„Die Party ist vorbei“

IHK-Geschäftsführer Gößl warnt auf Neujahrsempfang vor Steuerhöhungen

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Wünscht sich mutige politische Impulse: IHK-Geschäftsführer Dr. Manfred Gößl (r.), hier bei seinem Impulsreferat. Zuvor begrüßte Gastgeber und WFO-Aufsichtsratsvorsitzender Reinhold Krämmel die rund 180 Gäste aus Politik und Wirtschaft.

Wolfratshausen – Rund 180 Besucher – darunter viele Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Unternehmer – kamen zum gemeinsamen Neujahrsempfang des Wirtschaftsforums Oberland (WFO) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) ins Krämmel-Forum. Dort hielt Dr. Manfred Gößl, IHK-Hauptgeschäftsführer für München und Oberbayern, eine engagierte Rede.

Nachdem das von Roland Hammerschmied dirigierte Ensemble Mixed Voices mit schwungvollen Coverversionen von Queen und Bon Jovi den Abend musikalisch eröffnet hatte, erinnerte Gastgeber Reinhold Krämmel zunächst an die Notwendigkeit des Wirtschaftsforums. „Die Vertreter der Wirtschaft sind daran interessiert, mit allen zu sprechen: Bei diesem Forum kommen Menschen zusammen, die sich für das Gemeinwohl engagieren“, betonte der WFO-Aufsichtsratsvorsitzende. Danach lobte IHK-Geschäftsführer Dr. Manfred Gößl zunächst die Unternehmen im Oberland, die im Vergleich mit den Firmen in anderen bayerischen Regionen gut aufgestellt seien. Dabei bezog er sich auf ein von der IHK beauftragtes Konjunkturbarometer, das Umfrageergebnisse von verschiedenen Unternehmern in ganz Bayern berücksichtigt. „Im Oberland wird der Beschäftigungsaufbau vorangehen: Jeder zweite Unternehmer hat offene Stellen“, erklärte Gößl. Mit Sorge registriert er jedoch die Zurückhaltung bei Investitionen. „Die Unternehmen brauchen nun mutige Impulse aus der Politik“, forderte der Ickinger. Seiner Ansicht nach müsse die Gesamtsteuerbelastung auf einbehaltene Gewinne in Deutschland von derzeit mehr als 30 Prozent auf 25 Prozent gesenkt und die Abschreibungszeiträume bei der Anschaffung von Hard- und Software verkürzt werden. Dass der Industriestrompreis hierzulande wesentlich höher sei als in den USA, trage ebenfalls nicht zu einem ausgeglichenen Wettbewerb bei. Der Klimaschutz solle dabei auf keinen Fall vernachlässigt werden. „Aber ohne die Industrie wird das nichts mit der Energiewende“, warnte Gößl.

Der Fachkräftemangel im Oberland könne vor allem mit der Schaffung von günstigem Wohnraum minimiert werden. Um nicht zu viele Grünflächen dafür zu opfern, plädierte Gößl dafür, „in die Höhe zu bauen“ und Dachgeschosse großzügiger anzulegen. Damit müsse auch ein Ausbau und eine Verbesserung der Infrastruktur im Nahverkehr einhergehen. „Die Erweiterung des MVV-Tarifsystems wäre eine riesige Chance für die Region“, glaubt Gößl. Am Ende seiner Rede forderte der IHK-Geschäftsführer die anwesenden Politiker und Unternehmer zum Handeln auf: „Die Party ist vorbei, es kommen andere Zeiten. Wenn wir nichts tun, werden wir verlieren!“. Gelegenheiten zum „Netzwerken“ ergaben sich abschließend am Buffet des Geretsrieder Catering-Unternehmens Schmid-Bäck‘.Peter Herrmann

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