Schäftlarner Alltag um 1900

Wiederentdeckter Roman über die Ortsgeschichte – Überarbeitet von der Hollerhausleiterin

„Die Bauernfürstin“ spielt im Isartal. Lia Schneider-Stöckl hat den Heimatroman neu herausgegeben.
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„Die Bauernfürstin“ spielt im Isartal. Lia Schneider-Stöckl hat den Heimatroman neu herausgegeben.

Icking/Landkreis – Eigentlich ist die „Die Bauernfürstin“ ein längst vergessener Heimatroman, reiner Zufall, dass Lia Schneider-Stöckl auf ihn gestoßen ist.

Die Besonderheit: Er spielt im Isartal um die Jahrhundertwende. Hauptschauplätze sind die Ortschaften Hohenschäftlarn, Ebenhausen, Zell, Irschenhausen und Baierbrunn, es kommen reale Straßen, Gastwirtschaften und Kirchen vor.

„Das Buch beschreibt, wie das bäuerliche Leben hier um 1900 war“, berichtet Lia Schneider-Stöckl begeistert. Die Ickinger Hollerhausleiterin hat hat das Buch mit Anmerkungen und historischen Fotos ergänzt und neu herausgegeben. Dabei geholfen hat ihr die 2018 verstorbene Annemarie Hartwig. Die alte Dame, die fast 50 Jahre auf der Gemeinde Schäftlarn gearbeitet hatte, kannte sich mit der Geschichte und den Gepflogenheiten aus wie kein anderer. Bis auf wenige Großbauern war das Leben für die meisten Leute hart und entbehrungsreich. Wenn die Dorffrauen im Roman die „gräfliche Wäsche“ besorgten, bedeutete das, dass sie sich etwas dazuverdienen konnten, wenn in den Sommermonaten die Adelsfamilie Rambaldi im Fischerschlößl wohnte und für das Auskochen der Wäsche weiteres Personal brauchte. Und in Schäftlarn gab es bis in die 1950er Jahre sogar noch eine kleine Polizeistation, mit einem „Arrestkammerl“ in einem benachbarten Bauernhaus. Die Industrialisierung brachte gewaltige Eingriffe in die natürliche Landschaft im Isartal mit sich. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dort gebaut wie verrückt: der Isarkanal, Wasserleitungen, Kraftwerke – für die Versorgung der schnell wachsenden Ortschaften, aber auch um die Dampflokomotiven der Isartalbahn mit Wasser „betanken“ zu können.

Folgende regionale Läden verkaufen das Buch


„Die Bauernfürstin“ – das Buch von Hanns Hunkele mit historischen Anmerkungen von Lia Schneider-Stöckl und Annemarie Hartwig ist unter anderem bei der Buchhandlung Isartal (Ebenhausen), den Geschäften Michel, Geisler (beide Hohenschäftlarn), Klosterladen (Kloster Schäftlarn), Dorfladl Baierbrunn und dem Hollerhaus (Irschenhausen) für 19,90 Euro zu erwerben. ha

Erschienen ist der Heimatroman erstmals im Jahr 1930. Dabei geht es um die Geschichte der unehelich geborenen und boshaft als „Bauernfürstin“ titulierten Anna Fürst, die trotz vieler Widersacher zu Besitz und privatem Glück kommt. Geschrieben hat das Buch Hanns Hunkele (1892-1957). In Schäftlarn ist er so gut wie vergessen, dabei stammt er von hier. Er wuchs im Ebenhausener Fischerschlößl als Sohn des Gärtners auf und schrieb gut ein Dutzend Heimatromane. In der „Bauernfürstin“ verarbeitet er seine Kindheits- und Jugenderinnerungen. Hunkele war auch Schauspieler („Der Jäger von Fall“).

Begleitend zum Erscheinen des Buchs hat Lia Schneider-Stöckl im Hollerhaus die Ausstellung „Das Isartal zur Zeit der Bauernfürstin um 1900“ vorbereitet. Viele der alten Bauernfamilien, die Dorfarchivare und der Kloster Schäftlarner Pater Norbert Piller haben dafür tolle historische Fotos zur Verfügung gestellt, die die Künstlerin Belych Ljubov mit eigens gemalten Isarlandschaften ergänzte. Sie soll eröffnet werden, sobald die Umstände es erlauben. Ebenso sind weitere Veranstaltungen auf den Spuren der Romanheldin geplant wie Lesungen, historische Spaziergänge und Radwanderungen. Susanne Hauck

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