (Kassierin des SPD-Ortsvereins), Julian Chuchulowski (Vizevorsitzender), Beatrice Wagner (Ortsvorsitzende), Kreisvorsitzender Klaus Barthel sowie Gattin Elisabeth.
+
Gerhard Jakobi (Mitte) erhält die seltene Willy-Brand-Medaille. Es gratulierten (v.l.) Karin Siebert (Kassierin des SPD-Ortsvereins), Julian Chuchulowski (Vizevorsitzender), Beatrice Wagner (Ortsvorsitzende), Kreisvorsitzender Klaus Barthel sowie Gattin Elisabeth.

Icking – Die Willy-Brandt-Medaille ist die höchste Ehrung der SPD. Und sie wird nur selten vergeben. Gerd Jakobi hat die Auszeichnung jetzt erhalten. „Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet“, sagte der gebürtige Duisburger, der seit 58 Jahren in der SPD ist.

Als Jakobi im Jahr 1969 nach Icking zog, war der rote Genosse aus dem Ruhrgebiet im tiefschwarzen Oberbayern eine ganz seltene Spezies. Umso mehr war es für ihn eine Herausforderung, 1970 zusammen mit einigen anderen Mitstreitern den ersten Ortsverein aus der Taufe zu heben. Seitdem engagiert er sich für die Kommunalpolitik. Von 1984 bis 1998 war Jakobi im Gemeinderat vertreten und als Bürgermeisterkandidat errang er einen Achtungserfolg. Die Isartalgemeinde habe ihm viel zu verdanken, sagte SPD-Ortsvorsitzende Beatrice Wagner. „Du hast dich um sozialgerechtenWohnungsbau und die Einheimischenmodelle verdient gemacht, für einen am Menschen orientierten Straßenbau eingesetzt und geholfen, beim Bau der Abwasserkanalisation ein paar Millionen D-Mark zu sparen.“ Wagner erwähnte auch Jakobis leidenschaftlichen Einsatz für den Ickinger Schaukasten, der Zeitung des Ortsvereins, und für die Theatergruppe, eine weitere Spezialität der Ickinger Genossen. „Und bis heute hast du ein Herz für die Benachteiligten in der Gesellschaft“, sagte sie. Immer habe er gegen ein Ickinger „Reichenghetto“ und die „Arroganz des Geldes“ gekämpft. „Das sind so typische Gerd-Aussprüche“, schmunzelte sie. Dass Jakobis ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl in der SPD eine politische Heimat fand, habe mit einer Ohrfeige begonnen, berichtete Wagner aus der Biografie des 86-Jährigen. Es war in der Nachkriegszeit, die Arbeiter malochten unter menschenverachtenden Bedingungen in den Minen. Als sie beim Generalstreik 1948 für ihre Rechte kämpften, ging der Schüler aus Solidarität mit. Am nächsten Tag folgte die Quittung des Schuldirektors, der die beteiligten Jugendlichen „wie zu einer Exekution“ in einer Reihe aufstellen ließ, um jedem eine brutale Ohrfeige zu verpassen. „Das hast du als ungerecht empfunden“, sagte Wagner. Auch politische Weggefährten gratulierten herzlich. „Ohne den Gerd geht nix“, bestätigte Kreisvorsitzender Klaus Barthel in Erinnerung an viele gemeinsam durchgestandene Wahlkämpfe und Landtagsabgeordneter Florian von Brunn schickte allerbeste Grüße an den „Impulsgeber und echten Aktivposten“, mit dem er früher auf der Theaterbühne stand. Dass der Ickinger Gemeinderat Jakobi neulich nicht mal eine Bürger-Ehrenmedaille spendieren wollte, war bei der Feierstunde nur am Rand Thema. „Die SPD ist da weniger knausrig“, betonte Wagner. Und Gerd Jakobi selbst war mehr als happy mit der allerhöchsten Auszeichnung seiner Partei, die von den Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterzeichnet war. „Das ist schon eine ganz andere Dimension“, sagte er. Susanne Hauck

Auch interessant

Kommentare