„Nichts tun: der größte Fehler“

Infoabend zu 5G: Sachliche Vorträge nehmen die Emotionen aus der Debatte

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Gegner von 5G protestierten mit einem Transparent gegen den geplanten Mobilfunkmast.

Icking – Die Bundesregierung will die Breitbandoffensive, der neue Mobilfunkstandard 5G verunsichert die Bürger. Die letzten der rund 150 Besucher, die ins Rathaus gekommen waren, mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen, so groß war der Andrang beim von der Gemeinde Icking veranstalteten Infoabend.

Der Andrang war kein Wunder, hatte doch zuletzt in der Ortschaft viel Unruhe geherrscht wegen des Vorhabens von Vodafone, beim Sportplatz eine 30 Meter hohe Antenne errichten zu wollen. Ein anonymer Flyer und eine sehr gut besuchte Veranstaltung der 5G-Gegner hatten die Bürger weiter sensibilisiert. „Dieser Mobilfunkmast kann in Zukunft als Waffe eingesetzt werden“, so hieß es dann auch auf einem Protest-Transparent im Saal.

Mit einem ebenso sachlichen wie informativen Vortrag rund um den neuen Mobilfunkstandard und die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde gelang es den Referenten, die Gemüter zu beruhigen und allerhand Gerüchte auszuräumen. 5G sei keine neue Technologie, sondern eine Weiterentwicklung des alten Standards 4G, so Strahlenexperte Hans Ulrich, der die Gemeinde seit langem bei Standortfragen berät. Auch seien die neuen Masten trotz ihrer furchterregenden Größe strahlungsärmer als die alten. Selbst mit 5G betrage die Immission nur etwa drei bis 18 Prozent des von der Bundesregierung festgesetzten Grenzwerts. Nicht zu erwarten seien ferner Mikrozellen-Sendeanlagen für einen flächendeckenden Ausbau alle paar Meter an Straßenlaternen, wie behauptet worden war. „Verhindern kann die Gemeinde einen 5G-Funkmast wegen der Gesetzeslage aber nicht“, so Rechtsanwalt Frank Sommer. „Ihre einzige Chance liegt darin, einen Standort zu bestimmen, der verträglich ist.“ Von einem riet er dringend ab: Nichts zu tun oder das Bauvorhaben verhindern zu wollen. Es werde sich immer ein Eigentümer finden, der sein Grundstück zur Verfügung stelle. Er empfahl, mit den Mobilfunkanbietern zu reden oder den Standort über einen Flächennutzungsplan zu regeln. Die Gefahren einer dauernden Strahlenbelastung seit Jahrzehnten wollten aber auch die Experten nicht kleinreden, die einen überlegten Umgang mit Handy und W-Lan befürworteten sowie eine vorsorgliche Reduzierung des Grenzwerts.

Rund eineinviertel Stunden lauschten die Bürger geduldig, dann standen Gegner wie Befürworter vor dem Mikrofon Schlange, um ihre Fragen und Anliegen loszuwerden. Dr. Nina Pszolla übergab Bürgermeisterin Margit Menrad rund 430 Unterschriften von 5G-Gegnern und rief dazu auf, abzuwarten. Dies sei aber die falsche Taktik, so Rechtsanwalt Sommer.

„Auch ich sehe die Notwendigkeit eines weiteren Netzausbaus wie mit 5G in Icking nicht ein“, bezog Bürgermeisterin Margit Menrad Stellung, die alles dafür tun will, die Strahlenbelastung in der Gemeinde möglichst gering zu halten. „Doch das interessiert in Berlin niemand.“ Letzten Freitag habe ihr eine Mail der Telekom die letzten Illusionen geraubt. Demnach sei die Telekom durch die Frequenzversteigerung verpflichtet, zwei Standorte für 40 Meter hohe Antennenträger in erster Linie für die Bahnversorgung auszubauen. Ein Standort soll bei der Abzweigung nach Schlederloh sein, der andere auf der Höhe von Schützenried. Der Gemeinderat wird sich in der nächsten Sitzung damit befassen.

Susanne Hauck

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